Streit um Neusiedler Beete: Zaubergärtner gegen Stadtverwaltung
In der malerischen Stadt Neusiedl am See hat sich ein Streit zwischen dem selbsternannten „Zaubergärtner“ Wolf Stockinger und der Stadtverwaltung entwickelt, der die lokale Gemeinschaft in Atem hält. Stockinger, der in den letzten zehn Jahren zahlreiche Pflanzenbeete im innovativen „New Pannonian Style“ kultiviert hat, äußerte in den letzten Wochen seinen Unmut über den Umgang der Stadt mit seinen Beeten. Laut seinen Aussagen sind von etwa 80 Beeten mittlerweile über 40 in einem bedauerlichen Zustand. „Ich habe in 40 Berufsjahren noch nie so viel Lieblosigkeit und Empathiebefreitheit erlebt“, beklagt sich Stockinger. Während einer Hitzewelle wollte er versuchen, einige Pflanzen zu retten, doch Unterstützung vom Bauhof blieb aus. Die Kommunikation mit der Stadtgemeinde sei seit März nicht mehr vorhanden, und sein „Lebensbaum“ wurde im Frühjahr gefällt, obwohl er um eine Rücksprache gebeten hatte.
Die grüne Stadtpartei hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet und spricht von einem „ökologischen und finanziellen Desaster“. Bürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ) wies jedoch alle Vorwürfe zurück und betonte, dass die Beete regelmäßig gepflegt werden. Sie erklärt, dass im Stadtgebiet 300 neue Bäume gepflanzt wurden und bis Jahresende 50 weitere geplant sind. Zudem wies sie darauf hin, dass Stockingers Arbeit nicht ehrenamtlich war und es Vereinbarungen mit finanziellen Aufwendungen gab. Letztere wurde auf Stockingers eigenen Wunsch im Vorjahr nicht verlängert. „Die Kommunikation war stets auf Augenhöhe“, so Böhm. Der fällige Baum wurde aufgrund eines Baumkatasters entfernt, das kranke oder unsichere Bäume identifiziert. Stockinger, der mittlerweile plant, Projekte in anderen Gemeinden zu verfolgen, äußerte, dass die Situation ihn und seine Frau krank gemacht hat und sie erwägen, die Stadt zu verlassen.
Auszeichnung für klimafitte Gartenkultur
Doch nicht alles ist trüb in Neusiedl. Der Verein Neusiedler ZauberGarten, zu dem Stockinger und Thomas Amersberger gehören, wurde kürzlich mit dem Burgenländischen Umweltpreis 2023 ausgezeichnet. Diese Ehrung wurde für die Entwicklung des „New Pannonian Style“ verliehen, der heimische und exotische, trockenheitsresistente Pflanzen kombiniert. Der Verein hat sich einen Namen gemacht mit seinen 100 Beeten, die mit standortangepassten Pflanzen gestaltet sind. Diese Beete werten wenig genutzte Flächen auf, vermeiden Bodenversiegelung und schaffen wertvolle ökologische Rückzugsräume. Die Preisverleihung fand im Kulturzentrum Mattersburg statt, wo Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner den Preis überreichte. Stockinger war allerdings nicht anwesend, da er sich mit seiner Frau in Thailand aufhielt. Mitglieder des Vereins und Freunde nahmen die Auszeichnung stellvertretend entgegen.
Bürgermeisterin Böhm zeigte sich stolz über das Projekt und betonte die Bedeutung innovativer Ideen und guter Zusammenarbeit für Klima, Umwelt und Lebensqualität. Die Neusiedler Gartentage im Mai, die unter anderem die klimafitte Gartenkultur näherbringen sollen, sind ein weiterer Aspekt der Zusammenarbeit zwischen Stockinger und der Stadtgemeinde.
Bedeutung urbaner Grünflächen
Die Diskussion um Stockinger und seine Beete wirft auch ein Licht auf die allgemeinen Herausforderungen, mit denen urbane Gärten und Parks konfrontiert sind. Grünflächen sind nicht nur Erholungsorte, sondern auch soziale Treffpunkte. Sie regulieren das Stadtklima, nehmen Starkregen auf und bieten vielfältige ökologische Vorteile. Ein Forschungsprojekt untersucht derzeit die Ökosystemleistungen von Parks und Gärten und zeigt, dass urbane Grünflächen einen gesellschaftlichen Nutzen zwischen 100.000 und mehreren Millionen Euro pro Jahr stiften können, abhängig von Größe und Ausstattung. Trotz des hohen Wertes stehen viele Gärten und Parks unter Druck. Die Stadtgemeinden sind gefordert, ihre Flächen zu sichern und die Kommunikation mit den Bürgern zu verbessern, um Nutzungskonflikte zu vermeiden und die Bedeutung von Grünflächen in der Stadtentwicklung hervorzuheben.
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