Am 25. November 2025, anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, wird eine klare Forderung laut: Es bedarf eines europaweiten konsensbasierten Sexualstrafrechts, das unter dem Prinzip „Nur Ja heißt Ja“ steht. In Österreich wird dieses Prinzip bereits umgesetzt, mit dem Ziel, als Vorbild für die gesamte EU zu dienen. Der Anlass für diese Initiative ist die 16-tägige UNO-Kampagne „Orange the World“, die auf die Dringlichkeit der Thematik hinweist. In diesem Zuge werden auch die wachsenden Herausforderungen in Bezug auf digitale Gewalt thematisiert.
Erste Schritte wurden bereits in Form der EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt unternommen, die am 13. Juni 2024 in Kraft trat. Diese Richtlinie stellt körperliche, psychische, wirtschaftliche und sexuelle Gewalt sowohl offline als auch online unter Strafe. Laut der Europäischen Kommission sind schockierende 600.000 Frauen in der EU von Genitalverstümmelung betroffen und eine von zwei Frauen hat sexuelle Belästigung erfahren. Auch Cyber-Gewalt, wie das nicht einvernehmliche Teilen intimer Bilder und Cyber-Stalking, wird nun härter bestraft.
Digitale Gewalt und ihr Einfluss
Die österreichische Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) betont die Notwendigkeit eines verbindlichen Sexualstrafrechts innerhalb der EU, um Frauen besseren Schutz vor sexueller Gewalt zu bieten. Der steigende Trend der digitalen Gewalt ist besorgniserregend: Rund die Hälfte aller Frauen erlebt digitale Gewalt in irgendeiner Form. Dies beweist die Bedeutung des Dick-Pic-Paragrafen, der seit September 2023 das unaufgeforderte Verschicken von Genitalbildern verbietet.
Belén Sanz Luque, die Regionaldirektorin von UN Women, bekräftigt in einem aktuellen Interview, dass Online-Gewalt reale Gewalt ist und erhebliche Konsequenzen für Frauen hat. Sanz hebt hervor, dass eine Umfrage zeigt, dass 74% der Frauen in Europa Erfahrungen mit Online-Gewalt gemacht haben. Diese digitale Gewalt spiegelt die physische und sexuelle Gewalt wider, die Frauen oftmals im Alltag erfahren.
Gesellschaftliche Herausforderung und Fortschritt
Die schrecklichen Statistiken zu Gewalt gegen Frauen sind nicht nur ein europäisches Problem. Im Jahr 2024 wurden in Österreich über 1.300 Vergewaltigungen angezeigt, mit einer vermuteten Dunkelziffer, die deutlich höher liegt. Frauen haben oft Angst, zur Polizei zu gehen, was die Situation weiter verschärft. 15 Morde an Frauen wurden im Jahr 2025 registriert, was zeigt, dass Frauen in Partnerschaften häufig in extremer Gefahr sind.
Laut Sanz zeigen gesellschaftliche Umfragen, dass 57% der Männer der Generation Z und 56% der Millennials der Meinung sind, dass bei der Gleichstellung der Frauen „zu weit gegangen“ wurde. Dies birgt ein Risiko für den bereits mühsam errungenen Fortschritt. Der erhöhte Frauenanteil in politischen Positionen in der EU – aktuell bei 33,4% – zeigt, dass eine starke Demokratie mehr Vielfalt in Entscheidungspositionen benötigt. Doch auch hier sind Frauen häufig Gewalt ausgesetzt; 32% berichten von bedrohlichen Erfahrungen im politischen Umfeld.
Um die Einhaltung dieser neuen EU-Richtlinie zu gewährleisten, sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, bis 14. Juni 2027 Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in nationales Recht umzuwandeln. Ziel ist es, sicheren Zugang zu Schutz und Gerechtigkeit für Opfer sicherzustellen, egal wo sie leben. Die EU hat ihre Ausgaben für die Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt von 91 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 282 Millionen Euro im Jahr 2022 erhöht – ein Schritt in die richtige Richtung.
Die Diskussion um ein europaweites Sexualstrafrecht und den Schutz vor digitaler Gewalt wird in den kommenden Monaten weiter an Intensität gewinnen, da Aktivisten und Politikerinnen und Politiker die dringenden Bedürfnisse der Frauen im Mittelpunkt ihrer Initiativen halten müssen.