Billa macht in Parndorf aus dem Schnuppertag den ersten Schritt zu inklusiver Arbeit
Im Billa-Plus-Markt in Parndorf ist vergangene Woche ausprobiert, gefragt und miteinander geredet worden: Von 19. bis 23. Oktober 2026 veranstaltete Billa dort eine Inklusionswoche. Menschen mit Behinderungen konnten den Arbeitsalltag praktisch kennenlernen, verschiedene Tätigkeiten ausprobieren und ihre Fähigkeiten und persönlichen Stärken einbringen.
Ebenso wichtig war der direkte Austausch mit bestehenden Teams und Führungskräften. Die Woche wurde gemeinsam mit Kooperationspartnern umgesetzt und sollte einen niederschwelligen Einblick in die Arbeitswelt ermöglichen. Daraus können neue Perspektiven entstehen – für Praktika, Ausbildungen, Lehrstellen und Beschäftigungen.
Vom Kennenlernen zum nächsten Schritt
Für Billa war die Woche nicht bloß ein Schnuppertag in Serie. Gemeinsam mit den Teilnehmenden wurde geprüft, welche Tätigkeiten zu ihren Interessen und Stärken passen und welche nächsten Schritte möglich sind. Je nach Ergebnis können daraus Praktika, Lehrstellen oder längerfristige Arbeitsverhältnisse entstehen.
„Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagte Regierungskoordinator und Landtagsabgeordneter Robert Hergovich und unterstrich die Bedeutung von Teilhabe im Arbeitsleben. Billa-Vertriebsdirektor Hamed Mohseni sieht im unmittelbaren Einblick in den Markt ebenfalls mehr als eine kurze Erfahrung: Er könne der Startpunkt für eine berufliche Entwicklung sein.
Gleichzeitig nahm Billa die eigenen Abläufe unter die Lupe – und zwar aus unterschiedlichen Perspektiven. Für eine dauerhafte Teilhabe am Arbeitsmarkt brauche es technische und organisatorische Anpassungen, die Sensibilisierung von Führungskräften und Mitarbeitenden sowie Schulungs- und Entwicklungsangebote. Eric Scharnitz, ebenfalls Billa-Vertriebsdirektor, betonte, dass unterschiedliche Bedürfnisse im Arbeitsalltag selbstverständlich berücksichtigt werden sollten.
Seit 2015 im Einsatz
Die Inklusionswochen sind Teil eines seit 2015 bestehenden Engagements von Billa für die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen mehr als 900 Mitarbeitende mit Behinderungen. Zusätzlich bietet Billa individuell angepasste Arbeitsplätze sowie interne Sensibilisierungs-, Schulungs- und Entwicklungsmaßnahmen an.
Das Ziel: Inklusion soll dauerhaft im Arbeitsalltag verankert werden, damit Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen berufliche Entwicklungsmöglichkeiten vorfinden. Im Markt in Parndorf ging es dafür ganz praktisch zu – Tätigkeiten kennenlernen, miteinander sprechen, schauen, was passt. Nicht alles muss am ersten Tag fix feststehen.
„Löhne statt Taschengeld“
In einen größeren österreichischen Zusammenhang fällt die Förderrichtlinie „Inklusive Arbeit“, die das Sozialministerium am 15. Juli 2024 vorgestellt hat und die an diesem Tag in Kraft trat. Sie soll Menschen mit hohem und sehr hohem Unterstützungsbedarf den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt erleichtern. Statt eines Taschengelds in Werkstätten sollen sie einen regulären, existenzsichernden Lohn erhalten.
Vorgesehen sind echte Arbeitsverträge, vollständige Sozialversicherung und der Anspruch auf eine Pension. Bis 2026 stellt der Bund dafür 36 Millionen Euro bereit. Die Länder übernehmen ein Drittel der Projektkosten, wodurch Projekte mit insgesamt bis zu 54 Millionen Euro gefördert werden können. Neue und bestehende Vorhaben sind in allen neun Bundesländern möglich.
Der Handlungsbedarf ist groß: In Österreich arbeiten rund 28.000 Menschen mit Behinderungen in Werkstätten. Derzeit bekommen sie dort monatlich etwa 35 bis 100 Euro Taschengeld und sind unfallversichert. Während der Bund für die berufliche Teilhabe zuständig ist, liegen Werkstätten und deren Vergütungen bei den Ländern. Die langfristige Zielsetzung lautet deshalb „Löhne statt Taschengeld“.
Die Wirtschaftsuniversität Wien untersuchte die finanziellen Auswirkungen einer entsprechenden Umstellung; auf Grundlage dieser Ergebnisse wurde die Richtlinie entwickelt. Bei ihrer Erarbeitung wurden Menschen mit Behinderungen umfassend einbezogen.
Gefördert werden inklusive Arbeitsmodelle, bei denen Unternehmen Arbeitsplätze an die Bedürfnisse der Beschäftigten anpassen und Lohn sowie Sozialversicherung bieten. Integrative Arbeitsmodelle ermöglichen die Tätigkeit weiterhin in Einrichtungen oder über gemeinnützige Arbeitnehmerüberlassung – etwa in Gruppen am regulären Arbeitsmarkt oder bei Gemeindeämtern, ebenfalls mit Lohn und Sozialversicherung.
Daneben gibt es innovative Projekte in bestehenden Strukturen. Menschen arbeiten dabei innerhalb ihrer Einrichtung auf Grundlage eines Arbeits- oder Ausbildungsvertrags. Die Projekte müssen klar von anderen Bereichen der Einrichtung getrennt sein; auch hier sind Lohn und Sozialversicherung vorgesehen. Für manche beginnt der Weg dorthin vielleicht mit einem größeren politischen Modell, für andere mit einem ersten Kennenlernen zwischen Regalen und Kassa in Parndorf.
