In den letzten Tagen hat sich in Niederösterreich viel um die Notfallversorgung gedreht. Matthias Zauner, Landesgeschäftsführer der Volkspartei NÖ, lud zwei Mediziner zu einem offenen Gespräch ein. Anwesend waren Alexander Egger, der ärztliche Direktor des Landesklinikums Scheibbs, und Ronald Wielach, Oberarzt und leitender Notarzt am Landesklinikum Korneuburg. Die Diskussion war nicht nur ein Austausch von Meinungen, sondern eine dringliche Analyse der aktuellen Situation und die Notwendigkeit einer Reform im Gesundheitswesen des Landes.
Zauner betonte, dass die Politik eine große Verantwortung trägt – sowohl für ihr Handeln als auch für ihr Unterlassen in der Gesundheitsversorgung. Der Gesundheitsplan 2040+, der parteiübergreifend im Landtag beschlossen wurde, soll als Leitfaden dienen. In Anbetracht einer alternden Gesellschaft und dem steigenden Bedarf an medizinischen Leistungen sind Maßnahmen dringend erforderlich. Die Umstrukturierungen in der Notfallversorgung haben bereits zu Verunsicherung in der Bevölkerung geführt. Viele fragen sich, wie die Zukunft der Rettungskette aussieht. Eine schnelle Notrufannahme, gut ausgebildete Einsatzkräfte, moderne Telemedizin und ein gezielter Transport in geeignete Kliniken – all das sind Aspekte, die neu gedacht werden müssen.
Die Herausforderungen der Notfallversorgung
Alexander Egger hob während der Diskussion die Bedeutung technischer Aufrüstung und Innovationen im Rettungsdienst hervor. Geplant ist eine Reduktion auf 21 bodengebundene Notarzt-Stützpunkte in Niederösterreich, was im Vergleich zur höchsten Notarzt-Versorgungsdichte Österreichs mit 21 Notarzteinsatzfahrzeugen für 1,7 Millionen Einwohner steht. Im Vergleich dazu hat Oberösterreich 18 Notarzteinsatzfahrzeuge für 1,5 Millionen Einwohner. Bedenkt man die Veränderungen seit 2022 und die Rettungslandschaft 2030 in Niederösterreich, wird schnell klar: Es gibt viel zu tun. Zudem wurde festgestellt, dass die Notarzt-Einsätze um knapp 30 Prozent durch den Einsatz von Rettungstransportwagen (RTW) reduziert wurden. Dies hat allerdings nicht zu einer dramatischen Zunahme der Nachforderungen eines Notarztmittels geführt, was Hoffnung gibt.
Ronald Wielach betonte, dass die Reform nicht nur notwendig ist, sondern auch die Qualität der Gesundheitsversorgung langfristig sichern soll. Die Kritik von Zauner an der SPÖ für deren „Zickzack-Kurs“ – trotz Zustimmung im Landtag – zeigt, wie stark die politischen Strömungen in diesem sensiblen Bereich sind. Sven Hergovich von der SPÖ fordert hingegen, dass keine Notarzt-Stützpunkte gestrichen werden dürfen, ohne einen gleichwertigen Ersatz zu gewährleisten. Hier prallen verschiedene Ansichten aufeinander, was den Weg zu einer einheitlichen Lösung erschwert.
Der Gesundheitspakt 2040+
Ein weiterer Aspekt, der nicht unerwähnt bleiben sollte, ist der Gesundheitspakt 2040+, der am 24. März 2025 vorgestellt und am 27. März 2025 im Landtag beschlossen wurde. Dieser Pakt hat das Ziel, das Gesundheitssystem in Niederösterreich umfassend zu restrukturieren. Er reagiert auf Herausforderungen wie den Fachkräftemangel, lange Wartezeiten und die alternde Bevölkerung. Ein über 50-köpfiges Expertengremium hat den Plan zur Neustrukturierung erarbeitet. Es wird viel passieren: Mehrere Spitäler sollen zu Kliniken mit Sonderfunktionen umgewandelt werden. So wird beispielsweise die Tagesklinik Gänserndorf geschlossen und zur Primärversorgungseinheit umgewandelt.
In den nächsten Jahren sind Investitionen von bis zu 120 Millionen Euro geplant. Diese Summe wird genutzt, um die Gesundheitsinfrastruktur weiter auszubauen und die Patientenversorgung zu verbessern. Die SPÖ konnte zentrale Punkte durchsetzen, wie die flächendeckende Erst-, Akut- und Notfallversorgung in allen Bezirken sowie die technische Lösung für Notarzthubschrauber für Nacht- und Schlechtwetterlandungen. Die Umsetzung dieser Maßnahmen wird entscheidend sein, um die Herausforderungen, vor denen das Land steht, zügig und effektiv zu bewältigen.
All diese Entwicklungen zeigen, wie wichtig es ist, dass sich die Verantwortlichen aktiv mit der Zukunft der Notfallversorgung auseinandersetzen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die verschiedenen Maßnahmen und Reformen in der Realität bewähren werden. Die Menschen in Niederösterreich hoffen auf einen positiven Wandel und eine verbesserte Gesundheitsversorgung, die den Bedürfnissen einer alternden Gesellschaft gerecht wird.
