Saatgutgesetze und die Zukunft alter Sorten in Neunkirchen
Die Diskussion um Saatgutgesetze und die Vielfalt alter Sorten wird in der Region Neunkirchen immer lauter. Mit den Plänen der EU, die jahrzehntealten Saatgutgesetze zu reformieren, könnte sich hier einiges verändern. Diese Maßnahmen könnten Chancen für die heimische Vielfalt schaffen, die durch kleine Züchter und Initiativen bewahrt wird. Insbesondere in Neunkirchen, wo es einen Sortenerhaltungsgarten für alte Obstbäume an der Landwirtschaftlichen Fachschule Warth gibt, wird deutlich, wie wichtig diese Themen vor Ort sind. Die Schule arbeitet eng mit der Stadtbibliothek Neunkirchen zusammen, um samenfeste Sorten zu vermehren und somit die regionale Biodiversität zu fördern.
Doch nicht alle sind begeistert von diesen Veränderungen. Kritiker äußern Bedenken bezüglich der neuen Gentechnikverordnung, die es großen Unternehmen ermöglichen könnte, Patente auf Eigenschaften von Saatgut zu beantragen. Dies stellt eine Herausforderung für die heimische Bio-Landwirtschaft dar, die auf die Erhaltung der Sortenvielfalt angewiesen ist. Karl Bruckmüller, ein Neunkirchner, der seit über 50 Jahren die Paradeissorte Kremser Perle anbaut, sowie die Paprika-Sorte Neusiedler Ideal zieht, spricht aus Erfahrung, wenn er auf die optischen Nachteile alter Obstsorten hinweist, die im Vergleich zu neuen Sorten weniger schnell braun werden.
Die Herausforderungen der alten Sorten
Ein weiterer Gesichtspunkt ist die Verfügbarkeit alter Getreidesorten. Hans Rasner, ein Bio-Landwirt aus Natschbach, hat Schwierigkeiten, alte Sorten wie den Waldstreuroggen zu bekommen. Dabei sind alte Getreidesorten oft gesünder und witterungsbeständiger. Beispiele wie Emmers Einkorn, das als Urgetreide gilt, zeigen, wie wertvoll diese Sorten für die Landwirtschaft sein können. Die Reform der EU zielt darauf ab, den Kauf von Samen durch Landwirte zu regeln und gleichzeitig die genetische Vielfalt zu erhalten. Laut der FAO verschwanden in den USA im letzten Jahrhundert 86% der Apfelsorten und 95% der Kohl- und 81% der Tomaten-Varianten. Ein alarmierender Trend, der auch in Europa nicht ignoriert werden kann.
Am 5. Juli 2023 stellte die EU-Kommission ihre Pläne vor, die jedoch wenig Beachtung fanden. Susanne Gura vom Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt äußert Bedenken wegen der überbordenden Bürokratie, die Kleinunternehmer, die alte Sorten vertreiben, stark belasten könnte. Der Verkauf von Saatgut nicht zugelassener Sorten an Hobbygärtner wäre erlaubt, doch für Landwirte könnte dies komplizierter werden. Aktuell dürfen in Deutschland nur amtlich zugelassene Sorten verkauft werden, und das könnte sich bald auch auf Österreich auswirken.
Lokale Initiativen und Entwicklungen
In der Region gibt es jedoch Hoffnungsschimmer. Projekte in Gloggnitz, wie die mögliche Umnutzung eines ehemaligen Kinderhorts zu einer Arztpraxis, zeigen, dass sich auch etwas bewegt. Die Diskussion über alte Sorten und deren Bedeutung wird immer wichtiger. Magdalena Prieler von Arche Noah betont die Notwendigkeit, den Zugang zu lizenzfreiem Saatgut für Bauern zu erleichtern. Es bleibt abzuwarten, wie die geplanten Reformen die heimische Landwirtschaft beeinflussen werden.
Die Lobbyarbeit der Saatgutindustrie ist stark, mit einem Budget von 1,75 bis 2 Millionen Euro jährlich. Große Konzerne wie Bayer und BASF haben eigene Lobbyabteilungen in Brüssel. Die Reform könnte auf Widerstand stoßen, da viele Länder den Entwurf als zu liberal empfinden. Der Deutsche Bauernverband warnt vor zusätzlichen Kosten durch neue Vorschriften, und Deutschland selbst äußert Zweifel an der Rechtsform der neuen Verordnung. Der Erhalt alter Sorten in der Landwirtschaft ist ein zentrales Thema, das nicht nur Neunkirchen, sondern ganz Europa betrifft.
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