Heute ist der 24.09.2026 und die Lage in Äthiopien ist alles andere als stabil. Eine neue Eskalation des Konflikts zwischen der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) und der äthiopischen Zentralregierung sorgt für besorgniserregende Nachrichten. Jüngste Berichte zeigen, dass TPLF-Kämpfer den Flughafen der Regionalhauptstadt Mekelle eingenommen haben. Das hat nicht nur symbolischen Wert, sondern könnte auch erhebliche strategische Implikationen mit sich bringen. TPLF erklärt, in einen „Verteidigungskampf“ eingetreten zu sein, was die Ängste vor einem neuen Bürgerkrieg schürt. Schließlich endete der vorherige Bürgerkrieg 2022 mit rund 600.000 Toten.

Die TPLF erkennt das Friedensabkommen nicht mehr an, das im November 2022 durch das Abkommen von Pretoria unterzeichnet wurde. Dieses hatte die Kämpfe zwischen der TPLF und der Bundesregierung beendet, doch die Situation hat sich seither nur verschärft. Abiy Ahmed, der Friedensnobelpreisträger und Premierminister, steht wegen seines repressiven Führungsstils in der Kritik. Viele Menschenrechtsgruppen bezeichnen die Wahlen im Juni 2021, die in Tigray nicht stattfanden, als nicht frei und fair. Auch die Spannungen innerhalb seiner eigenen Partei, der Prosperity Party (PP), nehmen zu, insbesondere zwischen den amharischen und oromischen Fraktionen.

Die Lage in den Bundesstaaten

Es ist nicht nur die Tigray-Region, die brennt. Auch in den Bundesstaaten Amhara und Oromia tobt ein erbitterter Kampf. Hier verschärfen sich die Konflikte seit Mitte 2023, besonders zwischen den amharischen Fano-Milizen und den Regierungssicherheitskräften. Die fragmentierte Struktur der Fano-Milizen macht Verhandlungen und friedliche Lösungen fast unmöglich. In Oromia kämpft die Oromo-Befreiungsarmee (OLA) weiterhin gegen die Zentralregierung, während die Regierung in der Region mit militärischen Einsätzen auf den Widerstand reagiert.

Die humanitäre Lage hat sich dramatisch verschlechtert. Aktuell benötigen 21 Millionen Menschen in Äthiopien dringend Hilfe. Die Zahl der Binnenvertriebenen ist aufgrund der anhaltenden Konflikte und des Klimawandels auf 4,4 Millionen gestiegen. Dies ist nicht nur eine humanitäre Krise, sondern auch eine wirtschaftliche. Äthiopiens Wirtschaft leidet unter den Nachwirkungen des Tigray-Kriegs, der COVID-19-Pandemie und dem Ukraine-Krieg. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank drängen auf Reformen, doch die Realität sieht anders aus. Korruption und Missmanagement gefährden die Reformziele, während die Ausgaben für Prestigeprojekte das Budget belasten.

Externe Einflüsse und Zukunftsperspektiven

Ein weiterer Aspekt, der die Lage kompliziert, ist die Möglichkeit eines Stellvertreterkriegs mit Eritrea, das angeblich Waffenlieferungen an die TPLF ermöglicht. Ed Bach von Verisk Maplecroft warnt vor einem möglichen Rückfall in einen Bürgerkrieg, und das Risiko eines eskalierenden Konflikts könnte das gesamte Horn von Afrika destabilisieren. Zudem gibt es zunehmende Spannungen mit Somalia und Ägypten, insbesondere in Bezug auf den Zugang zu Häfen am Roten Meer. Die geopolitische Isolation Äthiopiens nimmt zu, und die strategische Allianz mit Eritrea scheint zerbrochen.

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Hier stehen wir also, inmitten eines Konflikts, der tief in die Geschichte Äthiopiens verwurzelt ist. Die Rivalität um den Status von Addis Abeba als Hauptstadt, die ethnische Unterdrückung und gebrochene politische Versprechen sind nur einige der historischen Konfliktursachen. Während sich die Menschen in Äthiopien nach Frieden und Stabilität sehnen, bleibt die Situation angespannt und ungewiss. Ob und wie sich die Dinge ändern werden, bleibt abzuwarten. Die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden ist schmal, doch die Menschen in Äthiopien haben nicht aufgegeben.