In Deutsch-Wagram gab es jüngst einen Grund zum Feiern: Der Bio-Regional-Laden „Lieber Bio“ beging sein fünfjähriges Jubiläum. Bei strahlendem Sonnenschein strömten zahlreiche Besucher herbei, um das bunte Treiben rund um die regionalen Köstlichkeiten zu genießen. Der Laden hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Anlaufpunkt für Liebhaber biologischer Produkte entwickelt.
Wie könnte es besser sein, als bei so einem Anlass auch die regionalen Bio-Lieferanten in den Mittelpunkt zu rücken? Zwölf von ihnen waren vor Ort und präsentierten eine Vielfalt an Produkten – von Nudeln über frisch gebackenes Brot bis hin zu erlesenen Weinen und Naturkosmetik aus Niederösterreich. In der „Lieber Bio“-Küche wurden zudem leckere Speisen und Getränke angeboten, die das Herz eines jeden Feinschmeckers höher schlagen lassen. Die Gäste hatten die Möglichkeit, in aller Ruhe das Sortiment zu erkunden und sich von den freundlichen Mitarbeitern beraten zu lassen.
Musik und Genuss vereint
Für die musikalische Untermalung sorgte die Austropop-Band „Kosta Quanta“, die mit ihren Klängen die Atmosphäre noch lebendiger machte. Es war einfach ein Fest für alle Sinne – und das nicht nur wegen der Musik! Robert Hebling, der Gründer von „Lieber Bio“, bietet seit Jänner 2021 ein Sortiment an biologischen Lebensmitteln von über 70 regionalen Lieferanten an. Auch täglich frisch zubereitete vegane und vegetarische Tagesmenüs machen das Angebot besonders attraktiv. Wer hier kauft, unterstützt nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Idee der Regionalität.
Aber was genau bedeutet Regionalität in der heutigen Zeit? In Deutschland, wo der Selbstversorgungsgrad mit landwirtschaftlichen Produkten nicht gerade hoch ist, sieht die Realität oft anders aus. Obst, Gemüse und Honig werden häufig importiert, was zeigt, dass die heimische Produktion nicht immer ausreicht. Es fehlen oft die nötigen Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen für regionale Lebensmittel. Auch Partnerschaften zwischen regionalen Erzeugern und dem Handel sind rar gesät. Viele landwirtschaftliche Betriebe haben sich daher entschieden, ihre Produkte direkt über Hofläden oder Wochenmärkte zu vermarkten.
Ein Trend mit Tradition
Das Interesse an regionalen Lebensmitteln wächst jedoch, nicht zuletzt als Reaktion auf die Globalisierung. Die Krise, die wir in den letzten Jahren erleben durften, hat das Bewusstsein für diese Thematik geschärft. Regionalität hat eine lange Tradition, die bis in die 1980er Jahre zurückreicht. Der Begriff hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt, neue Interpretationen und Trends wie „Local Food“ und „New Local“ sind entstanden. Diese Trends setzen auf frische, saisonale und nachhaltig produzierte Lebensmittel – ein Ansatz, der nicht nur in der Gastronomie, sondern auch im Einzelhandel immer wichtiger wird.
In Skandinavien haben Köche wie René Redzepi die neue nordische Küche etabliert, die sich ganz auf lokale Zutaten konzentriert. Auch in Deutschland gibt es Bestrebungen, exotische Inhaltsstoffe durch regionale Alternativen zu ersetzen. Die Bio-Branche sieht hierin eine Chance, sich zurückzubesinnen auf biologisch erzeugte Lebensmittel aus der Region. Dabei ist es wichtig, die Bedenken hinsichtlich „Regional-Washing“ und verwässerten Konzepten nicht aus den Augen zu verlieren.
Die Feier im „Lieber Bio“ zeigt, dass Regionalität und Bio-Produkte nicht nur ein Trend, sondern eine Notwendigkeit sind. Die Menschen sind hungrig nach authentischen Erlebnissen, die nicht nur die Gaumen erfreuen, sondern auch das Bewusstsein für die eigene Umgebung schärfen. In Gänserndorf und darüber hinaus ist das Engagement für regionale Produkte ein Schritt in die richtige Richtung.
Wer selbst einmal die Vielfalt der regionalen Küche erleben möchte, sollte unbedingt im „Lieber Bio“ vorbeischauen. Hier wird nicht nur eingekauft, hier wird gelebt!