Die Sonnenuhr an der Pfarrkirche in Neustadt ist ein echtes Kunstwerk, das schon seit vielen Jahren die Blicke der Passanten auf sich zieht. Sie wurde 1968 im Zuge einer Außenrenovierung der Kirche angebracht und ist ein Meisterwerk von Gerulf Wilhelm, einem akademischen Maler und Pädagogen aus Ybbsitz, der 1939 das Licht der Welt erblickte. Die Uhr ist nicht nur funktional, sondern auch künstlerisch gestaltet und zeigt die vier Reiche: Menschenreich, Tierreich, Blumenreich und Steinreich. Mit einem Durchmesser von 230 cm und einem dreifarbigen Ziffernblatt strahlt sie in voller Pracht an der Fassade der Kirche.

Gerulf Wilhelm hat die Sonnenuhr in Sgraffitotechnik ausgeführt, einer faszinierenden Technik, die durch das Freilegen von darunter liegender Farbe beeindruckende Muster und Formen erzeugt. Wenn man sich die Details genau anschaut, erkennt man die Leidenschaft und das handwerkliche Geschick, das in diesem Kunstwerk steckt. Man fühlt sich irgendwie in die Welt der Natur und der verschiedenen Lebensformen versetzt – es ist, als würde man durch einen lebendigen Garten spazieren.

Ein Blick auf weitere Werke

Die Kunst von Gerulf Wilhelm beschränkt sich jedoch nicht nur auf diese Sonnenuhr. In der Region kann man weitere Sgraffiti des Künstlers entdecken. Zum Beispiel am Feuerwehrhaus in Wolfsbach oder im alten Benewerk in Waidhofen an der Ybbs, im Ortsteil Zell. Auch in Amstetten hat er seine Spuren hinterlassen mit einer Darstellung des heiligen Michael am Kindergarten am Krautberg – zwar hinter Wärmedämmung verborgen, aber dennoch ein Teil seines künstlerischen Erbes.

Wilhelm hat mit seinem Schaffen nicht nur die Architektur der Region bereichert, sondern auch kulturelle Akzente gesetzt. Es ist bewundernswert, wie Kunst und Handwerk in seinen Arbeiten verschmelzen. Für viele ist der Anblick dieser Sgraffiti nicht nur ein optisches Erlebnis, sondern auch eine Art der Zeitreise durch die Geschichte und die Entwicklung der Kunst in dieser Gegend.

Ein zeitloses Erbe

Die Sonnenuhr in Neustadt ist mehr als nur ein Zeitmesser. Sie ist ein Symbol für die kreative Ausdrucksform, die sich in der Region entwickelt hat. Kunst ist in Österreich nicht nur ein Bestandteil des kulturellen Erbes, sondern auch eine lebendige Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Wenn man vor der Kirche steht und die Sonnenuhr betrachtet, kann man sich leicht vorstellen, wie viele Menschen hier schon vorbeigegangen sind und sich von ihrem Anblick inspirieren ließen. Heute, am 12.07.2026, steht sie noch immer stolz da und erzählt ihre eigene Geschichte – eine Geschichte von Kunst, Handwerk und der Zeit, die vergeht.

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