Rückkehr der alten Äpfel: Österreichs vergessene Sorten feiern Comeback
Heute ist der 23.10.2026. In Österreich gibt es eine faszinierende Initiative, die alte Apfelsorten wieder ins Rampenlicht rückt. Mitten im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld, genauer gesagt in Herrnberg, wird eine Testfläche von 0,7 Hektar bewirtschaftet, auf der Spar gemeinsam mit dem steirischen Obst- und Gemüseproduzenten Frutura zwei seltene Apfelsorten anbaut: den Ilzer Rosenapfel aus der Steiermark und den Falchs Gulderling aus Tirol. Diese alten Sorten, die in der modernen Obstwirtschaft kaum noch eine Rolle spielen, sollen nicht nur eine Rückkehr feiern, sondern auch die regionale Vermarktung ankurbeln. Wer hätte gedacht, dass in Österreich rund 2.000 Apfelsorten bekannt sind, von denen nur ein kleiner Teil kommerziell angebaut wird?
Das Projekt hat seinen Ursprung im Spar-Bienenrat, einer Initiative, die sich mit Biodiversität und dem Erhalt alter Kulturpflanzen beschäftigt. Die ersten Veredelungen begannen 2023, und die Edelreiser stammen aus dem Sortenerhaltungsgarten Wagersbach in der Steiermark sowie dem Versuchszentrum Laimburg in Südtirol. Bisher wurden bereits 1.300 Ilzer Rosenäpfel und 850 Falchs Gulderlinge gepflanzt. Ziel ist es, die Eignung dieser historischen Sorten für den modernen Erwerbsobstbau zu prüfen. Langfristig ist sogar eine Erweiterung der Anlage auf etwa 1 Hektar mit bis zu 1.500 Bäumen pro Sorte geplant.
Erste Ernte und Vermarktung
Die ersten Ergebnisse dieser spannenden Initiative zeigen, dass der Ilzer Rosenapfel kräftig wächst, während der Falchs Gulderling große Früchte trägt und bereits erste Erträge liefert. Es wird jedoch einige Jahre dauern, bis eine endgültige Beurteilung der Sorten möglich ist. Die erste Ernte wird bereits Ende November 2026 teilweise bei Interspar am Schottentor in Wien vermarktet. Ein Teil der Früchte wird für Verkostungen, Untersuchungen und Lagertests verwendet. Auch steirische Kindergärten und Schulen dürfen sich auf Äpfel aus diesem Projekt freuen.
Die Bedeutung des Erhalts alter Apfelsorten ist nicht zu unterschätzen. In Deutschland, wo Äpfel das am meisten angebaute Baumobst sind, ist die Sortenvielfalt in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Hierzulande verzehrt jeder Deutsche rund 20 Kilogramm Äpfel pro Jahr, wobei die Hauptsorten wie Elstar, Gala und Jonagold dominieren. Alte Apfelsorten sind oft besser an die regionalen Witterungs- und Bodenverhältnisse angepasst. Obendrein können sie wichtige genetische Ressourcen für die Züchtung künftiger Sorten bieten.
Ökologische Aspekte und Zukunftsausblicke
Im Hinblick auf die ökologische Landwirtschaft ist es besonders wichtig, schorfresistente Sorten zu kultivieren, da chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel nicht erlaubt sind. Der Anbau hat sich in den letzten 50 Jahren stark verändert. Früher gab es große Kronen und hohe Stämme, heute sind die Bäume kleiner und kompakter. So können sie einfacher bewirtschaftet werden. Die nachhaltige Bewirtschaftung von Streuobstwiesen und das Pflanzen alter Apfelsorten im eigenen Garten sind weitere Schritte, die für die Erhaltung der Sortenvielfalt unternommen werden können.
Bei erfolgreichem Verlauf der Tests in Herrnberg könnte es also bald eine schrittweise Ausweitung des Anbaus und des regionalen Verkaufs geben. Vielleicht werden wir bald noch mehr alte Schätze aus den Obstgärten unserer Vorfahren genießen können, und das nicht nur in der Steiermark, sondern auch weit darüber hinaus. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich diese Initiative entwickeln wird!
