Im Haydn Geburtshaus in Rohrau fand am 19. April eine fesselnde Diskussion statt, bei der die Vorstellungskraft und die Kraft der Utopien im Fokus standen. Dorli Muhr moderierte die Veranstaltung, in der der bekannte Autor Ilija Trojanow seine Sichtweise über die Bedeutung von Utopien als eine Art Antidepressivum darlegte. Mit musikalischer Begleitung des Duos Basili & Kosovinc, bestehend aus Cristina Basili am Cello und Timotej Kosovinc an der Gitarre, wurde der Abend zu einem besonderen Erlebnis.
Ilija Trojanow, der 1965 in Sofia geboren wurde und 1971 mit seiner Familie nach Deutschland floh, betonte die Notwendigkeit, die Vorstellungskraft täglich zu trainieren. Er erklärte, dass alle schöpferischen Ideen zu ihrer Geburtsstunde Utopien seien und bezeichnete Dystopie als intellektuelle Faulheit. Im Publikum waren unter anderem der Hofer Bürgermeister Felix Medwenitsch (ÖVP) und Daniela Koller (Obfrau REV Römerland-Carnuntum) anwesend.
Die Kraft der Utopien
Trojanow, der heute in Wien lebt, nachdem er in Ländern wie Kenia und Indien residierte, kritisierte den neoliberalen Kapitalismus als eine Herrschaft ohne Alternative. Für ihn haben Utopien ihren Ursprung in der Fantasie und im Herzen der Menschen. Eine eindrucksvolle Metapher, die er verwendete, beschreibt, dass man in einer Zelle ohne Fenster von einer Welt ohne Gefängnis träumt. Diese Gedanken wurden durch seine Gespräche mit ehemaligen Häftlingen des bulgarischen Todeslagers Belene inspiriert, die trotz ihrer Umstände eine Art Freiheit im Bewusstsein fanden.
Trojanow sieht Utopien als konkret an, mit Beispielen wie dem Recht für Frauen zu wählen. Er warnt vor der panischen Verteidigung des Status quo, die ins Verderben führen kann. Historische Kämpfe wie die Abschaffung der Sklaverei und die Einführung des Frauenwahlrechts zeigen, dass Utopien oft lange Kämpfe erfordern. Dennoch ist er überzeugt, dass die allgemeine Erklärung der Menschenrechte noch nicht vollständig umgesetzt ist und dass eine gemeinsame Anstrengung zur Verbesserung der Verhältnisse notwendig ist.
Ein Aufruf zur Vorstellungskraft
Der Autor, der in seinen Bestsellerwerken wie „Der Weltensammler“ und „Macht und Widerstand“ viele Facetten des menschlichen Daseins beleuchtet, schloss mit einem Appell: Utopien erfordern eine vernünftige Fantasie und intelligente Empathie. Trotz der Herausforderungen, die die Welt bietet, hat Trojanow in Indien beobachtet, dass viele Menschen eine kleine Utopie im Herzen tragen, selbst inmitten von Armut.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Rohrauer Gespräche nicht nur eine Plattform für den Austausch von Ideen bildeten, sondern auch zum Nachdenken über die eigene Vorstellungskraft und die Rolle von Utopien in unserer Gesellschaft anregten. Inspiriert von Trojanows Worten und der musikalischen Untermalung bleibt die Frage: Wie können wir in unserem Alltag Utopien entwickeln und leben?
Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.