Ein bitterer Frost für das Marchfeld: Ardo schließt Tiefkühlwerk in Groß-Enzersdorf
In einer überraschenden Wendung hat die Ardo Austria Frost GmbH die Schließung ihres Werks in Groß-Enzersdorf für 2027 angekündigt. Dieses Werk ist nicht nur das größte industrielle Tiefkühlgemüsewerk in Österreich, sondern auch ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Mit der Schließung stehen rund 190 Beschäftigte und 50 Leiharbeitskräfte vor ungewissen Zeiten. Das sorgt für große Besorgnis, nicht nur bei den Angestellten, sondern auch bei den Hunderte Landwirten, die ihre Produkte hier verarbeiten lassen.
Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich hat bereits darauf hingewiesen, dass die Schließung des Werks den Gemüsebau im Marchfeld erheblich treffen wird. Etwa 300 Bauern aus der Umgebung liefern Rohstoffe wie Erbsen, Karotten und Spinat an Ardo. „Das ist ein schwerer Schlag für die gesamte heimische Tiefkühlgemüseproduktion“, betont ein Vertreter der Kammer. Die Wertschöpfungskette, die rund 500 Gemüsebaubetriebe im Marchfeld umfasst, könnte gefährdet sein. Schließlich produzieren diese Betriebe auf etwa 3.300 Hektar Gemüse für die Verarbeitung.
Ein Alarmsignal für den Lebensmittelstandort
Ardo plant, die Produktion und Verpackung an andere Standorte zu verlagern, was die Lage noch komplizierter macht. Der Verband der Markenartikelindustrie (MAV) hat die Schließung als Alarmsignal für den heimischen Lebensmittelstandort bezeichnet. „Wir müssen uns fragen, was das für die Zukunft unserer Lebensmittelproduktion bedeutet“, so ein Sprecher des MAV. Die hohen Investitionskosten, insbesondere in Produktion, Verpackung, Lagerhaltung und Versorgungseinrichtungen, sind der Hauptgrund für die Entscheidung. Die Entfernung zum westeuropäischen Markt und die begrenzte Kostenwettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu mittel- und osteuropäischen Ländern machen eine Fortführung der Produktion in Groß-Enzersdorf nicht tragbar.
Im Gespräch mit Werksleiter Christian Karwen wird klar, dass die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat zur Ausarbeitung eines Sozialplans bereits begonnen hat. „Wir möchten den betroffenen Mitarbeitern bestmöglich helfen“, sagt Karwen. Der Geschäftsbetrieb in Groß-Enzersdorf wird bis Dezember 2026 fortgeführt, bevor ab August 2027 der Fokus in Österreich auf den Vertrieb gelegt wird. Gemüse wird dann von anderen Standorten geliefert, und die Mitarbeitenden im Vertrieb sind nicht von der Schließung betroffen.
Die Zukunft des Marchfelds
Die Schließung könnte auch die Blattgemüseproduktion im Marchfeld gefährden. 2025 wurden rund 40.000 Tonnen Rohware mit einem Warenwert von etwa 18,5 Millionen Euro an Ardo geliefert. Der Verlust der zentralen Infrastruktur für die Tiefkühlverarbeitung ist ein weiterer schwerwiegender Aspekt. Verschiedene landwirtschaftliche Organisationen fordern bereits Klarheit über die Zukunft des Standorts. Die Entscheidung von Ardo könnte als struktureller Einschnitt für das Marchfeld angesehen werden, besonders nach dem Ende der Zuckerproduktion in Leopoldsdorf.
Die Entwicklung neuer Kulturen und Produktionsverfahren, beispielsweise Edamame, könnte ins Stocken geraten. Langfristige Planung und Investitionen in spezialisierte Maschinen und Technik werden nötig sein, um die Verarbeitungskapazitäten und das Know-how im Marchfeld zu erhalten. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um die Zukunft der heimischen Tiefkühlgemüseproduktion zu sichern und die betroffenen Betriebe zu unterstützen.
