Marwa Arsanios: Who is Afraid of Ideology?
Am 27. Juni 2026 öffnet im Innsbrucker Taxispalais eine Ausstellung, die bereits jetzt für viel Gesprächsstoff sorgt: „Marwa Arsanios: Who is Afraid of Ideology?“. Die Eröffnung findet am 26. Juni um 19:00 Uhr statt und der Eintritt ist frei – schon mal ein guter Grund, sich einen Platz zu sichern! Diese erste institutionelle Einzelausstellung von Marwa Arsanios in Österreich wird bis zum 4. Oktober 2026 zu sehen sein und wirft ein spannendes Licht auf die Filmserie, die den gleichen Titel trägt.
Die Filmserie selbst besteht aus fünf Teilen und beleuchtet unter anderem die kurdische Frauenbewegung im Irak und Nordosten Syriens sowie die Grupo Semillas in Kolumbien. Wer denkt, dass das nur trockene Theorie ist, irrt gewaltig. Hier geht es um Gemeinschaften, die um ein Leben in Zusammengehörigkeit und Verbundenheit mit ihrem Land kämpfen – ein Thema, das aktueller nicht sein könnte! Besonders der vierte Teil der Reihe dokumentiert die Rehabilitation eines ehemaligen Steinbruchs im Libanon, wobei die komplexen Fragen von Nutzungs- versus Eigentumslogiken im Vordergrund stehen.
Vielfältige Programmpunkte im Sommer
Die Ausstellung wird durch verschiedene Programmpunkte ergänzt, die sich über den Juli erstrecken. Am 28. Juni findet um 15:00 Uhr eine Sonntagsführung mit Kristina Wieser statt, gefolgt von einer Direktorinführung mit Nina Tabassomi am 1. Juli um 17:00 Uhr. Wer noch mehr über die Hintergründe erfahren möchte, kann am 8. Juli um 17:00 Uhr an einer Führung mit Eva Siller teilnehmen. Ein ganz besonderes Highlight ist der Miniworkshop am 13. Juli von 15:00 bis 17:00 Uhr, der von Eva Siller und Kristina Wieser geleitet wird – hier kann man sich sogar anmelden über den Ferienzug der Stadt Innsbruck.
Die Ausstellung selbst stellt nicht nur Filme aus, sondern wird auch von Zeichnungen, Textilarbeiten und Siebdrucken begleitet, die die Filmgeschichten visuell umsetzen. Kuratiert von Nina Tabassomi, wird dieser Event eine Art künstlerischer Dialog über die komplexen Themen der filmischen Erzählungen führen, die sich mit den Kämpfen und spezifischen Topografien auseinandersetzen.
Ein Blick auf die gelebten Realitäten
Die Filme der Serie sind mehr als nur Dokumentationen; sie erzählen von gewalttätigen Kontexten und den Taktiken der Wiederaneignung von Land. Sie bilden ein geographienübergreifendes Netzwerk, das ökologische, dekoloniale und feministische Praktiken miteinander verbindet. Ein besonders eindrückliches Beispiel ist die landwirtschaftliche Genossenschaft in Serekanieh, Nord-Syrien, die von ehemaligen staatlichen Landarbeitern betrieben wird. Diese Genossenschaft wurde nach der Rückeroberung des Landes durch die autonome Region Rojava im Jahr 2011 gegründet und zielt darauf ab, die Verwüstungen durch den Krieg zu heilen. Solche Geschichten sind nicht nur wichtig für das Verständnis der Region, sondern auch für die Reflexion über die Widersprüche zwischen Ökologie und Krieg.
Die Autorin Marwa Arsanios untersucht in ihren Arbeiten, wie koloniale und kapitalistische Strukturen indigene Gemeinschaften beeinflussen und welche Methoden zur Reappropriation von Land entwickelt werden können. In ihren Filmen wird die Idee des „Void“ betrachtet – eine Art Leere, die sowohl menschliche als auch nicht-menschliche Aspekte umfasst. Diese Betrachtungsweise ist besonders in einem Kontext von Kriegsgebieten relevant, wo die Heilung und Regeneration von Land und Gemeinschaften zentral ist.
Kunst als Werkzeug der Reflexion
In einem politisch angespannten Umfeld stehen NGOs und lokale Initiativen vor großen Herausforderungen. Dabei wird auch die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft und der Gemeinschaftsbildung thematisiert. Die kurdische Frauenbewegung hat eine Philosophie der Selbstverteidigung entwickelt, die eng mit ökologischen Fragen verknüpft ist. Diese Ansätze werden auch in der zukünftigen Forschungsgruppe „Kunst, Umwelt, Ökologie“ am ZI berücksichtigt, die ab September 2024 beginnt. Ziel dieser Gruppe ist es, innovative Perspektiven auf Kunst und Kunstgeschichtsschreibung im Kontext von Umwelt- und Ökologiefragen zu entwickeln – ein Bereich, der in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat.
Wenn ihr also in Innsbruck seid, verpasst nicht die Gelegenheit, diese aufregende Ausstellung zu besuchen. Sie bietet nicht nur einen kulturellen Einblick, sondern regt auch zum Nachdenken über aktuelle gesellschaftliche Themen an. Und wer weiß – vielleicht entdeckt ihr ja die eine oder andere neue Perspektive, die euren Blick auf Kunst und Gesellschaft verändert. Mehr Informationen findet ihr übrigens hier.
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