Die Sorgen um die Zukunft des Bosch-Standorts in Schwäbisch Gmünd nehmen zu. Aktuell bangt das Unternehmen um einen bedeutenden Großauftrag von Volkswagen (VW) für die Lenkungssparte. Im Fokus steht dabei ein neuartiges „Steer-by-Wire“-Projekt, bei dem Lenkbefehle elektrisch, ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern, übertragen werden. Unklar ist, wo genau dieses System produziert werden soll. Neben Schwäbisch Gmünd wird auch der Standort Maklár in Ungarn als mögliche Alternative gehandelt. Die Situation wird durch die jüngsten finanziellen Herausforderungen von VW, die im ersten Quartal 2026 einen Gewinnrückgang von 28 % auf 1,6 Milliarden Euro verzeichnet haben, weiter kompliziert.
Wettbewerbsbedingte Spekulationen legen nahe, dass VW die Produktion möglicherweise intern durchführen möchte. Bosch äußert sich dazu nicht konkret, was die Unsicherheit für die Beschäftigten in Schwäbisch Gmünd verstärkt. Hier sind derzeit 3.150 Mitarbeiter beschäftigt, was einen Rückgang von 3450 Beschäftigten im Juni 2025 bedeutet. Die Angst vor Arbeitsplatzverlusten ist greifbar, besonders da die europäische Bosch-Standorte auf unterschiedliche Lenkungstypen spezialisiert sind. Maklár könnte also tatsächlich bessere Chancen auf den Auftrag haben.
Herausforderungen und Sorgen
Der Standort Schwäbisch Gmünd ist nicht nur bekannt für seine Innovationskraft in der Lenkungstechnik, sondern auch der größte Arbeitgeber der Stadt. Oberbürgermeister Richard Arnold (CDU) äußert sich besorgt über die Situation und beschreibt sie als „Worst-Case-Szenario“. In Schwäbisch Gmünd sind 1.300 Arbeitsplätze von einem bereits angekündigten Stellenabbau betroffen, der noch nicht abgeschlossen ist. Arbeitnehmervertreter fordern ein klares Bekenntnis von Bosch zum Standort, um den Beschäftigten eine Perspektive zu geben. Die Ankündigungen von Bosch zur Verlagerung von Produktionsanteilen nach Ungarn schüren zusätzliche Ängste.
Der Betriebsratsvorsitzende Claudio Bellomo hat ebenfalls die Forderung nach Zukunftsaussichten für die Mitarbeiter laut werden lassen. Massive Proteste und Gespräche im Frühjahr 2024 konnten den Stellenabbau zwar mildern, doch zeigt sich Bosch aktuell unkooperativ. Der bereits laufende Abbau von Arbeitsplätzen ist nur ein Teil einer umfassenderen Strategie des Unternehmens. Bis Ende 2030 plant Bosch, etwa 13.000 Arbeitsplätze in der Kernsparte Mobility abzubauen. Auch hier sind die deutschen Standorte, darunter Schwäbisch Gmünd, stark betroffen.
Die Zukunft von Bosch in Gmünd
Die wirtschaftliche Lage in der Automobilbranche bleibt angespannt. Bosch hat bereits mehr als 10.000 Stellen im Automobilbereich im vergangenen Jahr reduziert. Die Gewerkschaft IG Metall kritisiert diesen Personalabbau als historisch. Bosch-Geschäftsführer Stefan Grosch betont, dass die Wettbewerbsfähigkeit verbessert und Kosten gesenkt werden müssen. Die jährlichen Kosten im Geschäftsbereich sollen um 2,5 Milliarden Euro gesenkt werden. In Deutschland sank die Mitarbeiterzahl um 4.500 auf über 129.600, was einem Rückgang von 3,4 % entspricht. Der Umsatz der Zuliefersparte ist im letzten Jahr um 0,7 % auf 55,8 Milliarden Euro gesunken. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Bosch jedoch ein leichtes Wachstum.
Die Sorgen um die Zukunft des Standorts Schwäbisch Gmünd könnten die folgenden Monate entscheidend prägen. Während viele auf eine positive Wendung hoffen, bleibt die Unsicherheit für die Mitarbeiter und deren Familien spürbar.