In Österreich ist die Deindustrialisierung ein Thema, das immer lauter wird. Man hört es von den Stadtvierteln bis in die Parlamente, und die Auswirkungen sind in vielen Regionen deutlich spürbar. Die traurige Wahrheit ist, dass zahlreiche Arbeitsplätze verloren gehen, während die Wertschöpfung in der Industrie paradox steigt. Ein Blick auf aktuelle Entwicklungen zeigt, dass es nicht nur ein Problem in einzelnen Bundesländern ist, sondern ein gesamtgesellschaftliches Phänomen.

Im Lenzing-Werk in Heiligenkreuz stehen bis Ende nächsten Jahres 2.000 Stellen auf der Kippe. Wie da die Stimmung unter den Beschäftigten ist, kann man sich vorstellen – es ist nicht einfach, wenn man plötzlich um die eigene Zukunft bangen muss. Auch die Zuckerraffination von Agrana in Leopoldsdorf wurde eingestellt, was ein weiteres Zeichen für den Rückgang der Industrie ist. Und dann wäre da noch ZKW in Wieselburg, wo 600 Jobs wegfallen. Ein besorgniserregender Trend, der sich durch ganz Österreich zieht. AVL List in Graz hat erst kürzlich angekündigt, 180 Stellen zu streichen – die dritte Kündigungswelle in nur zwei Jahren. In einem Land, das einst mit über 30% Industriebeteiligung prahlte, ist der Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) inzwischen auf 24% gesunken.

Regionale Unterschiede und Resilienz

Die Situation variiert stark von Region zu Region. Während das Burgenland in allen Bezirken Industriejobs verloren hat, zeigt Oberösterreich Resilienz. Hier gibt es keinen Bezirk, der 2025 weniger Industriejobs haben wird als vor zehn Jahren. Graz hingegen konnte in den letzten zehn Jahren einen Anstieg der Industriebeschäftigung um 41,4% verzeichnen. Da fragt man sich, was in bestimmten Regionen besser läuft. Automatisierung hat dazu geführt, dass zwar die Wertschöpfung in der Industrie steigt, die Beschäftigtenzahlen aber stagnieren oder sogar sinken.

Die Gründe für die Deindustrialisierung sind vielfältig. Hohe Arbeitskosten, Bürokratie und Regulierung sind laut einer Deloitte-Umfrage die Hauptgründe, warum Unternehmen abwandern. 78% der Firmen sehen die hohen Arbeitskosten als Problem, gefolgt von der Bürokratie (66%) und der Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften (64%). Aber nicht nur das: Hohe Steuern und Abgaben spielen ebenfalls eine Rolle, genauso wie die Energiepreise, die in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Die IV NÖ hat ein Zehn-Punkte-Programm veröffentlicht, um die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts zu steigern und plant Maßnahmen wie die Senkung der Lohnnebenkosten und den Ausbau der Energieinfrastruktur.

Politische Maßnahmen und Forderungen

In Oberösterreich hat die Standortagentur Business Upper Austria den Masterplan „Fit for Future“ entwickelt. Auf Initiative von Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner geht es darum, Anreize für mehr Leistung und Eigenverantwortung zu schaffen und den Fokus auf Forschung und Entwicklung zu legen. Es ist klar, dass es so nicht weitergehen kann. Roither, ein Vertreter der Industrie, fordert einen gesellschaftlichen Diskurs über Leistung und Anreize für Arbeit sowie eine gezielte Migration von Fachkräften. Das klingt nach einem langen Weg, aber wenn nicht jetzt, wann dann?

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Christoph Badelt, Wirtschaftsforscher und Fiskalratspräsident, sieht ebenfalls Handlungsbedarf. In der Vorstellung des Produktivitätsberichts 2025 hat er jüngst betont, dass Österreich neue Absatzmärkte benötigt und die Zustimmung zum Mercosur-Abkommen entscheidend sein könnte. Österreich könnte bei Abstimmungen im EU-Rat eine Schlüsselrolle spielen. Es ist mehr als offensichtlich, dass ohne eine klare Strategie die heimische Industrie in eine noch tiefere Krise rutschen könnte. Die Stärke der heimischen Wirtschaft hängt letztlich von einer Vielzahl an Maßnahmen ab, die sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene ergriffen werden müssen.

Die Entwicklung der österreichischen Industrie bleibt also eine spannende, wenn auch besorgniserregende Geschichte. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die politischen Maßnahmen fruchten oder ob wir uns in eine noch stärkere Abwärtsspirale bewegen. Eines ist jedoch sicher: Die Zeit zum Handeln ist jetzt, und die Verantwortung liegt bei uns allen.