Die Österreichische Bundesregierung hat kürzlich beschlossen, die Kontingente für Saisonarbeitskräfte im Tourismussektor signifikant zu erhöhen. Ab September 2025 werden die Kontingente für Saisonarbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern von rund 5.000 auf 8.000 angehoben. Zusätzlich wird ein Kontingent von 2.500 Saisoniers aus dem Westbalkan geschaffen, wovon diese Plätze speziell für Arbeitskräfte aus Ländern wie Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien reserviert sind. Dies wurde in einer Sitzung des Ministerrates bekannt gegeben und als „Akutmaßnahme“ bezeichnet, um den akuten Personalbedarf in der Branche zu decken, welche als „Konjunkturlokomotive“ gilt, so die Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (Ots.at, SN).
Die Maßnahmen, die im September 2025 in Kraft treten, sollen nicht nur den akuten Arbeitskräftemangel bekämpfen, sondern auch die langfristige Attraktivität des Arbeitsmarktes im Tourismus anheben. Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, äußerte Bedenken hinsichtlich der prekären Arbeitsbedingungen und des Lohndrucks, die viele Beschäftigte zum Verlassen der Branche treiben. Laut Hebenstreit sind nur 20 Prozent der Beschäftigten im Tourismus in einer Stammbelegschaft, was auf eine hohe Fluktuation hinweist (Ots.at).
Arbeitsmarktsituation im Tourismus
Die Arbeitslosigkeit im Tourismussektor lag im Jahr 2024 bei durchschnittlich 12,7 Prozent, was mehr als 33.000 Arbeitsuchende umfasst. Hebenstreit fordert daher eine grundlegende Reform, um den Tourismus als attraktiven Berufszweig zu gestalten. Um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, plant die Bundesregierung die Einrichtung eines Jahresfonds von 6,5 Millionen Euro, um die Anwerbung und Bindung von Mitarbeitenden sowohl aus Österreich als auch aus anderen EU- und EWR-Ländern zu fördern (SN, BZT).
Der fonds soll ebenfalls zur Förderung von Ausbildungen, zur Unterstützung bei Arbeitsunfällen sowie zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit eingesetzt werden. Hebenstreit zeigt sich zwar erfreut über den Fonds, fordert jedoch ein umfassenderes Paket zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die bestehenden Beschäftigten. Die Verordnungen zur Implementierung dieser Maßnahmen sollen im September veröffentlicht werden, mit dem Ziel, die Planbarkeit für die bevorstehende Wintersaison zu erhöhen (Ots.at).
Langfristige Lösungen für die Branche
Die Herausforderungen in der Tourismusbranche erfordern jedoch auch Veränderungen auf betrieblicher Ebene. Unternehmerinnen und Unternehmer sind aufgerufen, den direkten Kontakt zu ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu intensivieren, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Eine Umfrage zeigt, dass 63 Prozent der Betriebe suchen, Mitarbeiter aus dem Ausland einzustellen, während 54 Prozent die Arbeitgeberattraktivität steigern möchten. Zudem wird eine ganzheitliche Betrachtung der Arbeitskräftesituation als notwendig erachtet, um zukünftigen Engpässen vorzubeugen (BZT).
Das Ziel ist eine nachhaltige Lösung, die über temporäre Kontingente hinausgeht. Eine qualitativ hochwertige Anwerbung und Bindung von Mitarbeitern sowie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen sind essenziell für die Zukunftsfähigkeit der Branche. Eine solche Strategie könnte nicht nur den Personalverschleiß verringern, sondern auch dazu beitragen, den Tourismus insgesamt als attraktiven Berufszweig zu positionieren (SN, BZT).