30 Jahre RuSt: Unternehmensrecht im Wandel der Zeit
In Rust, einer malerischen Stadt in Österreich, wird ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert. Die RuSt, eine Plattform für Unternehmensrecht, blickt auf 30 Jahre zurück. Die Veranstaltung hat sich über die Jahre von einer reinen Fachveranstaltung zu einem lebendigen Forum für zentrale Zukunftsfragen der Branche entwickelt. Es ist spannend zu sehen, wie sich die rechtlichen, wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen verändert haben und wie diese Entwicklungen die Welt des Wirtschaftsrechts geprägt haben.
Dr. Clemens Hasenauer, der fachliche Gesamtleiter von CERHA HEMPEL, hat in einem Video-Interview eindrücklich betont, dass Unternehmensrecht weit über Gesetzestexte hinaus betrachtet werden muss. Die letzten drei Jahrzehnte waren geprägt von dynamischen Veränderungen, die Jurist:innen vor neue Herausforderungen stellen. Geopolitische Machtverschiebungen, technologische Entwicklungen und neue regulatorische Anforderungen haben die Szene stark beeinflusst. Themen wie Sanktionen, Handelskonflikte oder die Anforderungen an ESG (Environmental, Social and Governance) stehen dabei ganz oben auf der Agenda.
Die Rolle der Jurist:innen im Wandel
Wichtig ist, dass Jurist:innen zunehmend als strategische Berater:innen für Vorstände und Aufsichtsräte agieren. M&A-Transaktionen sind besonders betroffen von diesen Veränderungen. Die RuSt bietet nicht nur Raum für den Austausch von Perspektiven, sondern auch für die aktive Mitgestaltung der Entwicklungen in der Branche. Junge Jurist:innen haben hier die Chance, relevante Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und einzuordnen. Es geht schließlich nicht nur um Wissen, sondern auch um die Fähigkeit, sich in einer vernetzten Welt von Recht, Wirtschaft und gesellschaftlicher Verantwortung zurechtzufinden.
Die Erhöhung der Komplexität ist nicht nur ein Thema für Jurist:innen. Auch CFOs deutscher Großunternehmen sehen ihre strategischen Ziele durch geopolitische Risiken gefährdet. Ein aktueller CFO Survey zeigt, dass 57% der befragten CFOs angeben, geopolitische Risiken beeinflussen ihre strategischen Ziele stark. Dabei sind handelspolitische Hindernisse, der Ukraine-Krieg und Cyberattacken die häufigsten Risiken, die Unternehmen beschäftigen. Es ist faszinierend zu beobachten, wie diese Aspekte in die Risikomanagementstrategien integriert werden, oft jedoch nur punktuell und situativ.
M&A im geopolitschen Kontext
Was die M&A-Transaktionen angeht, stecken CFOs in einer Zwangslage. Trotz der geopolitischen Spannungen bleibt M&A zentral für strategische Transformationen. 2024 gab es in Europa rund 14.800 M&A-Transaktionen, aber das Volumen stagnierte bei etwa 700 Mrd. €. In Nordamerika sieht die Lage ganz anders aus – dort waren es fast doppelt so viele Deals mit einem erheblich höheren Volumen, insbesondere im Tech-Sektor. Die Herausforderungen in Europa, wie komplexe Genehmigungsprozesse und schärfere Investitionskontrollen, drücken auf die Stimmung.
Besonders in Österreich gibt es wichtige Transaktionen wie die geplante 49%-Beteiligung der Erste Group an Santander Polen für 7 Mrd. € oder das Joint Venture von OMV und ADNOC. Inmitten all dieser Herausforderungen ist es entscheidend, dass CFOs einen strukturierten Ansatz verfolgen. Stresstests und Szenarioanalysen werden immer wichtiger, um geopolitische Resilienz zu fördern und die Liquidität über verschiedene Finanzierungsquellen zu diversifizieren.
Die RuSt steht somit nicht nur für eine Feier der Vergangenheit, sondern auch für eine spannende Zukunft. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dynamiken weiterentwickeln werden und welche neuen Herausforderungen auf die Branche zukommen. Eines ist sicher: Der Austausch und die Diskussionen, die hier stattfinden, sind von zentraler Bedeutung für die Entwicklung bewährter Praktiken und die Orientierung in einer sich ständig verändernden Welt.
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