Kreiskys Schatten: Ein Film, der Geschichte lebendig macht
Gestern Abend, am 4. Oktober 2026, erlebte das Cineplexx in Mattersburg einen ganz besonderen Moment: Die Burgenland-Premiere des Films „Bruno – Der junge Kreisky“. Ein Ereignis, das viele Kinobesucher anlockte und für eine aufgeregte Atmosphäre sorgte. Regisseur Harald Sicheritz, ein Name, der in der österreichischen Filmwelt bekannt ist, stellte sein Werk persönlich vor und ließ sich danach auf eine spannende Diskussion mit dem Publikum ein.
Der Film, der in den Kinos läuft, widmet sich den Jugendjahren von Bruno Kreisky, dem späteren Bundeskanzler und einer der prägendsten Figuren der österreichischen Politik. Kreisky wuchs in einer Zeit auf, die von Arbeitslosigkeit, Austrofaschismus und der Verfolgung politisch Andersdenkender geprägt war. Im Film wird diese schwierige Zeit thematisiert, und das Publikum kann miterleben, wie Kreisky zwischen seinen 16. und 27. Lebensjahr einen Weg durch die Herausforderungen des wachsenden Faschismus fand.
Ein Film mit Tiefgang
Die Idee zu „Bruno – Der junge Kreisky“ stammt von Autor Fritz Schindlecker, der damit nicht nur die spannende Geschichte von Kreiskys Leben erzählen möchte, sondern auch ein Bild der Ersten Republik Österreich vermitteln will, die von Demokratie und politischen Konflikten geprägt war. Historische Quellen und Kreiskys eigene Erinnerungen bilden die Basis der Handlung. Sicheritz, der Politikwissenschaft studiert hat, lehnte zuvor Anfragen für Filme über Kreisky ab, bis ihm die Idee von Schindlecker begegnete. Nun bringt er die wenig bekannte Vorgeschichte des späteren Politikers ans Licht.
Die Zuschauer wurden nicht nur mit eindrucksvollen Bildern und Erzählungen konfrontiert, sondern konnten auch an einer Diskussionsrunde teilnehmen, die nach der Vorführung stattfand. Sicheritz war bereit, Fragen zu beantworten und Einblicke in die Produktionsweise zu geben. Ein weiteres Highlight des Abends war die Autogrammstunde, bei der die Fans die Möglichkeit hatten, persönliche Erinnerungen mit dem Regisseur zu teilen.
Ein Blick in Kreiskys Leben
Bruno Kreisky wurde am 22. Januar 1911 in Wien geboren, als zweitältester Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie. Trotz seines privilegierten Aufwachsens war sein Leben von zahlreichen Herausforderungen geprägt. So verbrachte Kreisky fast zwei Jahre im Gefängnis, wurde von der SS gefoltert und schließlich ins Exil gezwungen. Fünfundzwanzig enge Verwandte der Familie wurden im Holocaust ermordet. Diese dunklen Kapitel seiner Biografie beleuchtet der Film und gibt dem Publikum einen tiefen Einblick in die Persönlichkeit und den Werdegang eines Mannes, der die österreichische Politik maßgeblich beeinflusste.
Der Film ist auch als Unterrichtsmittel für Schulen gedacht, was zeigt, dass Sicheritz nicht nur ein unterhaltsames, sondern auch ein lehrreiches Werk geschaffen hat. Es ist nicht einfach ein Biopic, sondern ein modernes Erzählkino, das die historische Relevanz von Kreiskys Leben in den Fokus rückt.
Kulturelle Bereicherung für Mattersburg
Der gestrige Abend war nicht nur eine Filmvorführung; es war ein kulturelles Ereignis, das die Herzen der Kinobesucher berührte. Die Möglichkeit, mit dem Regisseur zu sprechen und mehr über die Hintergründe des Films zu erfahren, stellte für viele einen wertvollen Teil des Erlebnisses dar. In Zeiten, in denen historische Themen oft in den Hintergrund gedrängt werden, ist es wichtig, solche Geschichten lebendig zu halten und das Publikum zum Nachdenken anzuregen.
Mit „Bruno – Der junge Kreisky“ hat Harald Sicheritz nicht nur einen Film über einen bedeutenden Politiker gemacht, sondern auch einen Beitrag zur Erinnerungskultur geleistet. Ein Abend, der sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird, sowohl für die Zuschauer als auch für den Regisseur selbst.
