Gleiche Arbeit, ungleiche Last: Der Gender Care Gap im Fokus des CARE Gipfels in Telfs
Am 29. September 2026 fand in Telfs der CARE Gipfel statt, organisiert von den SPÖ Frauen Tirol und der FSG Tirol. Ein Ereignis, das nicht nur wichtige Themen auf den Tisch brachte, sondern auch den Raum für einen fruchtbaren Austausch über die gerechte Verteilung von Care-Arbeit und Gleichstellung eröffnete. Die Diskussionen drehten sich um die oft unsichtbare, aber enorm wichtige Sorgearbeit, die überwiegend von Frauen geleistet wird. Dabei wurde deutlich, wie sehr diese ungleiche Verteilung nicht nur die Lebensrealitäten der Frauen in Tirol beeinflusst, sondern auch weitreichende Folgen für deren berufliche Chancen und finanziellen Sicherheiten hat.
Monika Matt, die für die SPÖ Innsbruck-Land sprach, machte klar, dass Frauen in Tirol wesentlich mehr Zeit mit Haus- und Familienarbeit verbringen als ihre männlichen Kollegen. Das hat nicht nur negative Auswirkungen auf die Erwerbsarbeit, sondern auch auf die finanzielle Unabhängigkeit der Frauen. Um das Ganze greifbarer zu machen, brachte Alexandra Weiss, eine Politikwissenschaftlerin, das Thema der Erwerbsbiografien und Pensionen ins Spiel. Sie stellte fest, dass die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit direkt die Lebenssituation der Frauen beeinflusst.
Gender Care Gap im Fokus
Ein zentraler Punkt, der beim Gipfel angesprochen wurde, ist der Gender Care Gap – ein Begriff, der die geschlechtsspezifische Ungleichheit in der Verteilung von unbezahlter Care-Arbeit beschreibt. Laut der Zeitverwendungserhebung (ZVE) in Deutschland verbringen Frauen ab 18 Jahren täglich 76 Minuten mehr mit unbezahlter Care-Arbeit als Männer. Das entspricht einem Gender Care Gap von 43,4 Prozent! Ziemlich erschreckend, wenn man darüber nachdenkt. Diese Ungleichheit hat nicht nur Auswirkungen auf den Alltag, sondern führt auch zu wirtschaftlichen Nachteilen für Frauen, die sich auf Entlohnung, berufliche Chancen und Altersvorsorge auswirken.
Sonja Föger-Kalchschmied vom ÖGB betonte die Dringlichkeit einer gerechteren Verteilung der Sorgearbeit, um bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu schaffen. Auch Angelika Bader vom Frauengesundheitszentrum hob hervor, dass die permanente Mehrfachbelastung Frauen gesundheitlich stark zusetzt. Das lässt einen schon nachdenklich werden – was würde passieren, wenn diese Belastungen verringert würden? Wäre eine gerechtere Verteilung der Sorgearbeit der Schlüssel zu mehr wirtschaftlicher Unabhängigkeit für Frauen?
Politische und gesellschaftliche Veränderungen nötig
Die Auswirkungen dieser Themen sind enorm. Der Gender Care Gap, der im Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung 2017 vorgestellt wurde, ist nicht nur ein statistischer Wert, sondern beschreibt das alltägliche Leben vieler Frauen. Historisch gewachsene Rollenbilder spielen dabei eine große Rolle, und auch in Paarbeziehungen mit Kindern bleibt der Unterschied in der Care-Arbeitszeit zwischen Männern und Frauen bestehen. Komischerweise wird in der Forschung oft von einem heterosexuellen Paarkontext ausgegangen, dabei gibt es auch viele andere Lebensmodelle, die ebenfalls betrachtet werden sollten.
Der Gipfel in Telfs war nicht nur ein Ort des Austausches, sondern auch ein Aufruf zur Vernetzung und zur Formulierung frauenpolitischer Forderungen. Es geht darum, eine Plattform zu schaffen, auf der die Stimmen der Frauen gehört werden und die Notwendigkeit von Veränderungen in der Gesellschaft und der Politik klar kommuniziert wird. Die Diskussion über die Herausforderungen der Care-Arbeit und deren gerechte Verteilung muss weitergeführt werden – denn nur so kann Gleichstellung wirklich erreicht werden.
