Heute ist der 19.05.2026 und in Spittal an der Drau brodelt es gewaltig. Die Diskussion um das Megaprojekt „Netzraum Kärnten“ von Austrian Power Grid (APG) schlägt hohe Wellen. Dabei geht es um die geplante 380-kV-Leitung, die nicht nur für ordentlich Wirbel sorgt, sondern auch für eine wachsende Bürgerprotestbewegung. Die Bürgerinitiative „Gegenstrom 380kV“ hat sich formiert und mobilisiert die Anwohner, um gegen die massiven Eingriffe in ihre Heimat zu kämpfen.
Die Detail- und Feintrassierung im Gelände soll bereits 2026 vorangetrieben werden, was den Protesten zusätzlichen Aufwind gibt. Informationsabende in Wernberg am 20. Mai und in Seeboden am 21. Mai sind angesetzt, um den Bürgern die Möglichkeit zur Diskussion zu bieten. Dabei werden auch Salzburger Landwirte ihre Erfahrungen mit der 380 kV-Salzburgleitung teilen. Die Sorgen der Anwohner sind zahlreich: Massive Eingriffe in landwirtschaftliche Flächen, unklare Entschädigungsfragen und die Befürchtung, dass die neuen Masten – bis zu 700 Stück und bis zu 110 Meter hoch – die gewohnte Landschaft nachhaltig verändern werden.
Widerstand und Sorgen
Die Bürgerinitiativen bündeln ihre Kräfte und der Widerstand wächst. Viele Menschen machen sich ernsthafte Sorgen über die gesundheitlichen Auswirkungen durch elektromagnetische Felder, die Wertverluste ihrer Immobilien und die negativen Folgen für den Tourismus. APG hingegen argumentiert, dass das Projekt notwendig sei für die Versorgungssicherheit und die Energiewende. Die alte 220-kV-Leitung wird als veraltet angesehen. Angesichts des steigenden Strombedarfs, der durch Dekarbonisierung, Wärmepumpen und E-Mobilität entsteht, sei die neue Leitung unabdingbar.
Das Ziel der APG ist es, Wind- und Sonnenstrom effizient zu Pumpspeicherkraftwerken zu transportieren. Sie betonen, dass durch die Infrastrukturbündelung und die Demontage von 140 km alten Leitungen Umweltschutz betrieben wird. Allerdings lehnt die APG Erdkabel als technisch nicht machbar und kostspielig ab. Die Bürgerinitiativen hingegen nutzen die Zeit bis zur Feintrassierung, um sich strategisch vorzubereiten und ihre Argumente zu schärfen.
Informationsveranstaltungen und Mobilisierung
Die anstehenden Informationsveranstaltungen sind kostenlos – eine Anmeldung per E-Mail wird empfohlen, spontane Teilnahmen sind jedoch auch möglich. Es bleibt abzuwarten, wie die Bürger ihren Unmut artikulieren werden und inwieweit sie Gehör finden werden. Schließlich sind die Sorgen der Menschen nicht unbegründet. Die geplante Inbetriebnahme der Leitung ist zwischen 2032 und 2033 angesetzt, und bis dahin werden die Proteste sicher nicht nachlassen.
In einer Zeit, in der die Energiefrage in aller Munde ist und die Herausforderungen der Energiewende immer drängender werden, steht die Region Kärnten vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. Die Balance zwischen notwendiger Infrastruktur und den Bedürfnissen der Bevölkerung ist sensibel, und der Ausgang dieser Auseinandersetzung könnte weitreichende Folgen für die Region haben.
