Glaubenswege: 80 Jahre Hoffnung und Gemeinschaft in Mariazell
Am 20. September 2026, einem strahlenden Samstag, fand in Mariazell die 80. Wallfahrt des Niederösterreichischen Bauernbundes statt. Das Motto „Glauben leben – Hoffnung säen“ zog nicht nur Bäuerinnen und Bauern an, sondern auch zahlreiche Wallfahrer, die sich gemeinsam auf den Weg machten, um eine tiefe Tradition zu feiern. Die Atmosphäre war geprägt von Gemeinschaftssinn und einer spürbaren Verbundenheit mit der Geschichte dieser besonderen Veranstaltung.
Der Ursprung der Wallfahrt reicht zurück in die düstere Zeit des Zweiten Weltkriegs, als Leopold Figl und Josef Reither während ihrer Gefangenschaft im Konzentrationslager Dachau ein Gelöbnis ablegten, dass sie nach ihrer Befreiung jährlich nach Mariazell pilgern würden. 1947 erfüllten sie ihr Versprechen erstmals und legten damit den Grundstein für eine Tradition, die bis heute Bestand hat.
Tradition und Verantwortung
Erwin Pröll, der ehemalige Landeshauptmann von Niederösterreich, hielt eine bewegende Ansprache, in der er die Wurzeln dieser Wallfahrt beleuchtete. Er sprach über die Wichtigkeit, Freiheit und Demokratie zu verteidigen und warnte vor einer schwindenden Verbindung zwischen den Generationen. „Wir haben eine Verantwortung, unsere Werte und unser Eigentum weiterzugeben“, betonte er eindringlich. Diese Worte fanden großen Anklang bei den Anwesenden, die sich der Bedeutung dieser Tradition bewusst sind.
Die Wallfahrt begann mit einer beeindruckenden Fußwallfahrt, an der rund 200 Jugendliche der Landjugend teilnahmen. Der erste Tag endete mit einer stimmungsvollen Lichterprozession durch Mariazell, die den Ort in ein warmes Licht tauchte und die Teilnehmer in eine besinnliche Stimmung versetzte. Am Sonntag fand der Höhepunkt der Feierlichkeiten statt: das Pontifikalamt, zelebriert von Diözesanbischof Alois Schwarz. Musikalisch umrahmt wurde dieser feierliche Gottesdienst vom Bäuerinnenchor aus Zistersdorf und einem Bläserquartett aus Dobermannsdorf, was dem Anlass eine besondere Note verlieh.
Ehrungen und Gemeinschaft
Besonders berührend war die Ehrung langjähriger Teilnehmer, darunter ein beeindruckender Pilger aus Korneuburg, der seit der ersten Wallfahrt 1947 dabei ist. Es ist erstaunlich, wie sich über all die Jahre eine solch starke Gemeinschaft gebildet hat, die auf den gemeinsamen Glauben und die geteilten Werte zurückblickt. Nach dem Gottesdienst gab es eine Agape, bei der die Bäuerinnen des Bezirks Gänserndorf und die Landjugend St. Veit an der Gölsen ein Kinderprogramm organisierten. Das Platzkonzert der Blasmusikkapelle Göllersdorf rundete das Programm ab und sorgte für fröhliche Klänge, die in der Luft schwebten.
Mariazell wird nicht umsonst als „Kraftort“ bezeichnet. Die Wallfahrt ist mehr als nur eine religiöse Veranstaltung; sie ist auch ein Ausdruck des Glaubens und eine Quelle von Kraft, Hoffnung und Zuversicht für die kommenden Generationen. Der Bauernbundobmann Stephan Pernkopf und Direktor Paul Nemecek hoben in ihren Reden die Wallfahrt als ein starkes Bekenntnis zu Glauben und Werten hervor. Diese Gemeinschaftsaktion ist nicht nur eine Feier der Tradition, sondern auch ein Auftrag, sich für die Zukunft stark zu machen.
