Die vergessene Waldbahn: Ein Stück Geschichte aus Neuberg erwacht neu
In Neuberg, einem kleinen Ort im Bezirk Güssing, gibt es eine spannende Geschichte über eine Bahnlinie, die einst für Aufregung sorgte. Die Waldbahn Güssing – Neuberg, betrieben von 1913 bis 1921, war eine Schmalspurbahn, die durch das Stremtal in die Wälder von Neuberg führte. Karl Knor, ein engagierter Historiker aus der Region, hat 2017 eine informative Broschüre über diese Bahn veröffentlicht. Aufgrund der regen Nachfrage hat er sich nun entschlossen, eine Neuauflage herauszubringen, die sowohl bei ihm direkt als auch im Nah & Frisch Kaufhaus Eder in Neuberg erhältlich ist. Wer Interesse hat, kann ihn unter karl.knor@schule.at kontaktieren.
Die Waldbahn hatte eine Länge von rund 14 Kilometern und diente in erster Linie dem Güterverkehr, insbesondere der Holzbringung. So wurde das Holz, das für den Bergbau benötigt wurde, schnell und effizient transportiert. Die Dampflokomotive des Typs RH 220, die die Wagons zog, war mit einer Spurbreite von 760 Millimetern ausgestattet. Obwohl die Bahn eine wichtige Rolle in der Region spielte, wurde sie 1921 stillgelegt, als das Burgenland an Österreich angeschlossen wurde. Der Abbau der Gleise folgte rasch.
Der Weg zur Waldbahn
<pDie Anfänge der Eisenbahn im Burgenland liegen mehr als 170 Jahre zurück. Die erste Bahnlinie, die den heutigen burgenländischen Boden durchkreuzte, verband Wiener Neustadt mit Ödenburg. Neuberg wurde erst 60 Jahre später an das Schienennetz angebunden. Die erste Trassenbegehung für die Schmalspurbahn zwischen Güssing und Neuberg fand 1911 statt. Zu jener Zeit gab es Bedenken in der Bevölkerung: Man fürchtete um die lokale Fuhrleute und die mögliche Gefährdung einer Bahnverbindung nach Stegersbach. Dennoch wurde im April 1912 der Bau der Waldbahn bewilligt, finanziert durch die ungarische Kohlenbergwerksgesellschaft. Und schon 1913 konnte der Betrieb aufgenommen werden.
Am 11. Dezember 1912 ereignete sich jedoch ein tragischer Vorfall: Ein tödlicher Unfall, bei dem ein Tagelöhner namens Jandrasits sein Leben verlor, überschattete den Bau der Bahn. Trotz solcher Rückschläge setzte sich die Waldbahn durch und transportierte Grubenholz für den Bergbau, was für die Region von enormer Bedeutung war. Die Vorteile der Schmalspurbahn lagen in der günstigeren Finanzierung und dem einfacheren Abbau der Schienen.
Ein Blick in die Geschichte
Die Geschichte des Schienenverkehrs im Burgenland ist faszinierend, und das Buch „Wege aus Eisen im Burgenland“ von Peter Wegenstein liefert interessante Einblicke. Auf 132 Seiten werden die Besonderheiten des Bahnverkehrs im Burgenland im Vergleich zu anderen Bundesländern Österreichs beleuchtet. Dieses Werk, veröffentlicht von Edition Winkler-Hermaden, ist eine wertvolle Ergänzung für alle, die sich mit der Geschichte und Entwicklung des Eisenbahnnetzes in dieser Region befassen.
Die ehemaligen Bahntrassen im Neuberger Wald werden heute als Forststraßen genutzt, und so bleibt ein Stück dieser interessanten Geschichte lebendig. Es ist beeindruckend, wie die Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt und auch die heutige Landschaft prägt. Wer weiß, vielleicht regt die Neuauflage von Karl Knor ja das Interesse an dieser bemerkenswerten Geschichte erneut an und bringt die Menschen dazu, die Spuren der Waldbahn zu erkunden.
