Heute ist der 29.05.2026 und in Oberpullendorf stehen die Wiesen in voller Blüte. Doch während die Landwirte sich auf die bevorstehende Mahd vorbereiten, gibt es eine Gruppe, die besonders im Fokus steht – die Rehkitze. Diese kleinen, gepunkteten Geschöpfe sind bei Gefahr geruchlos und drücken sich im hohen Gras, was sie für Mähwerke nahezu unsichtbar macht. Bio-Landwirtin und Jägerin Silvia Fruhmann hebt hervor, wie wichtig es ist, die Rehkitze während dieser kritischen Zeit zu schützen. Die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Jägerschaft hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert, um Unfälle zu vermeiden und die Tiere zu retten.
Die Felder werden mittlerweile in den frühen Morgenstunden mit Wärmebilddrohnen abgesucht, bevor die Mähwerke ihre Arbeit aufnehmen. Diese Technologie hat sich etabliert, auch wenn die Anschaffungskosten der Drohnen nicht zu vernachlässigen sind. Laut dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), das den Einsatz von Drohnen zur Rehkitzrettung fördert, sind Anträge bis zum 30. Juni 2026 möglich. Die Förderung zielt darauf ab, den Tierschutz zu stärken und die effektive Rettung von Rehkitzen zu unterstützen.
Schutzmaßnahmen und Techniken
Besonders in Lockenhaus wird die Mahd erst ab dem 15. Juni durchgeführt, um die Setzzeit der Rehkitze zu berücksichtigen. Dennoch bleibt die Gefahr bestehen, denn jedes Jahr werden tausende Rehkitze während der Mahd verletzt oder getötet. Die Natur hat zwar ihre eigenen Schutzmaßnahmen, doch die Landwirte müssen aktiv werden. Idealerweise informieren sie die Jägerschaft vor der Mahd, damit die Felder kontrolliert werden können. Manchmal wird auch mit menschlichen Ketten nach den Kitzen gesucht, aber das stößt bei größeren Flächen schnell an seine Grenzen.
Die Wärmebilddrohnen haben hier einen klaren Vorteil: Sie können in etwa 15 Minuten bis zu fünf bis sieben Hektar absuchen! Dabei ist es wichtig, die gefundenen Rehkitze vorsichtig in Sicherheit zu bringen, um menschliche Gerüche zu vermeiden – schließlich könnte das die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Kitze von ihren Müttern nicht mehr angenommen werden. Nach der Mahd werden die kleinen Tiere dann wieder freigelassen.
Tierschutz und Landwirtschaft im Einklang
Die Rehkitzrettung erfolgt auf freiwilliger Basis, aber der Trend zeigt, dass Landwirte zunehmend Randstreifen stehen lassen, um Rückzugsräume für Wildtiere zu schaffen. Zehn Prozent des jährlichen Jagdpachtschillings werden in Maßnahmen zur Verbesserung von Lebensräumen investiert. Diese Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Jägerschaft spiegelt ein wachsendes Bewusstsein für den Tierschutz wider.
Ein weiterer Punkt ist, dass nicht nur Rehkitze gefährdet sind, sondern auch Kleinsäuger, Reptilien, Insekten und bodenbrütende Vögel. Die Mäharbeiten fallen oft in die Brut- und Setzzeit, was die Gefahr für viele Arten erhöht. Deshalb empfiehlt es sich, beim Mähen einige Tipps zu befolgen: Zum Beispiel von innen nach außen oder entlang von Wegen und Straßen zu mähen, die Mähgeschwindigkeit zu verringern oder die Schnitthöhe auf 10 bis 15 cm zu begrenzen.
Es gibt viele moderne und traditionelle Methoden, um die Tiere während der Mahd zu schützen. Der Einsatz von akustischen und optischen Vergrämungsgeräten wird ebenfalls diskutiert, auch wenn veraltete Techniken wie Flatterbänder nicht mehr ausreichen. Immer mehr Landwirte organisieren Tierschutzmaßnahmen oft in Eigenregie oder mit Unterstützung von Jagdpächtern. Das zeigt, wie wichtig ein gemeinsames Engagement für den Tierschutz ist.
Insgesamt wird deutlich, dass die Rehkitzrettung nicht nur ein Thema für die Jägerschaft ist, sondern alle betrifft. Auch private Gartenbesitzer sollten tier- und umweltschonende Mähmethoden nutzen. Wenn wir alle ein bisschen mehr aufeinander achten, können wir vielleicht gemeinsam dafür sorgen, dass diese kleinen Geschöpfe auch in Zukunft in unseren Wiesen leben können.
