Koalitionskrieg in Leibnitz: Finanzen am Abgrund und das Erntedankfest in Gefahr
In der Stadtgemeinde Leibnitz brodelt’s gewaltig. Spannungen innerhalb der regierenden Dreierkoalition aus FPÖ, Bürgerforum Leibnitz (BFL) und ÖVP sorgen für ordentlich Wirbel. Besonders am Dienstag, bei der Gemeinderatssitzung, kam es zu einem heftigen Konflikt zwischen dem Bürgerforum und den anderen Koalitionspartnern. Der Streit dreht sich vor allem um das angeschlagene Stadtbudget, das mittlerweile mehr als nur ein Sorgenkind ist. Finanzreferentin Manuela Kittler (BFL) hat ein Maßnahmenpaket zur Stabilisierung der Stadtfinanzen vorgestellt. Einsparungen bei Förderungen und die Beendigung des Vertrags mit dem Mikro-ÖV-Angebot Remmo-Mobil sind Teil dieses Pakets. Doch die Idee fand bei der Sitzung keine Mehrheit. Die FPÖ und die ÖVP hatten rechtliche Bedenken zu einzelnen Punkten.
Ein echtes Dilemma. Der zweite Nachtragsvoranschlag ist gescheitert, weil das Bürgerforum geschlossen dagegen gestimmt hat. Das hat die nötige Mehrheit für den Beschluss zunichtegemacht. Bürgermeister Daniel Kos (FPÖ) steht nun unter Druck, gemeinsam mit dem Finanzausschuss nach einer Lösung zu suchen. Der Voranschlag wurde von der ÖVP unterstützt, während die NEOS dagegen waren und SPÖ sowie Grüne sich enthielten. All das könnte nun auch Auswirkungen auf das geplante Erntedankfest vom 9. bis 11. Oktober haben. Unklar ist, ob und in welcher Form die Veranstaltung stattfinden kann. Ein Versuch, Mittel innerhalb des Budgets umzuschichten, ist gescheitert. Kos und Vizebürgermeister Jochen Pießnegger (ÖVP) haben bereits angekündigt, nach privaten Sponsoren Ausschau zu halten, um das Fest überhaupt ermöglichen zu können.
Wendepunkt in der Koalition
Die Situation spitzt sich weiter zu. Berichten zufolge stürzt die FPÖ-geführte Koalition in eine schwere Krise. Das Bürgerforum hat die Partnerschaft mit FPÖ und ÖVP aufgegeben. Die Differenzen bei den Finanzen scheinen unüberbrückbar. Manuela Kittler, die Finanzreferentin, ist uneins mit Bürgermeister Kos und Vizebürgermeister Pießnegger. Die Ungewissheit über das Erntedankfest bleibt bestehen, und die Stadtgemeinde steht vor großen Herausforderungen.
Der Hintergrund dieser finanziellen Auseinandersetzungen ist nicht nur lokal zu betrachten. Ein Bericht des KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung hat im vergangenen Jahr alarmierende Prognosen zur Finanzlage österreichischer Gemeinden veröffentlicht. Der Reformstau bei zentralen Finanzierungsmechanismen setzt Städte und Gemeinden unter Druck. Hohe Umlagendynamiken und eine fehlende Wertsicherung bei der Grundsteuer sind seit über 40 Jahren ungelöst. Die finanzielle Situation der Gemeinden hat sich über Jahrzehnte verschlechtert, und das hat direkte Auswirkungen auf die Bürger. Es drohen Leistungskürzungen, verkürzte Öffnungszeiten öffentlicher Einrichtungen und möglicherweise sogar Schließungen von Sport- und Freizeiteinrichtungen.
Es wird deutlich: Die Herausforderungen sind enorm. Der notwendige Ausbau der Kinderbildungs- und -betreuungsangebote steht im Widerspruch zu den Sparvorgaben. Gemeinden müssen bis 2029 rund 2,2 Milliarden Euro einsparen, um das Vorkrisenniveau zu erreichen. Sparmaßnahmen allein reichen jedoch nicht aus, um die strukturellen Lücken zu schließen. Um die Gemeindefinanzen zu stabilisieren, sind grundlegende Reformen auf Bundes- und Landesebene unabdingbar. Die Dringlichkeit dieser Reformen wird immer offensichtlicher.
