In Tulln hat das Rote Kreuz Atzenbrugg einen spannenden personellen Zuwachs zu verzeichnen. Michaela Muschitz hat erfolgreich die Ausbildung zur Peer-Mitarbeiterin abgeschlossen und bringt frischen Wind in die psychosoziale Unterstützung der Organisation. Ihre Rolle ist von zentraler Bedeutung: Peers unterstützen ihre Kolleginnen und Kollegen nach belastenden Einsätzen und begleiten sie in der Nachbetreuung. Das Ziel? Psychische Belastungen frühzeitig aufzufangen und die Einsatzkräfte nachhaltig zu stärken. Mit Michaela Muschitz gibt es nun bereits zwei speziell ausgebildete Peer-Mitarbeiterinnen beim Roten Kreuz Atzenbrugg, was die interne Unterstützung erheblich erweitert und die psychosoziale Betreuung weiter stärkt. Weitere Informationen zu dieser Entwicklung finden Sie in dem Artikel auf meinbezirk.at.
Was genau macht eigentlich eine Peer-Mitarbeiterin? Peers sind Menschen, die selbst Erfahrungen in sozialen Problemlagen gemacht haben. Dazu zählen psychische Erkrankungen, Sucht, Obdachlosigkeit und vieles mehr. Sie agieren nicht als Fachkräfte, sondern bringen ihre Expertise aus eigener Erfahrung mit. Das Besondere an ihrer Arbeit? Sie bieten Orientierung, Hoffnung und Nähe für Betroffene. Das ist nicht nur gut für die Menschen, die Unterstützung suchen; es hilft auch, das Vertrauen in die Hilfsangebote zu stärken. Aber ganz ohne Herausforderungen geht es nicht. Die Rollenklärung und die strukturelle Einbindung sind entscheidend, damit die Peer-Arbeit erfolgreich ist.
Die Rolle der Peer-Mitarbeiterinnen
Eine gut funktionierende Peer-Arbeit benötigt klare Strukturen. Best Practices empfehlen beispielsweise, Peers frühzeitig in die Planung und Konzeptentwicklung einzubinden. Auch die Definition klarer Rollen und Erwartungen spielt eine zentrale Rolle. Schulungen und Trainings sind wichtig, um die Peers auf ihre Aufgaben vorzubereiten. Teamsensibilität sollte ebenfalls gestärkt werden, um einen produktiven Austausch zwischen Peers und Fachkräften zu fördern. All diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass die Zusammenarbeit auf Augenhöhe gefördert wird—und das ist essenziell für den Erfolg. Gut eingesetzte Peers sind keine Lückenfüller, sondern bringen wertvolle Verbindungen zwischen Theorie und Lebensrealität.
Die Bedeutung der Peer-Arbeit wird auch durch internationale und nationale Positionspapiere unterstrichen. Die WHO fordert seit 2017, dass solche Unterstützungssysteme in die psychiatrischen Angebote integriert werden. Die ersten Peer-Mitarbeiterinnen in der Psychiatrie wurden bereits vor Jahren angestellt, und die Anzahl ist stetig gewachsen. In der Deutschschweiz waren es 2017 bereits etwa 125, mit einem durchschnittlichen Beschäftigungsgrad von 35%. Ihre Hauptaufgaben umfassen das Vermitteln von Zuversicht, Empowerment und Anti-Stigma-Arbeit. Studien belegen die Vorteile der Peer-Arbeit, insbesondere in Bezug auf persönliche Recovery-Prozesse und das Gefühl von Hoffnung.
Es gibt jedoch auch Herausforderungen. Insbesondere die Finanzierung stellt eine große Hürde dar, vor allem im nicht-spitalambulanten Bereich. Die Akzeptanz und das Wissen über Peer-Arbeit sind in Pflege- und Sozialberufen am stärksten ausgeprägt, während in der Medizin noch Skepsis herrscht. Umso wichtiger ist es, dass Initiativen wie die des Roten Kreuzes Atzenbrugg weiterverfolgt werden. Sie zeigen, wie Peer-Mitarbeiterinnen einen echten Unterschied machen können.
