Trofaiachs beliebteste Pizzeria sucht nach zwei Jahren einen neuen Betreiber
In Trofaiach im Bezirk Leoben steht eine beliebte Adresse vor einer ungewissen Zukunft: Das Restaurant Tarantella soll nach zwei Jahren über das Jahresende hinaus nicht weitergeführt werden. Betreiber Daniel Trost erklärt in einem persönlichen Video, ihm sei die Freude am Projekt vergangen.
Als Grund nennt Trost persönliche Gründe und verschiedene Vorfälle in jüngster Zeit. Worum es dabei genau ging, lässt er offen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten seien jedenfalls nicht ausschlaggebend: Das Restaurant werde gut angenommen und schreibe Gewinne.
Bis 20. Dezember geöffnet
Für die Gäste geht der Betrieb vorerst weiter. Das Tarantella bleibt bis zum 20. Dezember geöffnet, Reservierungen und Restaurantbesuche sind bis dahin möglich. Der Lieferdienst wurde allerdings mit sofortiger Wirkung eingestellt. Das Team soll sich ganz auf die Bewirtung vor Ort konzentrieren können.
Wer mit dem Auto kommt, soll möglichst die Parkplätze auf dem unteren Plateau nutzen, damit es zu keinen Problemen kommt. Ein kleiner organisatorischer Hinweis, der im Alltag schnell wichtig wird.
Eine endgültige Schließung ist außerdem noch nicht fix. Trost sucht Interessenten, die das Tarantella übernehmen und weiterführen möchten. Angeboten werden nicht nur das Restaurant, sondern das gesamte Gebäude samt Grundstück und Apartments. Trost hofft, dass jemand gefunden wird, der den Betrieb übernimmt.
Beliebteste Pizzeria der Steiermark
Für das Tarantella war es bisher eine bewegte Zeit. 2025 wurde das Restaurant bei einer Publikumswahl zur beliebtesten Pizzeria der Steiermark gewählt. Trost blickt auf zwei ereignisreiche Jahre mit vielen schönen Momenten zurück – vor allem auf die Begegnungen mit den Gästen.
Bei manchen seien sogar Freundschaften entstanden, sagt der Betreiber. Dafür bedankt er sich ausdrücklich. Nun bleibt bis zum 20. Dezember Zeit für weitere Teller, Gespräche und Abschiede – oder vielleicht auch für einen Neuanfang unter anderer Führung.
Gastronomie unter Druck
Die Situation in Trofaiach fällt in eine angespannte Zeit für die Branche. Die österreichische Gastronomie steckt laut einem Bericht von medianet in einer beispiellosen Krise. 2025 stiegen die Insolvenzen, viele Betriebe gelten als insolvenzgefährdet.
Alois Rainer, seit Juni 2025 Obmann des WKÖ-Fachverbands Gastronomie, führt in vierter Generation das Gasthof Hotel Post in Strass im Zillertal. Er übernahm den Betrieb bereits mit 20 Jahren. Als zentrale Belastungen nennt Rainer steigende Personal-, Energie- und Lebensmittelkosten, den Fachkräftemangel und sinkende Margen.
Die Betriebsergebnisse seien seit 2019 über alle Betriebstypen hinweg rückläufig – und das trotz inflationsbedingter Preiserhöhungen. Diese seien notwendig, um Löhne, Pacht, Wareneinkauf, Energie, Investitionen und Rücklagen zu finanzieren. Die Gastronomie stehe am Ende der Kostenkette und müsse gestiegene Vorleistungskosten weitergeben.
Rainer fordert deshalb eine nachhaltige Bekämpfung der Inflation, Entlastungen bei Energie- und Lebensmittelkosten, eine deutliche Senkung der Lohnnebenkosten und weniger bürokratische Verpflichtungen. Laut Umfragen verbringen Gastronomen durchschnittlich zehn Stunden pro Woche mit Bürokratie. Zehn Stunden, in denen nicht gekocht, serviert oder mit Gästen geredet wird.
Schon während der Corona-Pandemie war die Gastronomie durch monatelange Schließungen, vorverlegte Sperrstunden, Abstandsregeln und Zugangsbeschränkungen besonders stark betroffen. Staatliche Hilfen hätten laut Rainer verhindert, dass ein großer Teil der Betriebe aufgeben musste. Pauschal von künstlich am Leben gehaltenen Betrieben zu sprechen, sei daher nicht angemessen.
Betrug bei Registrierkassen verurteilt der Fachverbandsobmann klar. Solche Manipulationen beschädigten das Vertrauen in den fairen Wettbewerb und das Ansehen der gesamten Branche. Gleichzeitig handle es sich um Einzelfälle: Die große Mehrheit der österreichischen Gastronomiebetriebe arbeite gesetzeskonform und korrekt. Rainer verlangt konsequente Aufklärung und Sanktionierung, aber auch eine klare Unterscheidung zwischen einzelnen Fehlverhalten und der Mehrheit seriöser Betriebe.
Wirtshäuser und Nachfolge
Eine verpflichtende günstige Speise lehnt Rainer ab. Die Gastronomie biete bereits ein breites Spektrum – vom leistbaren Mittagstisch bis zur gehobenen Küche. Zusätzliche Vorgaben seien nicht zielführend, die Betriebe reagierten ohnehin auf die finanzielle Lage ihrer Gäste.
Besonders Dorfgasthäuser geraten laut Rainer durch mehrere Entwicklungen unter Druck: demografische Veränderungen, ihre abnehmende Bedeutung als Treffpunkt im Dorf, höhere Betriebskosten sowie die größere Preissensibilität und Sparsamkeit der Gäste. Dadurch öffne sich die Schere zwischen Umsatz und Ertrag.
Viele Betriebsinhaber kommen in den nächsten Jahren in die Nähe der Pension. Nachfolger aus der Familie oder andere Übernehmer würden seltener. Auch für Wirtshäuser brauche es daher weniger Bürokratie und niedrigere Lohnnebenkosten. Als wichtigste kurzfristige Maßnahmen nennt Rainer finanzielle Entlastungen, insbesondere bei den Lohnnebenkosten, sowie einen deutlichen Bürokratieabbau.
