In Kassel hat sich im April 2010 eine Geschichte entfaltet, die Musikfans und vor allem Metal-Liebhaber bis heute beschäftigt. Damals war der 17-jährige Tobias Ott der Kopf hinter einem bemerkenswerten Sitzstreik im Musiktheater (MT), der aufgrund von Betreiber Joachim Batkes Entscheidung ins Leben gerufen wurde, weniger harte Gitarrenmusik zu spielen. Das wollte eine Gruppe leidenschaftlicher Metal-Fans nicht auf sich sitzen lassen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Ott, ein junger Mensch mit viel Engagement, gründete kurzerhand eine Gruppe im sozialen Netzwerk Schüler-VZ unter dem Motto „Wir wollen wieder Metal im MT“. Was als kleine Initiative begann, entwickelte sich rasch zu einer Bewegung mit über 1200 Mitgliedern. Am Tag des Sitzstreiks setzten sich etwa 60 Metal-Fans auf die Tanzfläche. Die Situation eskalierte: Hausverbote für die Fans und eine Strafanzeige gegen Batke waren die Folge. Allerdings wurde diese Aktion nicht ohne Ergebnis belassen, denn ein Schlichtungsgespräch brachte einen Kompromiss: Metal-Fans durften donnerstags eigene Veranstaltungen organisieren. Ein kleiner Sieg, zumindest für eine Weile.

Ein DJ und seine Leidenschaft

Die Veranstaltungen, bei denen Ott und andere DJs für bis zu 150 Besucher auflegten, waren anfangs ein voller Erfolg. Doch nach einigen Monaten ebbte das Interesse ab, und das Angebot wurde schließlich eingestellt. 2019 schloss das Musiktheater seine Türen, und zwei Jahre später verstarb der Betreiber Batke. Heute ist die Situation für Metal- und Indie-Musik in Kassel eher düster – kaum Clubs, die diese Musikrichtungen noch bieten.

Doch Tobias Ott ließ sich nicht entmutigen. Er ist heute als DJ Bloke aktiv und organisiert Partys durch die Initiative Metal Inc. Seine Leidenschaft für Musik bleibt ungebrochen. Vor Kurzem war er sogar zu Gast in der ZDF-Show „Lass dich überwachen!“ bei Jan Böhmermann. Dort wurde sein Sitzstreik zum Thema, und es wurde ein fiktiver Filmtrailer gezeigt, in dem der Schauspieler Jonas Nay Ott verkörperte. Ott empfand die Erfahrung als positiv und fühlte sich nicht veralbert. Um den Moment gebührend zu feiern, organisierte er eine private Watch-Party zur Ausstrahlung der Show.

Kulturelles Netzwerk für die Musikwelt

Während in Kassel die Clubs für Metal und Indie immer rarer werden, gibt es Bestrebungen, die Kulturlandschaft in Hessen zu stärken. Herzlich Willkommen Live in Hessen ist ein Landesnetzwerk, das Clubs, Livespielstätten und Festivals unterstützt, um die Künstler:innen und Musiker:innen besser zu fördern. Das Netzwerk setzt sich für die Verbesserung der kulturpolitischen Rahmenbedingungen ein und hat die klare Vision, eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft zu fördern.

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Die letzten Nachrichten aus dem Netzwerk sind vielversprechend: Am 10. März 2026 gab es einen Aufruf zur Unterstützung von Clubs und Festivals. Solche Initiativen sind wichtig, um die Kreativunternehmen am Leben zu erhalten. Auch die Präsenz-Sprechstunde vom PopBüro Hessen zur Unterstützung der Professionalisierung, die bereits im März 2025 stattfand, zeigt, dass man nicht aufhört, nach Lösungen zu suchen. Veranstaltungen wie die Weiterbildung zur zertifizierten Nachhaltigkeitsmanager*in durch The Changency sind ebenfalls Schritte in die richtige Richtung.

Inmitten dieser Entwicklungen bleibt die Erinnerung an Tobias Otts Sitzstreik lebendig. Die Leidenschaft für die Musik und der Kampf um das eigene Recht auf Gehör sind in der Szene nach wie vor spürbar – auch wenn die Clubs weniger werden. In Kassel, wo einst das MT ein Zentrum für Metal war, bleibt die Hoffnung, dass eines Tages wieder mehr Platz für diese Musikrichtungen geschaffen wird.