Am 23. Mai 2025 feierte die Oper „Missing in cantu (eure paläste sind leer)“ von Johannes Maria Staud im Tiroler Landestheater Innsbruck ihre Premiere. Diese österreichische Erstaufführung, die auf dem Libretto von Thomas Köck basiert, stellt eine düstere Auseinandersetzung mit der menschlichen Natur dar. Die Uraufführung fand bereits 2023 im Kunstfest Weimar statt – und jetzt ist das Stück endlich hier in Innsbruck angekommen!

Die Inszenierung, unter der Regie von Bettina Bruinier, entfaltet sich in drei Strängen, die sich mit drängenden sozialen Themen auseinandersetzen. Der erste Strang versetzt die Zuschauer ins 16. Jahrhundert: Der Konquistador Don Gairre ist auf der Suche nach dem sagenumwobenen Eldorado, während er gleichzeitig Gewalt gegen Indigene und Hexenverbrennungen ausübt. Im zweiten Strang geht es in eine US-amerikanische Vorstadt, wo ein Drogenabhängiger von Reportern ausgebeutet wird, was schließlich in einer Geiselnahme und seinem Suizid endet. Der dritte Strang spielt in einem Schlachthaus, wo Arbeiter zusammenbrechen und ein Elternpaar an einer Überdosis stirbt. Diese Geschichten sind nicht nur erschütternd, sie spiegeln auch die Herausforderungen der modernen Welt wider, wie religiösen Fanatismus, Machtgier und den Turbokapitalismus.

Musikalische Vielfalt und kreative Inszenierung

Die Musik von Staud ist ein faszinierendes Zusammenspiel von verschiedenen Stilen – von Filmmusik über Pop bis hin zu geistlicher Chormusik. Diese musikalische Vielfalt wird durch das SWR Experimentalstudio und das Tiroler Symphonieorchester unter der Leitung von Timothy Redmond zum Leben erweckt. Die Oper, die insgesamt 90 Minuten dauert und in 15 Einheiten gegliedert ist, kombiniert Elemente der Oper mit gesprochenem Schauspiel. Ein innovativer Ansatz, der das Publikum sowohl emotional als auch intellektuell herausfordert.

Die gesamte Inszenierung nutzt beeindruckende Bühnenkonstruktionen, Kostüme, Choreografie und Videozuspielungen, die die dystopische Stimmung noch verstärken. Die Besetzung ist ebenfalls bemerkenswert: Marcel Brunner als Seher, Hazel Neighbour als Echo, Stephen Chaundy als Don Gairre und Christian Miedl als Don Stepano sind nur einige der talentierten Darsteller. Jennifer Maines verkörpert die Hexe und bringt eine zusätzliche Dimension in die bereits komplexe Handlung. Besonders gelobt wurden der Chor, die Statisterie und die Musiker des Tiroler Symphonieorchesters, obwohl es auch kritische Anmerkungen zur Verständlichkeit der Sprechrollen und zur Besetzung gab.

Ein Tiroler Komponist mit einer starken Stimme

Johannes Maria Staud, der Komponist dieser eindrucksvollen Oper, hat seine Wurzeln in Tirol und beschäftigt sich intensiv mit zeitgenössischen Klangbildern und aktuellen Themen. Sein vorheriges Auftragswerk „Die Weiden“, das 2018 an der Wiener Staatsoper aufgeführt wurde, sorgte für gespaltene Meinungen im Publikum. Das Stück thematisierte ein negatives Bild von Österreich und zeigte extreme politische Gruppen auf. Nach der Aufführung fand es keinen Platz mehr im Spielplan der Staatsoper.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

„Missing in cantu“ ist ein weiteres Beispiel für Stauds Fähigkeit, komplexe Themen in musikalische Formen zu übersetzen. Das Stück fordert die Zuschauer heraus, über gesellschaftliche Missstände nachzudenken und bietet einen tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Natur. So wird klar, dass Staud einen mutigen und relevanten Beitrag zur zeitgenössischen Oper leistet, der auch in Innsbruck für Gesprächsstoff sorgen wird.