Zwettl sucht bis Weihnachten einen neuen Abt
Im Zisterzienserstift Zwettl hat am 26. Oktober 2026 eine Übergangszeit begonnen: Mit dem Ende der Amtszeit von Abt Johannes Maria Szypulski ist die Sedisvakanz eingetreten. Bis ein neuer Vorsteher gewählt ist, leitet Prior Paulus Nüss das Stift. Zur Seite steht ihm ein Rat mit P. Bernhard Prem und P. Daniel Gärtner.
In Lilienfeld beriet sich Abtpräses Pius Maurer mit dem Klosterkapitel über die Nachfolgewahl. Nach den Konstitutionen der Österreichischen Zisterzienserkongregation muss sie innerhalb von 60 Tagen stattfinden, spätestens bis Weihnachten. Möglich ist auch die Postulation eines Mönchs aus einem anderen österreichischen Zisterzienserkloster.
Rücktritt nach dem 70. Geburtstag
Szypulski hatte am 25. Juni 2026 sein 70. Lebensjahr vollendet und danach gemäß den Ordensbestimmungen seinen Rücktritt angeboten. Maurer ließ den Konvent darüber abstimmen, ob der Abt weitere fünf Jahre im Amt bleiben solle. Die Mönche befürworteten eine Neuwahl, woraufhin Maurer den Rücktritt mit Ende Oktober 2026 annahm.
Seit dem 29. Mai 2017 stand Szypulski an der Spitze des Stifts. Der aus Polen stammende Ordensmann war 1982 in Zwettl eingetreten und 1985 zum Priester geweiht worden. Mehrere Jahre wirkte er als Pfarrseelsorger in Großinzersdorf und Loidesthal in der Erzdiözese Wien. Seit 2016 ist er Pfarrer der Stiftspfarre Zwettl. Sein Wahlspruch lautet „Fortitudo mea Maria“ („Meine Kraft ist Maria“).
Abtpräses Pius Maurer würdigte Szypulskis mehr als neun Jahre lange Amtszeit und hob dessen persönlichen Einsatz, seine Gastfreundschaft und sein religiöses Engagement hervor. Während dieser Jahre wurden Teile der Stiftsanlage restauriert. Zuletzt eröffnete und segnete Szypulski den neu gestalteten Abteihof und Kreuzgarten. Außerdem wurde Zwettl Teil von „Cisterscapes“, einem europäischen Kulturwanderweg, der mehrere zisterziensische Kulturlandschaften miteinander verbindet.
Ein Kloster mit langer Geschichte
Das 1138 gegründete Stift im niederösterreichischen Waldviertel gilt als weltweit drittältestes durchgehend bestehendes Zisterzienserkloster und zählt damit zu den ältesten ununterbrochen bestehenden Häusern des Ordens. Seine wirtschaftliche Grundlage bildete zunächst die Kultivierung des Landes. Die erste romanische Klosterkirche wurde 1159 geweiht, im 14. Jahrhundert aber durch einen gotischen Bau ersetzt.
Auf schwierige Zeiten durch Kriege und Reformation folgte im Barock eine religiöse und wirtschaftliche Erneuerung. Die Stiftsgebäude wurden umfassend umgestaltet, die Kirche fertiggestellt und kostbar ausgestattet. Der Kirchturm wurde zum Wahrzeichen von Zwettl; Joseph Munggenast und Paul Troger gestalteten den barocken Bibliothekssaal.
Mit der Josephinischen Kirchenreform gegen Ende des 18. Jahrhunderts wandten sich die Mönche verstärkt der Seelsorge zu – damals in rund 15 Pfarren. Das Stift überstand den Ersten und den Zweiten Weltkrieg sowie die NS-Zeit weitgehend unbeschadet. Im 20. Jahrhundert kamen mit einem Bildungshaus und der „Höheren Lehranstalt für Umwelt und Wirtschaft Yspertal“ neue Arbeitsfelder hinzu.
Zwölf Mönche, viele Aufgaben
Der Gemeinschaft gehören derzeit zwölf Mitglieder an. Sie übernehmen seelsorgliche Aufgaben in zahlreichen umliegenden Pfarren. Daneben arbeitet das Stift in der Forst- und Teichwirtschaft; bekannt ist insbesondere die Zucht von Waldviertler Karpfen. Auch Kultur- und Bildungsarbeit gehören dazu, Zwettl fungiert als Kultur- und Bildungszentrum im Waldviertel.
Zur Österreichischen Zisterzienserkongregation unter Leitung von Abtpräses Pius Maurer gehören sieben Klöster: Rein, Heiligenkreuz, Zwettl, Wilhering, Lilienfeld, Schlierbach und Vyšší Brod in Tschechien. In Zwettl bleibt nun zunächst abzuwarten, wer die Gemeinschaft künftig durch diese Mischung aus Pfarrarbeit, Landwirtschaft, Bildungsarbeit und klösterlichem Alltag führen wird.
