Susanne Wiesinger, Lehrerin an einer Brennpunktschule in Wien-Favoriten und Buchautorin, lenkt in ihrer aktuellen Kolumne die Aufmerksamkeit auf die Herausforderungen, mit denen Schulen in sozialen Brennpunkten konfrontiert sind. Angetrieben von Anregungen durch die Journalistin Conny Bischofberger, die auf ihr Buch „Kulturkampf im Klassenzimmer“ verweist, beschreibt Wiesinger die alarmierenden Entwicklungen, die sich in den vergangenen Jahren verstärkt haben. Das Thema, das sie verarbeitet, sei mittlerweile im Mainstream angekommen, so Wiesinger.
Ein zentrales Problem sind Kinder, die in Österreich geboren wurden, aber beim Schuleintritt kein Deutsch sprechen. Dies ist an vielen Schulen, nicht nur in Wien, häufig der Fall und in einigen Fällen stellen diese Kinder sogar die Mehrheit der Schüler dar. Wiesinger berichtet, dass Jugendliche an Brennpunktschulen von radikalen Predigern beeinflusst werden, was zu einer Priorisierung ihrer Religion über andere Werte führt. Diese Entwicklung kündigt eine Verschärfung der Konflikte in Unterrichtsfächern an, wie etwa in Biologie und Musik, und zeigt sich auch in der Bekämpfung von als „unmoralisch“ empfundenen Kleidungsstilen bei Mädchen.
Perspektiven an Brennpunkt Schulen
Die Erlebnisse von Wiesinger finden eine Parallele in den Berichten von Schulleiter Alwin Zeiß, der eine Hauptschule in einem sozialen Brennpunkt in Frankfurt am Main leitet. Hier haben 95% der SchülerInnen einen Migrationshintergrund, viele der Eltern sind in schlecht bezahlten Jobs tätig oder sogar arbeitslos. Diese gesellschaftlichen Umstände führen zu einem Gefühl der Perspektivlosigkeit und oft zu einem Mangel an Unterstützung von zu Hause, was sich negativ auf die schulischen Leistungen auswirkt. Die Hauptschule hat an Ansehen verloren und wird häufig als „Resteschule“ betrachtet, wodurch sich materielle Mängel und fehlende familiäre Strukturen verstärkt negativ auf das Selbstbewusstsein der Kinder auswirken.
Die Herausforderungen an Brennpunktschulen sind vielfältig. Es gibt einen Anstieg von Verhaltensauffälligkeiten und Gewaltbereitschaft, die die Schulumgebung prägen. Dennoch ergreifen Schulen wie die von Zeiß Maßnahmen, um diese Situation zu ändern. Ein tägliches gemeinsames Frühstück fördert die Gemeinschaft und soziale Interaktionen, während Klassenfahrten und Projekte zur Motivation der SchülerInnen beiträgt.
Bildungschancen für Migrantenkinder
Laut Analysen zur Bildungslage in Deutschland hat sich das Land von einem Gastarbeiterland zu einem wichtigen Einwanderungsland entwickelt. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien im Bildungssystem ist gestiegen. Im Jahr 2006 lagen die Werte bei 20% der 15-Jährigen und 25% der Viertklässler aus Migrantenfamilien. Diese Zunahme birgt jedoch auch Herausforderungen, denn die Bildungsbeteiligung von Migrantenkindern ist oft stark beeinträchtigt. Im Jahr 2007 waren beispielsweise nur 64% der Migrantenkinder in Kitas.
Migrantenkinder sind oft in ihren Bildungswegen benachteiligt und weisen in internationalen Vergleichsstudien erhebliche Defizite auf. Diese Defizite zeigen sich in Fächern wie Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften, wobei Migrantenkinder besonders in Deutschland hinter den Erwartungen zurückbleiben. Bildungsnachteile sind nicht nur migrationsspezifisch, sondern auch schichtspezifisch zu betrachten.
Der Zugang zu Bildung ist entscheidend für die gesellschaftliche Teilhabe. Unterschiede im Bildungsniveau korrelieren stark mit Berufsstatus und Einkommen. In der Realität erleben viele SchülerInnen, insbesondere aus Migrantenfamilien, institutionelle Diskriminierung, die sich in ungünstigen Schulübergängen und Empfehlungen niederschlägt.
Wiesinger kritisiert Schönredner, die die bestehenden Herausforderungen verharmlosen. Sie fordert, dass wirksame Maßnahmen für ein friedliches Zusammenleben dringend ergriffen werden müssen. Ein Umdenken ist erforderlich, um allen Kindern, unabhängig von ihrer Herkunft, gleiche Chancen im Bildungssystem zu bieten.
Insgesamt stehen sowohl Wiener als auch Frankfurter Schulen vor einer grimmigen Realität, in der das Bildungssystem sowohl integrative als auch herausfordernde Aufgaben bewältigen muss. Der Bildungs- und Integrationspolitik kommt eine zentrale Rolle zu, um Chancengleichheit sicherzustellen und die notwendigen Strukturen zur Unterstützung der SchülerInnen zu schaffen.
Für detaillierte Informationen über die Herausforderungen an Brennpunkt Schulen können Sie die Berichte Krone, bpb und bpb zur Bildungsbeteiligung einsehen.