In Villach lebt die Erinnerung an Gisela Tschofenig, eine bemerkenswerte Frau, die in den Wirren des 20. Jahrhunderts eine entscheidende Rolle spielte. Geboren in eine Eisenbahnerfamilie, wuchs sie in einem sozialistischen Umfeld auf, das ihre politischen Ansichten prägte. Ab 1925 lebte die Familie in der Marxgasse 7a in Villach. Die junge Gisela besuchte die Volksschule und die Mädchenhauptschule, bevor sie von 1932 bis 1935 die höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe in Villach besuchte. Hier begann ihr Engagement in verschiedenen Jugendorganisationen wie den Kinderfreunden, den Roten Falken und dem Kommunistischen Jugendverband, wo sie 1932 eintrat und ihren späteren Ehemann Josef Tschofenig kennenlernte.

Mit gerade einmal 16 Jahren geriet Gisela 1933 aufgrund einer Flugblattaktion für den Kommunistischen Jugendverband in Konflikt mit der Polizei. Ihre Familie sah sich gezwungen, 1935 aus politischen Gründen nach Linz zu ziehen, wo sie zunächst als Kassiererin für die Deutsche Reichsbahn am Linzer Hauptbahnhof arbeitete. 1937 versuchte sie mit ihrer Freundin Margarete Gröblinger, zu den Interbrigaden nach Spanien zu gelangen, um im Spanischen Bürgerkrieg zu kämpfen, scheiterte jedoch und arbeitete stattdessen ein Jahr als Gouvernante in Frankreich.

Widerstand gegen das NS-Regime

Im Jahr 1938 folgte sie ihrem Lebensgefährten Josef Tschofenig nach Belgien, nachdem dieser vor den Nazis geflohen war. Ihr Sohn Hermann wurde 1940 in dieser angespannten Zeit geboren. Als Josef im Mai 1940 von der Gestapo verhaftet und ins KZ Dachau deportiert wurde, kehrte Gisela nach Österreich zurück. Dort engagierte sie sich aktiv im Widerstand gegen das NS-Regime in der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ), wo sie als Verbindungsperson für Sepp Teufl, den Landesobmann der KPÖ, tätig war. Ihre Bemühungen um die Freilassung ihres Mannes waren jedoch vergeblich.

Am 3. Juni 1944 heiratete sie Josef Tschofenig im KZ Dachau. Die Situation wurde für Gisela immer gefährlicher. Um der Verhaftung zu entkommen, zog sie sich im Juli 1944 mit ihrem Sohn zurück. Doch am 25. September 1944 wurde sie von der Gestapo verhaftet und ins Frauengefängnis Kaplanhof in Linz überstellt. Ihre Zeit dort war geprägt von Angst und Unsicherheit. Nach der Bombardierung des Gefängnisses am 31. März 1945 wurde sie ins Arbeitserziehungslager Schörgenhub verlegt, wo sie schließlich am 27. April 1945 von der SS erschossen wurde, nur wenige Tage vor der Befreiung des Lagers.

Ein tragisches Ende und das Vermächtnis

Die Umstände ihres Todes sind tragisch. Gisela Tschofenig erscheint nicht auf den offiziellen Totenlisten, da die Lagerleitung bei Heranrücken der amerikanischen Truppen flüchtete. Ihre Leiche wurde erst nach dem Krieg von ihrem Vater exhumiert, am 13. Mai 1945. Die Beisetzung fand am 15. Mai 1945 auf dem Friedhof Linz-Kleinmünchen statt. Ihre Geschichte ist ein eindrucksvolles Zeugnis des Widerstandes, den Frauen wie Gisela Tschofenig gegen das NS-Regime leisteten. Trotz ihrer entscheidenden Rolle im Widerstand wird der Beitrag von Frauen oft nicht ausreichend gewürdigt. Laut einer Studie wurden nur 12,3% der wegen Hochverrat angeklagten Frauen am Wiener Oberlandesgericht als aktive Widerstandskämpferinnen anerkannt. Die gesellschaftlichen Rollenbilder dieser Zeit führten dazu, dass weibliche Regimegegnerinnen oft als weniger gefährlich angesehen wurden, was ihre Beiträge und Leistungen in den Hintergrund drängte.

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Gisela Tschofenigs Leben und ihr mutiger Widerstand gegen die Diktatur sind heute eine wichtige Erinnerung an die Kraft des menschlichen Geistes im Angesicht von Unrecht. Ihre Geschichte wird in Villach und darüber hinaus lebendig gehalten, als Teil einer breiteren Erinnerungskultur, die den Mut und die Entschlossenheit derjenigen würdigt, die sich gegen die Unterdrückung erhoben haben. Wer mehr über ihr bewegtes Leben erfahren möchte, findet ausführliche Informationen auf villach.at oder auf Wikipedia.

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