Unwetter, Waldbrände und Tiertransporter: Die Feuerwehren im Bezirk Liezen im Dauereinsatz
Beim Bereichsfeuerwehrtag in Öblarn hat Landesfeuerwehrrat Reinhold Binder Bilanz über das Einsatzjahr 2026 gezogen und zugleich auf 2027 vorausgeblickt. Rund 200 Feuerwehrführungskräfte und Ehrengäste nahmen am Kommandantentag des Bereichsfeuerwehrverbandes Liezen teil.
Die Zahlen zeigen ein forderndes Jahr: 25 Waldbrände mussten die Feuerwehren im Bezirk Liezen 2026 bewältigen. Verletzte unter den Feuerwehrkräften gab es bei den Einsätzen nicht. Mehr als 1.100 Feuerwehrmitglieder aus dem Bezirk besuchen heuer Kurse an der Landesfeuerwehr- und Zivilschutzschule in Lebring. Zusätzlich wurden 80 Einsatzkräfte für den neuen ÖBB-Servicejet ausgebildet.
Rettung auf der Pyhrnautobahn
ABI August Gassner berichtete über den Einsatz bei einem umgestürzten Tiertransporter auf der Pyhrnautobahn. 33 Feuerwehrkräfte rückten mit sieben Fahrzeugen aus. Von den rund 180 transportierten Schweinen konnten 120 gerettet werden. Ein Einsatz, bei dem es vermutlich nach Diesel, nassem Asphalt und aufgeregten Tieren gerochen hat – und bei dem jede Minute zählte.
Auch das Wetter forderte die Einsatzkräfte. Am Donnerstagabend gegen 18 Uhr zog ein heftiges, kurz andauerndes Unwetter über das Ennstal im Bezirk Liezen. In Gröbming wurden ein Supermarkt, eine Tiefgarage und ein Wohnhaus überflutet. Feuerwehren pumpten die betroffenen Gebäude aus, während ein umgestürzter Baum eine Straße blockierte. In Pruggern kam es zu mehreren Murenabgängen.
Rund 350 Einsatzkräfte aus etwa zwei Dutzend Feuerwehren waren im Bezirk unterwegs. Zusätzlich zu den Unwetterschäden wurden fünf, teilweise schwere, Verkehrsunfälle gemeldet. Und dann brannte auch noch der Wald.
Sechs Waldbrände während des Gewitters
Die ersten Feuer brachen bereits gegen Mittag aus: eines am Kulmkogel in Bad Mitterndorf, ein weiteres in einem Waldstück am Krahstein auf der Tauplitz. Weitere Waldbrände entstanden während des Gewitters. Der größte Brand ereignete sich im Raum Treglwang. Die übrigen Brände waren jeweils etwa 50 Quadratmeter groß, das Feuer in Treglwang vermutlich deutlich größer.
In der Nacht wurden Erkundungsflüge über dem Brandgebiet durchgeführt. Die Löscharbeiten sollten voraussichtlich am Freitag fortgesetzt werden. Für die Feuerwehrleute bedeutete das: kaum Zeit zum Durchatmen, nasse Kleidung vom Unwetter und zugleich die Sorge, dass irgendwo wieder Rauch aufsteigt.
Weichen für 2027 gestellt
Für 2027 sind Neuwahlen der Orts- und Abschnittsfeuerwehrkommandanten vorgesehen. Auf der Agenda stehen außerdem neue Ausrüstungsrichtlinien, Fahrzeugkonzepte sowie ein Kinder- und Jugendschutzkonzept.
Eine personelle Veränderung gibt es bereits beim Bewerbswesen: Roland Schupfer übernimmt die Funktion des Bereichsbewerbsleiters von ABI Didi Perner. Perner beendet sein jahrzehntelanges Engagement mit Jahresende und tritt in den Feuerwehrruhestand.
Behörden- und Gemeindevertreter dankten den Feuerwehrmitgliedern für ihren Einsatz. LFR Reinhold Binder würdigte ihre Einsatzbereitschaft, den Zusammenhalt und die Professionalität. Bei solchen Tagen wird viel geredet – die eigentliche Arbeit beginnt für viele trotzdem wieder, sobald irgendwo die Sirene geht.
Freiwillige tragen den steirischen Einsatzdienst
Rund 50.000 Männer und Frauen engagieren sich in mehr als 770 Feuerwehren in der Steiermark freiwillig. Berufsfeuerwehren gibt es nur in wenigen Ausnahmefällen, etwa in Graz. Gerade bei Hochwasser übernehmen die Feuerwehren Aufgaben zur Gefahrenabwehr, zum Schutz von Menschenleben und zur Verringerung von Hochwasserschäden.
Entscheidend sind Gefahrenhöhe und Dringlichkeit. Zuerst geht es um die Rettung von Menschen und Tieren, danach um den Schutz von Ortschaften und gegebenenfalls Dämmen. Es folgen die Sicherung kritischer Infrastruktur und Umweltschutzmaßnahmen, der Schutz einzelner Objekte sowie technische Hilfeleistungen. Die Lage wird laufend neu bewertet, deshalb kann sich die Reihenfolge jederzeit ändern. Die Feuerwehr arbeitet dabei eng mit Behörden und anderen Einsatzorganisationen zusammen.
Nach Elementarereignissen können die Einsatzkräfte nicht überall gleichzeitig helfen. Betroffene sollen daher prüfen, ob sie bestimmte Arbeiten selbst oder mit Unterstützung von Nachbarn und Freunden erledigen können – gerade bei technischen Hilfeleistungen wie Pumparbeiten. Steigen Wasser- oder Pegelstände weiter, können Pumpen wirkungslos bleiben, weil das Wasser danach erneut nachströmt: Man pumpt dann sprichwörtlich „im Kreis“.
Feuerwehrgeräte und Einsatzkräfte könnten währenddessen an einem anderen Ort dringender gebraucht werden. Die Bevölkerung soll eigenverantwortlich handeln, dabei auf den Selbstschutz achten und im Notfall die Einsatzkräfte alarmieren.
