Im Mai fand im ChristophorusHaus der Miva sowie an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Mittelschule in Stadl-Paura ein spannender Begegnungstag statt, der das Bewusstsein für die Umweltproblematik in Bolivien schärfen sollte. Dort hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, mit den beiden Referentinnen Alicia Cuiza vom Centro de Ecología y Pueblos Andinos und Erika Rojas vom Centro de Investigación y Promoción del Campesinado in Kontakt zu treten. Diese beiden engagierten Frauen berichteten über die verheerenden Auswirkungen von Bergbau, Umweltverschmutzung und Klimawandel auf die Wassersysteme rund um den Titicacasee, den Río Desaguadero und den Poopó-See. Ein Thema, das nicht nur für die Bolivianer von Bedeutung ist, sondern auch für jeden, der ein Smartphone oder elektronische Geräte nutzt.
Die Berichte über verschmutzte und versalzene Flüsse, den Wassermangel und den Verlust von Lebensgrundlagen sind alarmierend. Besonders betroffen sind indigene Gemeinschaften wie die Uru, Aymara und Kallawaya, deren Existenz durch den Abbau von Rohstoffen wie Gold, Silber, Zink und Blei, die in unseren Handys verbaut sind, massiv bedroht wird. Es ist schon komisch, dass wir hier in Wels über diese Themen sprechen, während es in Bolivien Menschen gibt, die direkt unter den Folgen unserer Konsumgewohnheiten leiden.
Indigene Frauen im Fokus
Ein weiterer Höhepunkt des Mai-Monats war die Veranstaltung „Stimmen des Widerstands – Indigene Frauen gegen Umweltzerstörung“, die am 28. April in Wien stattfand. Dort berichteten Agueda Colque und Lenny Espinoza von ihren Erfahrungen und ihrem Engagement in Bolivien. Diese Veranstaltung war Teil der Initiative „Begegnung mit Gästen“, bei der vier indigene Frauen durch Österreich reisten, um Schulen, Pfarren und Organisationen zu besuchen. Sie hielten Workshops und Vorträge und luden die Anwesenden ein, „mit offenem Herzen“ zuzuhören. Die Kernwerte ihrer Kulturen wie Fülle, Gleichgewicht und Weisheit wurden dabei besonders hervorgehoben.
Agueda schilderte die gravierenden Umweltprobleme in ihrer Heimatregion, die sich in Höhenlagen von 3.800 Metern abspielen. Bergbauaktivitäten haben Wasserquellen verschmutzt, Lebensmittel kontaminiert und damit die Lebensgrundlagen der Menschen zerstört. „Nur wenige profitieren vom Reichtum, der durch den Export von Bodenschätzen entsteht“, so ihr eindringlicher Appell. Die Organisation ISALP, für die sie tätig ist, setzt sich unter anderem für nachhaltige Landwirtschaft und Geschlechtergerechtigkeit ein.
Gemeinsam stark gegen Umweltzerstörung
Die Vorträge der beiden Frauen betonten die Bedeutung von gemeinschaftlicher Stärke und traditionellem Wissen im Widerstand gegen Umweltzerstörung und soziale Ungleichheit. Lenny berichtete von der Arbeit ihrer Organisation CERDET im tropischen Chaco, die indigene Familien unterstützt und ihnen Schulungen sowie technische Beratung anbietet. Initiativen aus den Guaraní- und Weenhayek-Gemeinschaften im Bereich Kunsthandwerk und Bienenzucht wurden ebenfalls thematisiert. So entsteht ein Netzwerk, das nicht nur den lokalen Lebensunterhalt sichert, sondern auch gegen die strukturellen Ungerechtigkeiten ankämpft.
Eine weitere Veranstaltung, die nicht unerwähnt bleiben sollte, ist die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung „FRAUEN. UMWELT. ZUKUNFT. Mit Bolivien im Dialog“, die von der KU Linz und weiteren Partnern organisiert wird. Diese Veranstaltung hebt die Umweltprobleme in Bolivien, insbesondere den Río Pilcomayo und den Lago Poopó, hervor. Es wird über die Belastung durch Schwermetalle, Müll und Pestizide diskutiert, die die Lebensgrundlagen indigener und ländlicher Gemeinschaften gefährden. Die Rolle von Frauen in der Verteidigung ihrer Rechte ist dabei ein zentraler Punkt. Sie gründen Kollektive und entwickeln nachhaltige Einkommensmöglichkeiten.
Die Rückmeldungen von Teilnehmern an diesen Veranstaltungen waren durchweg positiv. Viele zeigten sich tief berührt von den Schicksalen und dem Engagement der indigenen Frauen. Es ist klar, dass der Austausch von Erfahrungen und die gemeinsame Diskussion über globale Gerechtigkeit notwendig sind, um Bewusstsein zu schaffen und Veränderungen herbeizuführen. Man kann nur hoffen, dass solche Initiativen weiterhin Unterstützung finden und dazu beitragen, die Herausforderungen, die uns alle betreffen, zu bewältigen.
Für mehr Informationen zu den Veranstaltungen und den Initiativen kann man die ausführlichen Berichte auf den Webseiten von Tips, Erzdioezese Wien und KU Linz nachlesen.
