In Graz-Umgebung ist der Ausbau der A9 zwischen Graz-West und Wildon ein heiß diskutiertes Thema. Politisch beschlossen, sollen die Arbeiten im Jahr 2031 beginnen. Doch während einige die Notwendigkeit dieser Maßnahme betonen, gibt es auch kritische Stimmen, die eine andere Richtung fordern. Experten wie Alfred Posch, Professor für nachhaltige Innovation an der Uni Graz, sehen den Ausbau als ökologisch und ökonomisch unsinnig an. Posch ist Teil der Gruppe „Scientists for Future“, die gegen den Ausbau argumentiert und stattdessen nach Lösungen wie der Entsiegelung von Flächen und der Schaffung von Grünflächen ruft.

Die Verkehrsdichte wird laut Prognosen bis 2040 steigen. Posch warnt, dass der Ausbau der A9 zusätzlichen Pendlerverkehr in die bereits überlastete Landeshauptstadt bringen würde. Aktuell beträgt die Auslastung der A9 im Süden von Graz 103 Prozent. Laut Posch ist der motorisierte Individualverkehr die teuerste Lösung und er bezweifelt die Wirtschaftlichkeit des Projekts. In der Steiermark werden jährlich rund 2.000 kg CO2 pro Kopf durch Verkehr ausgestoßen. Posch sieht jedoch eine Möglichkeit zur Reduktion: Bei 60 % elektrischen Fahrzeugen könnte dieser Wert auf 1.600 kg sinken. Noch besser wäre es, alternative Mobilitätsformen wie Öffis, Fahrräder und Fußwege zu fördern, um die Emissionen auf 700 kg pro Jahr und Kopf zu drücken.

Politische Unterstützer des Ausbaus

Auf der anderen Seite steht Verkehrslandesrätin Claudia Holzer (FPÖ), die den Ausbau der Autobahn als notwendig erachtet und Alternativen ablehnt. Sie zitiert eine Verkehrsuntersuchung der TU Graz und Trafility GmbH, die den zusätzlichen Fahrstreifen empfiehlt, um die Kapazität zu erhöhen und den Verkehr von parallel führenden Straßen auf die Autobahn zu verlagern. Verkehrsminister Peter Hanke zeigt Zustimmung zum A9-Ausbau und hebt hervor, dass er für eine dritte Spur ist, wenn dies die Lebensqualität in der Region verbessert.

Der Landeshauptmann Mario Kunasek verweist auf die Studie, die eine Reduktion der CO2-Emissionen im Südkorridor durch Staureduktion und einen homogeneren Verkehrsablauf prognostiziert. Bei einer rechnerischen Auslastung von 78 Prozent beim dreistreifigen Ausbau sollen Verkehrssicherheit und -flüssigkeit gewährleistet werden. Kunasek bezeichnet das Projekt als alternativlos und hebt die positive Entwicklung hervor, die durch den Ausbau für die Anwohner erwartet wird. Der Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom ist es wichtig, dass ideologische Blockaden in Wien überwunden werden.

Ökologische Bedenken und wirtschaftliche Fragen

Doch auch wenn die Befürworter des Ausbaus mit Argumenten zur CO2-Reduktion und Verbesserung der Verkehrssituation auftrumpfen, gibt es kritische Stimmen, die dem nicht uneingeschränkt zustimmen. Der Verband Transport & Environment (T&E) hat in einer Studie gezeigt, dass der geplante Ausbau von Autobahnen und Bundesstraßen in Deutschland mehr CO₂-Emissionen verursachen wird, als bislang angenommen. Diese Erkenntnisse werfen ein Licht auf die Frage, ob ähnliche Entwicklungen auch in Österreich zu erwarten sind.

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T&E argumentiert, dass neue und breitere Straßen nicht das Verkehrsproblem lösen werden, sondern eher zu mehr Verkehr führen. Kritisiert wird zudem, dass die CO₂-Kosten für den Straßenbau zu niedrig angesetzt sind. Die hohen Ausgaben für Autobahnen stehen in einem Missverhältnis zum tatsächlichen Nutzen für die Bürger. Angesichts dieser Überlegungen stellt sich die Frage, ob der geplante Ausbau der A9 tatsächlich die richtige Lösung für die Verkehrsproblematik in der Region ist.