Orange the Stuben: Ein Blick hinter die Fassade häuslicher Gewalt
Heute ist der 28.09.2026 und in Innsbruck tut sich etwas Spannendes! Die Intervention „Orange the Stuben“ von Studierenden der Universität Innsbruck hat im Tiroler Volkskunstmuseum Einzug gehalten. Die Idee dahinter? Häusliche Gewalt sichtbar zu machen und die Stube – diesen vermeintlichen Ort der Harmonie – auf den Prüfstand zu stellen. Das klingt zunächst einmal nach einer gewaltigen Herausforderung. Und genau das ist es auch!
Leiterin der kreativen Aktion ist Nadja Neuner-Schatz, die die Studierenden im Rahmen ihrer Lehrveranstaltung „Gedächtnis, Erinnerung und Erzählung“ anleitet. Die Gruppe, bestehend aus zehn engagierten jungen Menschen, hat sich mit verschiedenen Facetten von Gewalt auseinandergesetzt: psychisch, sexualisiert, ökonomisch und strukturell. Ein Thema, das oft im Verborgenen bleibt, wird hier auf eine eindringliche Art und Weise thematisiert. Die Frage nach der Sicherheit in historischen Stuben und den Machtverhältnissen, die dort herrschen, steht im Mittelpunkt.
Einladung zur Reflexion
Die Intervention lädt alle Besucher:innen ein, ihre eigenen Vorstellungen von Zuhause und Sicherheit zu hinterfragen. Ein mutiger Schritt, denn viele Menschen merken oft nicht, dass Gewalt nicht nur körperlich ist. Häusliche Gewalt wird häufig mit blauen Flecken und offensichtlichen Verletzungen assoziiert, aber die Realität ist oft viel komplexer. Psychische Gewalt, die lange Zeit unbemerkt bleibt, ist ebenso ein Teil des Problems. Viele Betroffene erkennen nicht einmal, dass sie Opfer solcher Gewalt sind, was die Situation noch dramatischer macht.
Das Begleitprogramm, das von Stubengesprächen über Lesungen bis hin zu Workshops reicht, zielt darauf ab, verschiedene Facetten von Gewalt zu beleuchten. Hier wird Wissen vermittelt, das viele von uns vielleicht im Verborgenen tragen, ohne es wirklich zu erkennen. Komischerweise sind es oft die subtilen Manipulationen, die das Leben der Betroffenen zur Hölle machen können.
Ein Blick hinter die Kulissen
Die Intervention läuft noch bis zum 10. Dezember 2026. Ein Zeitraum, der den Studierenden und den Besuchern die Möglichkeit gibt, tief in diese Thematik einzutauchen. Gewalt im sozialen Nahraum beginnt selten mit physischen Übergriffen, wie viele wissen. Oft sind es Monate oder sogar Jahre psychischer Gewalt, die den Weg zu physischen Übergriffen ebnen. Die Vorstellung, dass ein freundliches und zugewandtes Auftreten der Tatperson die Realität der Betroffenen nicht beeinflussen kann, ist eine schmerzhafte Wahrheit.
Es ist wichtig, dass wir alle hinschauen und uns mit den Fragen beschäftigen, die die Studierenden aufwerfen. Wo fängt Gewalt an? Welche Rolle spielt unsere Wahrnehmung? Diese Intervention ist nicht nur eine künstlerische Aktion, sondern ein Aufruf, aktiv zu werden und das Schweigen zu brechen. Die Stuben, die uns Geborgenheit bieten sollten, sind oft auch Schauplätze von Unsichtbarem. Es bleibt spannend, wie diese Themen in der Öffentlichkeit diskutiert werden und ob wir bereit sind, diese Diskussion zu führen.
Für weitere Informationen über die Intervention „Orange the Stuben“ und das Begleitprogramm lohnt sich ein Blick auf die Website der Universität Innsbruck.
