In Spittal, Kärnten, ist ein Abwärtstrend bei Zivildienern zu beobachten, obwohl kein akuter Engpass besteht. Das Rote Kreuz Kärnten sieht sich zunehmend mit der Herausforderung konfrontiert, sowohl hauptberufliche Mitarbeiter als auch Freiwillige und Zivildienstleistende zu rekrutieren. Von den jährlich rund 290 Zivildienstplätzen können nur etwa 220 besetzt werden. Besonders in den Einrückungsmonaten Jänner und April zeigt sich der Mangel an Zivildienern deutlich. Im Jahr 2025 hingegen konnten im Bezirk Spittal alle Zivildienststellen besetzt werden, wobei insgesamt 29 Zivildienstleistende ihren Dienst begonnen haben. Melanie Reiter, Pressesprecherin des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK), beobachtet einen landesweiten Trend des Rückgangs bei Zivildienstleistenden.
Ein Grund für diesen Rückgang sind die geburtenschwachen Jahrgänge und die Entscheidung vieler junger Männer, sich für den Präsenzdienst beim Bundesheer zu entscheiden. Thomas Schell, Leiter des Sozialhilfeverbands Spittal, sieht den Zivildienermangel als ein demografisches Problem. Er merkt an, dass eine Verlängerung des Zivildienstes nur sinnvoll wäre, wenn auch der Wehrdienst verlängert wird. Aktuell gibt es im Sozialhilfeverband Spittal keinen Mangel, da derzeit zehn von elf genehmigten Stellen besetzt sind.
Warnungen aus dem Pflegebereich
Sonja Sattlegger, Pflegedienstleiterin im Haus Bethesda, warnt, dass eine Verlängerung des Zivildienstes auf zwölf Monate möglicherweise mehr junge Männer zum Wehrdienst bewegen könnte. Im Pflegeheim Haus Bethesda ist lediglich eine von zwei Zivildiener-Stellen besetzt. Freiwillige Soziale Jahre (FSJ) sind zwar hilfreich, aber können den Mangel an Zivildienstleistenden nicht ausreichend kompensieren. Viele Zivildienstleistende entscheiden sich oft für eine Ausbildung im Sozialbereich und bleiben im Netzwerk der Diakonie aktiv.
Ein Blick über die Grenze
In Deutschland wird derweil über die mögliche Wiedereinführung des Zivildienstes diskutiert, insbesondere im Kontext einer Wehrpflicht. Bis zur Aussetzung des Wehr- und Zivildienstes im Jahr 2011 waren Zivildienstleistende in sozialen Berufen, wie Pflege und karitativen Hilfsdiensten, stark vertreten. Im Jahr 2010 gab es in Deutschland etwa 78.400 Zivildienstleistende. Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) wurde als Ersatz für den Zivildienst eingeführt, jedoch meldeten sich 2024 nur rund 31.685 junge Menschen dafür. Im Gegensatz dazu engagierten sich 2010 rund 35.400 FSJler, während es 2024 etwa 63.800 waren.
Die CDU diskutiert seit Jahren ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr, das in der Bundeswehr oder sozialen Einrichtungen geleistet werden könnte, konkrete Pläne fehlen jedoch weiterhin. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat angedeutet, dass eine Wiedereinsetzung der Wehrpflicht möglich ist, sollte es nicht genügend freiwillige Rekruten geben. Kritiker aus Sozial- und Pflegeeinrichtungen äußern Bedenken hinsichtlich der Wiedereinführung des Zivildienstes und bezeichnen die Idee als veraltet.
Herausforderungen und Perspektiven
Die Integration unmotivierter Zivildienstleistender in soziale Einrichtungen stellt eine Herausforderung dar, und es fehlt an Infrastruktur sowie Personal zur Begleitung dieser möglichen Welle von Zivildienstleistenden. Der Aufbau könnte zudem 5 bis 10 Jahre in Anspruch nehmen. Zivildienstleistende waren früher oft in Hilfstätigkeiten eingesetzt, jedoch können sie keinen echten Ersatz für Fachkräfte bieten. Träger sozialer Einrichtungen fordern daher eine Stärkung der Freiwilligendienste (FSJ und BFD) sowie eine bessere Bezahlung.
Zusammengefasst zeigt sich, dass sowohl in Österreich als auch in Deutschland die Thematik rund um den Zivildienst und die damit verbundenen Herausforderungen an Brisanz gewinnt. Mangelnde Information über Freiwilligendienste und die Notwendigkeit, diese attraktiver zu gestalten, sind zentrale Aspekte, die es zu adressieren gilt. In Spittal, Kärnten, bleibt die Situation angespannt, während die Diskussionen über den Zivildienst in Deutschland weitere Entwicklungen versprechen.
Weitere Informationen finden Sie in dem Artikel auf Mein Bezirk.