Im Bezirk Gänserndorf zeigt sich ein bemerkenswerter Trend, der dem allgemeinen Rückgang der Erwerbspersonen in Österreich entgegenwirkt. Eine aktuelle Bevölkerungsprognose bis 2050 verdeutlicht die bevorstehenden Veränderungen auf dem österreichischen Arbeitsmarkt. Während Wien mit einem Anstieg der Erwerbspersonen um rund 15 Prozent rechnen kann, wird für Niederösterreich ein Rückgang um 6,4 Prozent sowie österreichweit um 3,5 Prozent prognostiziert. Diese Entwicklungen wurden bei einer Veranstaltung des AMS, der Wirtschaftskammer und der Arbeiterkammer, an der rund 150 Gäste teilnahmen, angesprochen.
Georg Grund-Groiss, der Leiter der AMS-Geschäftsstelle, betonte, dass die demografischen Prognosen eine veränderte Perspektive eröffnen. Im Bezirk Gänserndorf profitiert man von einem wachsenden Arbeitskräfteangebot, das durch Zuzug entsteht. Trotz dieser positiven Entwicklung wird der Fachkräftemangel durch die Pensionierungen der Babyboomer und eine steigende Akademisierung verschärft. Karmen Frena, die Vizechefin des AMS NÖ, hob die Bedeutung von Berufsorientierung und Vermittlung für die Sicherung von Arbeitsplätzen hervor. Im Jahr 2025 konnten im Bezirk Gänserndorf bereits 1.023 über 50-Jährige wieder in das Berufsleben integriert werden.
Herausforderungen durch Bürokratie und Fachkräftemangel
Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist die Bürokratie, die jährliche Kosten von 21,1 Milliarden Euro für die österreichische Wirtschaft verursacht. Dies entspricht 669 Euro pro Sekunde. Unternehmen müssen jährlich 320 Millionen Arbeitsstunden für bürokratische Aufgaben aufwenden, was in etwa 200.000 Arbeitskräften entspricht. Diese Zahlen verdeutlichen die Herausforderung, die der Fachkräftemangel mit sich bringt.
Zusätzlich wird die Mittelfristprognose des Fachkräftemonitorings, die die Arbeitsmarktströme von Angebot und Bedarf zwischen 2025 und 2029 analysiert, deutlich. Ziel ist es, ungenutzte Potenziale bei Frauen, Nicht-Deutschen und älteren Arbeitnehmern zu identifizieren, um die Fachkräftesicherung zu verbessern. Diese Analyse wird seit 2007 für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) durchgeführt und beruht auf dem Qube-Projekt. Sie berücksichtigt dabei Annahmen zu Digitalisierung, Klimawandel und anderen relevanten Entwicklungen.
Demografische Veränderungen und deren Auswirkungen
Die Bundesrepublik Deutschland steht vor ähnlichen Herausforderungen wie Österreich. Der demografisch bedingte Rückgang der Erwerbspersonen wird durch die Altersstruktur der Bevölkerung verstärkt. Prognosen zeigen, dass die Zahl der Erwerbspersonen von aktuell 51 Millionen auf 48 Millionen im Jahr 2040 sinken wird. Um diesem Rückgang entgegenzuwirken, wird eine hohe Nettozuwanderung von über 450.000 Personen jährlich als notwendig erachtet.
Eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen könnte den Rückgang um bis zu 2,6 Prozentpunkte dämpfen, während die steigenden Erwerbsumfänge der über 55-Jährigen den Rückgang um 3,2 bis 4,1 Prozentpunkte reduzieren könnten. Zudem zeigt sich, dass die Verfügbarkeit von Kindertagesbetreuung entscheidend für die Erwerbsbeteiligung von Müttern ist; aktuell haben 20% der Familien mit Kindern unter drei Jahren keinen Kita-Platz, trotz bestehendem Bedarf.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sowohl in Österreich als auch in Deutschland noch ungenutzte Potenziale existieren, die durch gezielte Maßnahmen gefördert werden können. Die Herausforderungen sind groß, aber mit einem strategischen Ansatz zur Fachkräftesicherung und der aktiven Einbeziehung aller gesellschaftlichen Gruppen könnte der Fachkräftemangel zumindest teilweise bewältigt werden. Weitere Informationen finden Sie in dem Artikel auf Mein Bezirk, wo die Details dieser Entwicklungen ausführlich behandelt werden.