Heute, am 15. Mai 2026, schauen wir zurück auf einen besonderen Tag, der sich zum 71. Mal jährt: die Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages. Dieser historische Moment fand am 15. Mai 1955 statt, als Bundeskanzler Leopold Figl am Balkon des Schlosses Belvedere in Wien mit den markanten Worten „Österreich ist frei“ die Souveränität unseres Landes ausrief. Nach zehn Jahren des Kampfes um die Wiedererlangung dieser Freiheit war es endlich soweit. Ein echter Meilenstein in der Geschichte Österreichs!
Das Festbankett, das an diesem Tag im prunkvollen Schloss Schönbrunn stattfand, war ein wahrhaft festlicher Anlass. Rund 1.200 Gäste waren geladen, um gemeinsam zu feiern und die neue Ära zu begrüßen. Unter den servierten Köstlichkeiten war ein ganz besonderer Wein: ein Ruster Blaufränkisch aus dem Jahr 1953, produziert von den talentierten Winzerinnen Karola Kraft und Ella Leuthner. Ella, die die zweite Frau von Josef Leuthner war, hatte enge Verbindungen zu wichtigen Persönlichkeiten wie Leopold Figl und Julius Raab. Historische Dokumente belegen sogar, dass beim Bankett dieser Ruster Wein ausgeschenkt wurde. Das macht ihn nicht nur zu einem Tropfen Genuss, sondern auch zu einem Stück Geschichte.
Eine Verbindung von Wein und Geschichte
Die enge Verbindung zwischen Rust und dem Blaufränkisch hat Generationen überdauert. Harald Tremmel, der Obmann des Ruster Weinbauvereins, hebt die historische Bedeutung des Ruster Weins hervor. Diese Region hat nicht nur kulinarische Köstlichkeiten zu bieten, sondern auch eine tief verwurzelte Geschichte, die bis in die Zeit des Staatsvertrags zurückreicht. Gästebucheinträge aus Rust aus dem Jahr 1951 belegen den Kontakt zwischen Figl und den Ruster Winzern, was zeigt, wie sehr die Weinbauern Teil dieser geschichtsträchtigen Erzählung waren.
Doch der Weg zu diesem historischen Ereignis war nicht ohne Herausforderungen. Im Jahr 1954 begannen die Verhandlungen über die Neutralität Österreichs, inspiriert vom Beispiel der Schweiz. Die Idee einer neutralen Nation wurde als Ausdruck praktischer Vernunft angesehen, auch wenn sie auf Skepsis bei den Westmächten stieß. Letztendlich wurde im Frühjahr 1955 eine Lösung gefunden, die den Ansprüchen der Sowjetunion gerecht wurde. Diese Lösung stellte sicher, dass Österreich nicht der NATO beitritt, während gleichzeitig die westliche Orientierung und die politische sowie wirtschaftliche Integration fortgesetzt werden konnten.
Der Staatsvertrag und das politische Klima
Die erste frei gewählte Nachkriegsregierung Österreichs trat im Jänner 1947 unter alliierter Oberaufsicht in London zusammen. Ab März 1947 fanden die Verhandlungen über einen Friedensvertrag in Moskau statt. Während die ÖVP-Vertreter unter Figl und Raab weitgehend den sowjetischen Forderungen zustimmten, waren die SPÖ-Verhandler zurückhaltender, um ihre Distanz zu den Kommunisten zu wahren. Bruno Kreisky spielte eine wichtige Rolle, indem er seine Parteikollegen überzeugte, dass eine zu starke antisowjetische Haltung die Verhandlungen gefährden könnte.
Einige strittige Themen – wie die jugoslawischen Gebietsansprüche auf Teile Südkärntens und der Südsteiermark – zogen sich durch die Verhandlungen. Der Konflikt zwischen Stalin und Tito im Jahr 1949 führte dazu, dass die bestehenden Grenzen beibehalten wurden. Fragen zum „deutschen Eigentum“ in Österreich, einschließlich Grundbesitz und Industrieanlagen, erwiesen sich ebenfalls als schwierig. Dennoch konnten die Verhandlungen schließlich abgeschlossen werden, und der Staatsvertrag wurde unterzeichnet – ein historischer Moment, der auch eng mit der Geschichte des Ruster Weins verwoben ist.
So ist der Ruster Blaufränkisch nicht nur ein hervorragender Wein, sondern auch ein Symbol für die Freiheit und Souveränität Österreichs, die wir heute feiern dürfen. Vielleicht hebt der ein oder andere von uns heute ein Glas, um auf die Vergangenheit anzustoßen und die Bedeutung dieses Tages für die Zukunft zu würdigen. Ein Hoch auf den Ruster Wein und die Geschichte, die er erzählt!