Am 8. Mai 2023 wird der Wiener Heldenplatz wieder zum Schauplatz eines bedeutenden Events: Das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) lädt zum mittlerweile 14. „Fest der Freude“ ein. Diese Veranstaltung hat sich in den letzten Jahren als feste Größe etabliert und widmet sich heuer dem wichtigen, aber oft unbequemen Thema „Täter und Täterinnen im Nationalsozialismus“. Der 8. Mai, der als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa gefeiert wird, bietet einen passenden Rahmen für diese Auseinandersetzung.
Beginn ist um 19.30 Uhr, und für alle, die nicht vor Ort sein können, gibt es die Möglichkeit, die Veranstaltung mehrsprachig auf dem YouTube-Kanal des MKÖ zu verfolgen. Ziel der Veranstaltung ist es, den Opfern des NS-Regimes zu gedenken und ein starkes Bekenntnis zu Werten wie Demokratie, Menschenrechten und friedlichem Zusammenleben zu setzen. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit der Verantwortung von Individuen und Systemen im Nationalsozialismus. Willi Mernyi, der Vorsitzende des MKÖ, hebt die Bedeutung von Erinnerung hervor und warnt vor den Gefahren von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus.
Bedeutende Redebeiträge und musikalische Begleitung
Besonders bewegend wird die Rede von der Zeitzeugin Lucy Waldstein sein, die 1930 in Wien geboren wurde. Sie wird betonen: „Erinnerung ist Verantwortung – und Freiheit keine Selbstverständlichkeit.“ Zudem wird Bundespräsident Alexander Van der Bellen in einer Videobotschaft zu Wort kommen. Umrahmt wird der Abend von einem kostenlosen Konzert der Wiener Symphoniker, das die Gedenkveranstaltung musikalisch bereichert.
Die größte internationale Befreiungsfeier findet in diesem Jahr am 10. Mai 2026 in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen statt. Auch diese Feier wird live auf dem YouTube-Kanal des MKÖ sowie in „ORF III Aktuell“ übertragen. Jährlich strömen zehntausende Menschen zu den Gedenk- und Befreiungsfeiern, darunter zahlreiche Überlebende des Konzentrationslagers Mauthausen und viele Jugendliche, die sich mit der Geschichte auseinandersetzen.
Ein Blick auf die Befreiungsfeier in Mauthausen
Übrigens, am 10. Mai werden tausende Besucher aus aller Welt erwartet. Die Feier beginnt mit dem feierlichen Verlesen des „Mauthausen-Schwurs“, der für eine freie Welt und internationale Solidarität steht. Traditionell zieht der Gedenkzug zum ehemaligen Appellplatz, wo Delegationen von Opfergruppen und -nationen Kränze niederlegen. Wer es sich einrichten kann, sollte am 9. Mai um 17:00 Uhr in der KZ-Gedenkstätte Gusen vorbeischauen, wo ebenfalls eine Befreiungsfeier stattfindet. Dort gab es von 1940 bis 1945 über 70.000 KZ-Häftlinge, die unter extremen Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten.
Im KZ Mauthausen und seinen über 40 Nebenlagern waren fast 200.000 Menschen aus mehr als 40 Nationen gefangen, wobei die Hälfte nicht überlebte. Das Jahresthema für die Gedenk- und Befreiungsfeiern 2023, „Täter und Täterinnen im Nationalsozialismus“, soll uns die Mitwirkung vieler Personen im nationalsozialistischen Lagersystem bewusst machen.
Erinnerung als Verantwortung
Es ist wichtig, sich an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern, nicht nur am Gedenktag im Januar, sondern das ganze Jahr über. Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, hebt hervor, dass wir die Verantwortung haben, an das Unrecht zu erinnern und aktiv in der Gegenwart zu sein. Sie warnt vor einer „Schlussstrich“-Mentalität und der Relativierung der Verbrechen durch rechtsextreme Akteure. In einer Zeit, in der gefälschte Bilder und verzerrte Darstellungen in sozialen Medien immer mehr verbreitet werden, ist das Bewusstsein für die Vergangenheit umso wichtiger.
Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus muss wachgehalten werden, um gegen aktuellen Antisemitismus, Rechtsextremismus und Rassismus zu kämpfen. Es liegt an uns allen, für die Menschenrechte einzutreten und diese vom Staat einzufordern. Die Rolle der zivilgesellschaftlichen Organisationen ist dabei entscheidend. Projekte wie „Gegen das Vergessen“, das Überlebende des Holocausts portraitiert, helfen uns, die Geschichten der Vergangenheit lebendig zu halten und uns vor den Gefahren der Gegenwart zu warnen. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, die Erinnerung wachzuhalten und Verantwortung zu übernehmen.