Am 25. April 2026 fand im Informationszentrum der KZ-Gedenkstätte Gusen ein bewegender Themenrundgang mit dem Titel „Glaube im KZ“ statt. Besucher*innen hatten die Möglichkeit, tiefere Einblicke in die Rolle des Glaubens für die Häftlinge des Konzentrationslagers Gusen zu erhalten. Die Veranstaltung wurde von Historikerin Heidi Gsell, Vorstandsmitglied des Vereins Lila Winkel, und Charlotte Herman, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz, gestaltet. Moderiert wurde das Ganze von Julia Mayr, die den Fokus auf die Bedeutung des Glaubens in einer von Gewalt und Entmenschlichung geprägten Umgebung lenkte.
Im Programmheft wurden auch die Zweifel an der Existenz eines liebenden Gottes und der Verlust des Glaubens thematisiert. Bernhard Mühleder, Koordinator der Gedenkstätte, stellte die Umstände dar, unter denen der Glaube der Häftlinge auf eine harte Probe gestellt wurde. Interessant war der Folder der Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH, der lediglich wirtschaftliche Informationen enthielt, ohne auf die Repressionsziele der SS hinzuweisen. Eine erschreckende Bilanz: Von den etwa 71.000 Häftlingen in Gusen überlebten mehr als 37.000 nicht.
Erinnerungen und Glaubensstärke
Der Rundgang umfasste auch das Krematorium, ein Ort, der die grausame Realität des Lagers verdeutlichte. Charlotte Herman erinnerte an Hitlers Rede von 1939, in der er die „Lösung“ des „Problems“ Judentum ansprach. Ein ganz besonderes Gedenken fand in Form von Keramikherzen statt, die von Volksschülern gefertigt wurden und an die 420 Kinder erinnern, die 1945 getötet wurden. Trotz der schrecklichen Umstände reagierten die Häftlinge unterschiedlich auf ihre Erfahrungen. Einige bewahrten ihre Integrität und stärkten ihren Glauben. Jehovas Zeugen beispielsweise waren die einzige christliche Gruppe mit einem spezifischen Häftlingszeichen, dem lila Winkel; in Gusen waren 75 Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaft inhaftiert. Boleslaw Cebo, ein Häftling aus dem Jahr 1945, sagte treffend: „Einen Zeugen Jehovas erkannte man sofort: Kopf erhoben, trotz allem.“
Heidi Gsell sprach in diesem Zusammenhang die Worte: „Für alles bin ich stark durch den, der mir die Kraft gibt.“ (Philipper 4, 13). Diese Zeilen zeigen, wie der Glaube den Menschen in den dunkelsten Zeiten Halt geben konnte.
Religiöse Praktiken im Lager
Der Glaube war jedoch nicht nur auf die KZ Gusen beschränkt. In den Frauenkonzentrationslagern, wie etwa Ravensbrück, schmuggelten Häftlinge religiöse Gegenstände, um ihre Spiritualität aufrechtzuerhalten. Sabine Arend liest aus den Lebenserinnerungen von Katharina Katzenmaier, die in Ravensbrück inhaftiert war. Sie hatte eine Marienmedaille in ihrer Zahnpastatube versteckt, die bei Kontrollen nicht entdeckt wurde. Religiöse Gegenstände wurden selten eingeschmuggelt, oft mussten sie von den Insassen selbst angefertigt werden. So bewahrt die Gedenkstätte Ravensbrück Zeugnisse religiöser Handarbeiten, darunter Gebetsketten aus gekautem Brot und Rosenkränze aus gesammelten Beeren, Wolle und Textilien.
Frauen im Lager bastelten heimlich Rosenkränze, Kruzifixe und Andachtsbilder, und kleine Gebetstreffen fanden oft in den Schatten der Baracken statt. Taufen wurden heimlich von Ordensschwestern durchgeführt; so taufte Felixina Armbruster über 500 Kinder im Wöchnerinnensaal. Auch die Zeuginnen Jehovas hielten an ihrem Glauben fest und führten heimliche Taufen in einem Wasserfass in der Wäscherei durch. Ihre Antikriegshaltung führte zu Repressionen, als 50 von ihnen sich weigerten, für Soldaten Beutel zu nähen.
Der Glaube war ein Lichtblick, selbst in den dunkelsten Stunden. Viele Frauen fanden Trost in der Figur Maria, die für sie zu einer Identifikationsfigur wurde, insbesondere für jene, die eigene Kinder verloren hatten. Auch in Vernichtungslagern wie Auschwitz suchten Menschen Trost in der Religion, und es gibt Dokumentationen von Häftlingen, die in der Gaskammer Widerstand leisteten.
Die Erinnerungen an die Festtage, wie Weihnachten 1943, als Häftlinge trotz aller Widrigkeiten innerlich besinnlich waren und Liedtexte flüsterten, bleiben unvergessen. In diesen Momenten wurde der Glaube zu einer Quelle der Hoffnung und des Zusammenhalts. Die Berichte und Erinnerungen aus dieser Zeit sind nicht nur Zeugnisse des Schreckens, sondern auch von unerschütterlicher menschlicher Stärke.