Die genossenschaftliche Obst- und Gemüsewirtschaft in Baden-Württemberg hat im Jahr 2025 ein solides Ernte- und Vermarktungsjahr erlebt. Dennoch stehen die Erzeuger vor erheblichen wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen. Dr. Ulrich Theileis, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), beschreibt die paradoxe Situation, in der die Vermarktungsmengen und Umsätze steigen, während die Preise stagnieren und die Kosten weiterhin ansteigen. Um diese Situation zu verbessern, benötigen die Erzeuger Unterstützung von der Politik und den Verbrauchern.

Ein zentrales Anliegen ist die Sichtbarkeit regionaler Produkte im Handel. Theileis fordert, dass mehr Regalflächen für diese Produkte bereitgestellt werden, um die Wertschöpfung in der Region zu fördern. Die steigenden Lohnkosten, insbesondere durch den voraussichtlich auf 14,60 € pro Stunde ansteigenden Mindestlohn im Jahr 2027, belasten die Erzeuger enorm, besonders im handarbeitsintensiven Sonderkulturbereich. Um diesem Druck entgegenzuwirken, wird ein Mindestlohnabschlag von 20 % für ungelernte landwirtschaftliche Saisonarbeitskräfte gefordert.

Wachsende Herausforderungen für die Branche

Zusätzlich gibt es Schwierigkeiten mit der Anerkennung von Angaben zum Erwerbsstatus von Saisonarbeitskräften durch die Deutsche Rentenversicherung, was zu Nachzahlungen für die Betriebe führt. Auch die steigenden Energiepreise, die vor allem durch geopolitische Unsicherheiten bedingt sind, belasten die Erzeugerbetriebe. Vor diesem Hintergrund wird ein Gesamtkonzept für dauerhafte Entlastungen gefordert, um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe langfristig zu sichern.

Im Jahr 2025 vermarktete die genossenschaftliche Obst- und Gemüsewirtschaft in Baden-Württemberg insgesamt rund 411.000 Tonnen Obst und Gemüse, was einem Plus von 15 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Gesamtumsatz wuchs um 9 % auf rund 525 Millionen Euro. Die Vermarktungsmenge beim Obst stieg um 17 % auf 293.500 Tonnen, was hauptsächlich auf eine höhere Apfelernte zurückzuführen ist. Diese betrug 2025 rund 387.000 Tonnen, leicht unter dem Vorjahr mit 395.000 Tonnen. Während die erste Jahreshälfte positive Vermarktungssituationen brachte, war die zweite Jahreshälfte durch eine höhere Ernte in Norddeutschland und sinkende Preise herausfordernd.

Rückgang des Anbaus und Erzeugerpreise

Die genossenschaftliche Gemüseernte lag bei 117.500 Tonnen, und der Umsatz blieb im Vergleich zu 2024 nahezu identisch bei 253 Millionen Euro. Ein besorgniserregender Trend ist der Rückgang im Anbau von Erdbeeren und Spargel, mit einem Rückgang der Anbaufläche um 3 % (Erdbeeren) und 4 % (Spargel) im Jahr 2025. Die Erzeugerpreise für Erdbeeren stiegen jedoch auf 3,89 € pro Kilogramm, während die Preise für Spargel auf 7,24 € pro Kilogramm anstiegen. Die Abwanderung der Produktion ins Ausland und die Abhängigkeit von Importen stellen eine ernsthafte Gefahr für die regionale Versorgungssicherheit dar.

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Für eine bessere Einordnung der aktuellen Situation ist es wichtig, den Index der Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte zu betrachten. Laut Destatis zeigt dieser Index die Entwicklung der Erlöse landwirtschaftlicher Betriebe bei gegebener Erzeugung und wird von der Europäischen Kommission sowie dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft für politische Maßnahmen im Agrarsektor verwendet. Diese Statistik dient auch der Beobachtung der Preisentwicklung auf der Einkaufsseite, was für die Betriebe von großer Relevanz ist.