Einstellung des Präventionsprojekts StoP in Wels wirft Fragen zur Unterstützung von Gewaltopfern auf
Die Stadt Wels sieht sich aktuell mit einer bedauerlichen Entscheidung konfrontiert: Das Präventionsprojekt „Stadtteile gegen Partnergewalt“ (StoP) wird eingestellt. Trotz bereits bewilligter Fördermittel und politischem Rückhalt konnte das Projekt nicht aufrechterhalten werden. Der Grund dafür? Die Dachorganisation AÖF hat aus organisatorischen und kapazitären Gründen das Frauenhaus Wels als Träger ausgeschlossen. Und das, obwohl der Bedarf an Initiativen gegen Gewalt an Frauen in der Region, insbesondere nach einem tragischen Femizid und einem mutmaßlichen sexuellen Missbrauch, enorm hoch ist. Die Welser Sozialreferentin Christa Raggl-Mühlberger (FPÖ) hat wiederholt die Wichtigkeit solcher Projekte betont, und es besteht eine parteiübergreifende Einigkeit über deren Bedeutung.
Ein weiteres Problem ist die Suche nach einer neuen Trägerorganisation. Bis zum geplanten Projektbeginn im Juni 2026 konnte keine geeignete Lösung gefunden werden. Obwohl die FPÖ und die Grünen bereit waren, kurzfristig einen eigenen Trägerverein zu gründen, kam es nicht zu einer Einigung mit dem Frauenhaus-Dachverband AÖF. Der Welser Gemeinderat Thomas Rammerstorfer (Grüne) hat hierbei sein Unverständnis über die Ablehnung von Rettungsvorschlägen geäußert. Es ist alarmierend zu sehen, dass Wels der einzige Standort in Österreich ist, an dem StoP eingestellt wurde, während an über 40 anderen Standorten das Projekt fortgeführt wird. Dies wirft Fragen zur Unterstützung von Gewaltopfern auf.
Femizide als gesamtgesellschaftliches Problem
Femizide, die als Tötungen von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts definiert werden, sind in Österreich ein ernstes Thema. Laut der feministischen Soziologin Diana E. H. Russell sind Femizide Ausdruck struktureller Ungleichheit und patriarchaler Machtverhältnisse. Der Begriff wurde in den 1970er Jahren geprägt, um deutlich zu machen, dass Tötungen von Frauen oft das Ergebnis von Misogynie und gesellschaftlichen Strukturen sind. Der UN zufolge handelt es sich um geschlechtsbezogene Tötungen, die die strukturellen Ursachen von Gewalt gegen Frauen betonen.
In Österreich gibt es, leider, keinen eigenständigen Straftatbestand für Femizid; Tötungen werden unter Mord und Totschlag erfasst. Bis zum 14. Juli 2026 sind 15 mutmaßliche Femizide dokumentiert worden, basierend auf Medienberichten. Diese Zahlen bieten nur einen kleinen Einblick in das Ausmaß des Problems, da sie nicht auf der polizeilichen Kriminalstatistik basieren. Die Zählung umfasst wichtige Informationen wie Datum, Ort, Beziehung zwischen Opfer und Täter und Alter, was einen erschreckenden Einblick in die Realität gibt.
Die Rolle von Gewalt gegen Frauen in der Gesellschaft
Die Gewalt gegen Frauen ist ein weit verbreitetes Problem, das sich nicht nur auf physische Gewalt beschränkt. Eine Erhebung aus dem Jahr 2021 zeigte, dass Frauen überproportional häufig Opfer von Stalking, sexueller Belästigung am Arbeitsplatz und Gewalt in der Kindheit werden. Die Europäische Kommission plant daher umfassende Maßnahmen zur Bekämpfung geschlechtsbezogener Gewalt in ihrer „Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter 2020–2025“. Dazu gehört auch eine vergleichbare Datenerhebung, um das Ausmaß dieser Gewalt besser zu verstehen.
In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen in Wels ist es umso wichtiger, dass solche Initiativen nicht nur fortgeführt, sondern auch ausgebaut werden. Die Gesellschaft muss sich der Tatsache stellen, dass Gewalt gegen Frauen ein strukturelles Problem ist, das weitreichende Maßnahmen und Unterstützung erfordert. Die Einstellung von Projekten wie StoP ist ein Rückschritt, gerade in einer Zeit, in der der Bedarf nach Schutz und Unterstützung für Frauen größer ist denn je.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem Artikel auf meinbezirk.at.
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