Am 1. Oktober 2026 fand in Lilienfeld ein Wechsel an der Spitze der AMS-Geschäftsstelle statt. Margareta Selch, die beeindruckende 35 Jahre beim AMS Niederösterreich tätig war, trat in den Ruhestand. Davon war sie 12 Jahre als Leiterin in Lilienfeld aktiv und hat zuvor 23 Jahre in Mödling gearbeitet. Ein beeindruckender Lebensweg, der viele Höhen und Tiefen beinhaltet hat. Ihre Nachfolge tritt Peter Gaugutz an, der bereits seit 2008 im AMS Lilienfeld tätig ist und zuletzt als stellvertretender Abteilungsleiter im Jobservice arbeitete.

Die Abschiedsfeier von Margareta Selch fand im geschichtsträchtigen Dormitorium des Stiftes Lilienfeld statt und war ein würdiger Rahmen für diesen Übergang. Ehrengäste wie die AMS-NÖ-Chefin Sandra Kern, ihre Stellvertreterin Karmen Frena und der Bundesrat sowie St. Veiter Bürgermeister Christian Fischer waren anwesend, um der scheidenden Leiterin die letzte Ehre zu erweisen. Es war ein emotionaler Moment, der sowohl Dankbarkeit als auch Wehmut ausstrahlte.

Pensionsungleichheit in Niederösterreich

Nicht nur der Führungswechsel im AMS Lilienfeld sorgt für Gesprächsstoff, auch die Pensionssituation in der Region ist ein heißes Thema. Frauen in Lilienfeld und ganz Niederösterreich erhalten im Durchschnitt deutlich weniger Pension als ihre männlichen Kollegen. Der sogenannte Pension-Gap liegt in Österreich bei 39,4 Prozent, in Niederösterreich sogar bei 39,6 Prozent. Ein eklatanter Unterschied, der viele Frauen betrifft und sich auf deren Lebensqualität auswirkt.

Die Ursachen sind vielfältig: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, verdienen insgesamt weniger und übernehmen überproportional viele unbezahlte Betreuungs- und Pflegearbeiten. Dies sind Themen, die Margareta Selch besonders am Herzen lagen. Sie betonte immer wieder die Bedeutung von Information und Beratung für Frauen, um neue berufliche Möglichkeiten zu erschließen. Das AMS bietet dafür Programme wie „Aktion 55plus“ an, die sich an arbeitslose Menschen ab 55 Jahren richten.

Gerechte Verteilung von Arbeit und Löhnen

Die SPÖ-Bezirksfrauenvorsitzende Bianca Bauer fordert eine gerechtere Verteilung der unbezahlten Arbeit und eine Schließung der Lohn- und Pensionsschere. Immerhin sind in Österreich 51,1 Prozent der Frauen teilzeitbeschäftigt, während nur rund 13,7 Prozent der Männer diese Möglichkeit in Anspruch nehmen. Das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit.

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Die Ursachen für die geringeren Einkommen von Frauen sind nicht nur in der Berufswahl oder der Erwerbsbiografie zu suchen. Auch die gesellschaftliche Schlechterstellung und die oft mangelhafte Verhandlungsmacht spielen eine entscheidende Rolle. Frauen unterbrechen häufig ihre Erwerbstätigkeit für familiäre Verpflichtungen und verhandeln seltener erfolgreich über Gehälter. Diese Faktoren tragen zu einem hohen Gender Pay Gap bei, der in Österreich nach wie vor ein drängendes Problem darstellt.

Angesichts all dieser Herausforderungen ist die Arbeit des AMS in Lilienfeld wichtiger denn je. Peter Gaugutz wird in seiner neuen Rolle sicherlich auch diese Themen aufgreifen müssen. Es bleibt spannend zu sehen, wie er die Geschicke der Geschäftsstelle lenken wird und ob er Margareta Selchs Erbe fortführen kann, besonders in einer Zeit, in der Gleichstellung und Chancengleichheit mehr denn je gefragt sind.