Heute ist der 3.06.2026 und die Schlagzeilen in Hermagor sind alles andere als erfreulich. In den letzten Wochen wurden in der Region Untertilliach und St. Lorenzen insgesamt sieben Gänsegeier tot aufgefunden. Diese majestätischen Vögel, die in den Hohen Tauern ein wichtiges Zuhause gefunden haben, wurden offenbar Opfer eines gezielten Giftanschlags. Nur ein Gänsegeier, mit der Kennung FB7, konnte gerettet werden und wird derzeit in der Auffang- und Pflegestation der Burg Landskron betreut.
Der Vorfall hat für Aufregung gesorgt. Die Bezirkshauptmannschaften Lienz und Hermagor haben bereits laufende Untersuchungen durch die AGES Tiergesundheit und die Veterinärmedizinische Universität Wien eingeleitet. Interessanterweise schloss die AGES eine Tierseuche als Todesursache aus. Das Land Tirol hat ebenfalls bestätigt, dass keine Hinweise auf eine Tierseuche gefunden wurden. Dennoch bleibt die Frage nach der Todesursache der Gänsegeier, die nun geklärt werden muss.
Vergiftung durch Carbofuran
Die Vogel- und Naturschutzorganisation „BirdLife“ hat mittlerweile festgestellt, dass die Gänsegeier durch das EU-weit verbotene Pestizid Carbofuran vergiftet wurden. Dieses Nervengift ist so gefährlich, dass es selbst in geringen Dosen für Vögel, Säugetiere und Menschen tödlich sein kann. Bei fünf der sieben Gänsegeier wurde Carbofuran als Todesursache nachgewiesen. Das Verbot dieses Stoffes in der EU besteht seit 2008, doch illegal wird er nach wie vor als Köder ausgelegt. Das macht die Situation noch alarmierender.
Die naturschutzbegeisterte Gemeinschaft ist sich einig: Dies ist einer der schlimmsten Vergiftungsfälle von Greifvögeln und Geiern in Österreich in den letzten Jahren. Sechs Gänsegeier verendeten, und Experten befürchten, dass diese gezielte Vergiftung nicht nur gegen Gänsegeier gerichtet war, sondern auch gegen andere Vogelarten. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt führt derzeit kein Ermittlungsverfahren, doch die Nachfrage nach Aufklärung ist groß.
Ein dramatisches Bild der Wildtierkriminalität
In den letzten neun Jahren wurden in Österreich fast 400 illegale Tötungen von Vögeln dokumentiert, darunter 81 geschützte Greifvögel durch Vergiftungen. Diese Zahlen sind alarmierend und werfen ein düsteres Licht auf die Wildtierkriminalität in der Region. Naturschutzorganisationen wie BirdLife Österreich, WWF Österreich und die Vulture Conservation Foundation fordern eine lückenlose Aufklärung dieses Vorfalls. Hinweise zur Tat können an die Landespolizeidirektion Kärnten oder die BirdCrime-Hotline gemeldet werden – jede Information zählt.
Im Zusammenhang mit der Wildtierkriminalität gibt es in Deutschland bereits Initiativen, um solche Vergehen konsequent zu verfolgen. Eine Anti-Wildtierkriminalitäts-Offensive der Bundesländer sieht vor, dass illegale Tötungen von geschützten Wildtieren strenger geahndet werden. Das Ziel ist es, ein deutliches Signal zu senden und die Akzeptanz für solche Delikte zu verringern. Die Einrichtung einer nationalen Wildtierbehörde wird diskutiert, um den Schutz bedrohter Wildtiere zu verbessern.
Es bleibt zu hoffen, dass ähnliche Maßnahmen auch in Österreich ergriffen werden, um den Gänsegeiern und anderen gefährdeten Arten eine sichere Zukunft zu gewährleisten. Die Natur braucht unsere Stimme und unseren Schutz – jetzt mehr denn je.
