Traditionsprojekt in Hollabrunn vor dem Aus: Ein Kampf um Arbeitsplätze und Zukunftschancen
Im Bezirk Hollabrunn wird eine jahrzehntelange Tradition des Arbeitsmarktes auf die Probe gestellt. Das Projekt „Landschaftspflege Schmidatal“ in Sitzendorf, das seit 30 Jahren langzeitarbeitslosen Männern eine neue Chance im Berufsleben geboten hat, steht vor dem Aus. Die Förderung durch das Arbeitsmarktservice (AMS) Niederösterreich und das Land NÖ wird zum Jahresende eingestellt. Das hat Bürgermeister Florian Hinteregger dazu veranlasst, eine Petition an das Ministerium zu planen, um für den Erhalt des Projekts zu kämpfen.
Die Gespräche mit der AMS-Führung verliefen leider nicht wie erhofft – keine positive Wendung in Sicht. Hinteregger hat die bittere Realität bereits erlebt und musste Kündigungen aussprechen. Besonders tragisch dabei: Alle hauptberuflichen Mitarbeiter kommen aus der Region und verlieren nun ihre Existenzgrundlage. Zudem sind 20 Gemeinden auf die Dienstleistungen der Landschaftspflege angewiesen. Die Schließung könnte also nicht nur den Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten, sondern auch einen Rückschlag für die gesamte Region.
Betroffene Projekte und ihre Schicksale
Das „Landschaftspflege Schmidatal“-Projekt ist nicht das einzige, das von der Entscheidung des AMS betroffen ist. Auch in Waidhofen an der Thaya wird das Projekt „Eibetex“ und in Marktl das Frauenprojekt „LIMA“ eingestellt. Gemeinsam haben diese Initiativen das Ziel, langzeitarbeitslose Menschen vorübergehend zu beschäftigen und sie auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben vorzubereiten. Die Begründung für die Beendigung der Förderung liegt in einer Anpassung der Förderstruktur an regionale Entwicklungen. Das AMS betont jedoch, dass es keine budgetären Gründe für diese Entscheidung gibt.
Die Situation im Bezirk Hollabrunn ist besorgniserregend. Ende August wurden 186 Langzeitarbeitslose gezählt, wobei 55,4 Prozent gesundheitliche Vermittlungseinschränkungen aufweisen. Das macht eine berufliche Integration in der Landschaftspflege, die körperlich herausfordernd ist, besonders schwierig. Auch der Standort ist problematisch – die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln lässt zu wünschen übrig. Ein Shuttledienst wurde zwar eingerichtet, doch viele Betroffene finden das Frauenprojekt „Luna“ in der Region einfach besser erreichbar.
Eine Region in der Warteschleife
Die Schließung von „Landschaftspflege Schmidatal“ könnte die ländliche Region weiter ausdünnen, befürchtet Hinteregger. Wenn die Kommune keine Kommunalsteuer mehr erhält, wird das die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde zusätzlich belasten. Hinteregger äußert den Wunsch, dass die Argumente des Vereins endlich gehört werden. Ideen zur Neuausrichtung des Projekts lagen bereits auf dem Tisch: von der Herstellung von Urnen über Friedhofspflege bis hin zu einem Lebensmittelmarkt zur Schulung von Frauen. Doch all diese Vorschläge scheinen jetzt in der Schublade zu verschwinden.
Die Notwendigkeit, Alternativangebote für langzeitarbeitslose und schwer vermittelbare Personen zu entwickeln, wird immer dringlicher. Das AMS plant, regionale Angebotsstrukturen anzupassen und möglicherweise geförderte Beschäftigungen oder externe Beratungsangebote einzuführen. Doch bis diese Konzepte umgesetzt werden, bleibt eine große Unsicherheit für viele Betroffene zurück. Der Druck auf die sozialen Einrichtungen wächst, und das ehrenamtliche Engagement spielt eine entscheidende Rolle. Aber auch hier gibt es rechtliche Fragen zur finanziellen Anerkennung, die geklärt werden müssen.
Insgesamt zeigt sich, dass die Herausforderungen am Arbeitsmarkt komplex sind. Die Schicksale der langzeitarbeitslosen Menschen sind nicht nur Zahlen, sondern lassen sich in den Gesichtern der Betroffenen ablesen. Es bleibt zu hoffen, dass die Stimme der Region gehört wird und dass es Lösungen gibt, die nicht nur kurzfristig helfen, sondern auch langfristig Perspektiven bieten.
