Im Bezirk Scheibbs tut sich was! Die EU plant eine Vereinheitlichung der jahrzehntealten Saatgutgesetze, und das hat weitreichende Folgen – vor allem für die alten Sorten, die in der Region so gut gedeihen. Diese alten Pflanzenarten haben sich über die Jahre hinweg nicht nur an die klimatischen Bedingungen im Mostviertel angepasst, sondern sind auch resistenter gegen Krankheiten und Schädlinge. Das klingt doch vielversprechend, oder? Doch während einige die neuen Regelungen als Chance für die heimische Vielfalt sehen, äußern Kritiker wie Michaela Hofer aus Göstling an der Ybbs Bedenken. Die leidenschaftliche Gärtnerin und Mitglied des Netzwerks „Arche Noah“ befürchtet, dass die neue Gentechnikverordnung das Tauschen von altem Saatgut erschwert. Sie betreibt einen Garten, in dem alte Pflanzensorten selbstständig wachsen – eine Art „Gärtnern für Faule“, wie sie es nennt.

Ein weiterer Akteur in diesem Spiel ist Monika Vesely aus Steinakirchen, die mit ihrem „KräuterKraftWerk“ ebenfalls alte Sorten anbaut. Alte heimische Sorten sind nicht nur ökologisch wertvoller, sondern bieten auch eine gewisse Sicherheit in Zeiten des Klimawandels. Der Austausch von Saatgut wird durch Initiativen wie die von Arche Noah, die ein Sortenportal und Stammtische organisiert, gefördert. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie die neuen Gesetze den Austausch und die Züchtung beeinflussen werden. Wer mehr dazu erfahren möchte, kann sich auf den Webseiten arche-noah.at/sortenerhaltung und kraeuterkraftwerk.at informieren.

EU-Reformen und ihre Auswirkungen

Die EU-Kommission hat am 5. Juli 2023 ihre Pläne zur Reform des Saatgutmarktes vorgestellt, die, ganz im Sinne der Vielfalt alter Sorten, zehn bestehende Richtlinien in einer neuen Verordnung zusammenfassen soll. Diese Verordnung regelt den Kauf von Samen durch Landwirte und zielt darauf ab, den Verwaltungsaufwand zu verringern, die Ernährungssicherheit zu gewährleisten und die genetische Vielfalt zu erhalten. Das klingt ja alles sehr gut, doch wie sieht die Realität aus? Laut der FAO verschwanden in den USA im letzten Jahrhundert unglaubliche 86% der Apfelsorten, 95% der Kohl- und 81% der Tomatensorten. Das ist alarmierend – und ein klarer Aufruf, alte Sorten zu bewahren und zu fördern.

Die neue Verordnung könnte für kleine Züchter und Anbieter von Gemüsesamen, die sich bei Behörden melden und jährliche Berichte abgeben müssen, eine große Herausforderung darstellen. Susanne Gura vom Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt warnt vor überbordender Bürokratie. Was bedeutet das für die Gärtner in der Region? Johanna Sommer, eine Gärtnermeisterin, erwägt sogar, ihre Tätigkeit aufzugeben, wenn die neuen Auflagen in Kraft treten. Das zeigt, wie ernst die Lage ist und wie wichtig es ist, die Stimmen der kleinen Züchter zu hören.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen

In der EU regeln das Saatgutverkehrsgesetz und die entsprechenden Verordnungen die Zulassung von Pflanzensorten sowie das Inverkehrbringen von Saat- und Pflanzgut. Nur Saatgut zugelassener Sorten darf verkauft werden. Eine Sorte wird nur dann zugelassen, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllt: Sie muss unterscheidbar, homogen, beständig und landeskulturell wertvoll sein. Eine Menge an Prüfungen und Genehmigungen sind erforderlich, bevor eine Sorte auf den Markt kommen kann – und das alles ist nicht nur für große Unternehmen, sondern auch für kleine Züchter eine echte Herausforderung.

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Das Bundessortenamt (BSA) ist verantwortlich für die Prüfung und Zulassung neuer Sorten. Dabei werden die Sortenmerkmale in speziellen Prüfstellen getestet, und auch der landeskulturelle Wert einer Sorte wird sorgfältig ermittelt. Die Zulassung erfolgt, wenn eine Sorte eine deutliche Verbesserung gegenüber bereits zugelassenen Sorten verspricht – ein Prozess, der Zeit und Geduld erfordert. Die neuen Regelungen könnten den Austausch und das Experimentieren mit alten Sorten erschweren, was für viele Gärtner ein echtes Problem darstellen könnte.

Insgesamt zeigt sich, dass die Herausforderungen für den Erhalt alter Sorten in der Landwirtschaft groß sind, aber die Chancen, die sich durch Initiativen und das Engagement kleiner Züchter bieten, nicht unterschätzt werden sollten. Es bleibt spannend, wie sich die Dinge entwickeln werden und welche Rolle die alten Sorten in der Zukunft spielen werden. Der Bezirk Scheibbs bleibt auf jeden Fall ein spannender Ort, wenn es um den Erhalt der Vielfalt in der Landwirtschaft geht – und vielleicht können wir alle ein bisschen dazu beitragen, diese Vielfalt zu bewahren.

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