Heute ist der 4.10.2026 und in der Region Hollabrunn gibt es Grund zur Freude. Die NÖN hat wieder ihr Ranking der „Top 10 der Woche“ veröffentlicht und sich diesmal auf die ältesten Kirchen in Niederösterreich konzentriert. Unter diesen beeindruckenden Bauwerken sticht die Pfarrkirche Schöngrabern heraus, die auf Platz 10 gelandet ist. Diese romanische Sakralbau hat eine Geschichte, die mehr als 1.000 Jahre zurückreicht und noch immer fasziniert.

Erbaut zwischen 1210 und 1230 aus quarzgebundenem Sandstein, gilt die Kirche als eines der besterhaltenen Beispiele spätromanischer Architektur in der Region. Besonders bemerkenswert ist der reich verzierte Skulpturenfries an der Apsis, der den Besucher sofort in seinen Bann zieht. Die letzte Restaurierung fand 1996 an der Südchorfassade statt, und man kann nur hoffen, dass sie noch viele Jahre in diesem Zustand bleibt. Es ist fast so, als ob die Steine Geschichten erzählen könnten – Geschichten von längst vergangenen Zeiten und Menschen, die hier gebetet und gelebt haben.

Ein Blick auf die Apsis

Die Apsis der Kirche ist ein wahres Kunstwerk für sich. Laut dem DEHIO vom Bundesdenkmalamt ist sie durch ein Kordongesims und schlanke Halbsäulen mit figuralen Kapitellen unterteilt. Diese Apsis ist in sechs Rechteckfelder gegliedert, die als Träger für außergewöhnliche Reliefdarstellungen dienen. Und die Themen? Sie sind alles andere als alltäglich! Hier wird der Kampf von Gut und Böse, Tugend und Laster dargestellt. Man sieht Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, die zum Nachdenken anregen.

Auf der Südseite etwa, da findet man den Sündenfall – darüber schwebt der Kopf von Gottvater (oder ist es Christus?), flankiert von einer Taube, die den Heiligen Geist repräsentiert. Daneben thront Maria mit ihrem Kind, während das jüngste Gericht und die Verdammung der Eitelkeit im Hintergrund lauern. Ein wahrlich beeindruckendes Bild!

Die Ostseite zeigt das Opfer von Kain und Abel, während man auf der Nordseite den Kampf Davids mit dem Löwen bewundern kann. Über all diesen historischen Ereignissen schwebt die Frage: Was hat es mit den verschiedenen Reliefdarstellungen auf sich? Der DEHIO spricht gar von einem „großen Kirchenrätsel“, das es zu lösen gilt.

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Die „Steinerne Bibel“

Besonders spannend ist die Außenwand der Apsis, die als „Steinerne Bibel“ bezeichnet wird. Diese bildhafte Predigt thematisiert den ständigen Kampf des Menschen gegen das Böse und die Überwindung der Sünde durch Christus. Es gibt hier eine Fülle von Reliefs, die die Monate Dezember und Jänner zeigen, und man fragt sich, was die Künstler wohl dazu inspiriert hat. Komischerweise gibt es über die Entstehung der Kirche keine schriftlichen Zeugnisse – kein Bauherr, kein Künstler, keine Urkunde. Möglicherweise war einer der mächtigen Kuenringer der Bauherr, aber das bleibt Spekulation.

Die Kirche geriet lange in Vergessenheit, wurde aber im 19. Jahrhundert wiederentdeckt. Heute ist sie ein einzigartiges sakrales Kunstdenkmal in Europa. Interessierte können sich im Gemeindeamt Schöngrabern über Führungen und weitere Informationen erkundigen. Dort erhalten sie auch Material und Ansichtskarten. Einfach mal anrufen unter +43 2952 / 21 32 oder eine E-Mail an gemeinde@grabern.gv.at schicken.

Die Pfarrkirche Schöngrabern ist nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch ein faszinierendes Stück Geschichte. Ob beim gemütlichen Besuch oder bei einer Führung – hier gibt es viel zu entdecken und zu erleben. Es lohnt sich, einen Halt zu machen und sich von der Magie dieses Ortes verzaubern zu lassen!