In Eferding und Grieskirchen herrscht nicht gerade Jubelstimmung, wenn es um die Gesundheitsversorgung geht. Laut einer aktuellen Umfrage sind nur 34 Prozent der Mitglieder der Arbeiterkammer mit dem Gesundheitssystem zufrieden. Das ist ein Rückgang um sechs Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahlen sprechen für sich: 31 Prozent der Befragten sind wenig bis gar nicht zufrieden, und das ist kein gutes Zeichen. Die Frustration zeigt sich deutlich, denn 60 Prozent fühlen sich stark oder sehr stark durch lange Wartezeiten auf Facharzttermine, Untersuchungen oder Operationen belastet. Es wird immer schwieriger, rechtzeitig die nötige medizinische Hilfe zu bekommen.

Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass 48 Prozent der Befragten keinen Termin erhalten haben, weil keine neuen Patienten aufgenommen werden. Und wenn man denkt, es könnte nicht schlimmer werden: 61 Prozent mussten länger als drei Monate auf eine Operation warten. Das ist eine lange Zeit, wenn man bedenkt, wie wichtig Gesundheit ist. 22 Prozent haben keinen Termin in einer Kassenordination erhalten. Ein Trend ist deutlich zu erkennen: Immer mehr Menschen weichen auf teure Wahl- und Privatärzte aus, weil sie in den Kassenordinationen nicht mehr weiterkommen. Arbeiterkammer-Präsident Stangl hat dazu eine klare Meinung: Die Gesundheitsversorgung wird zunehmend eine Frage des Geldes, was besonders chronisch Kranke stark belastet.

Forderungen zur Verbesserung der Situation

Die Arbeiterkammer hat klare Forderungen formuliert, um die Gesundheitsversorgung in Oberösterreich zu verbessern. Dazu gehören eine gerechte und hochwertige Gesundheitsversorgung für alle, die deutliche Verkürzung der Wartezeiten und eine transparente Terminvergabe bei Operationen. Auch die schnelle Besetzung offener Kassenstellen sowie der Ausbau von Primärversorgungszentren stehen auf der Liste. Ein Rechtsanspruch auf allgemeinmedizinische Versorgung sollte ebenso selbstverständlich sein wie die Erstattung des vollen Kassentarifs bei Wahlärzten, wenn keine Versorgung durch Kassenärzte erfolgt. Zudem wird mehr Mitbestimmung der Arbeitnehmer in der Österreichischen Gesundheitskasse gefordert.

Ein Blick auf die allgemeine Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung in Oberösterreich zeigt, dass es regional große Unterschiede gibt. So sind nur 40 Prozent der Arbeitnehmer:innen mit der Versorgung durch Spitäler und Hausärzt:innen zufrieden, während die Zufriedenheit mit der kassenärztlichen Versorgung durch Fachärzt:innen sogar nur bei 28 Prozent liegt. Besonders im ländlichen Raum ist die Zufriedenheit mit nur 25 Prozent deutlich niedriger als in urbanen Zentren, wo es immerhin 34 Prozent sind.

Soziale Ungleichheiten im Gesundheitssystem

Interessanterweise spielt das Einkommen eine wesentliche Rolle. 48 Prozent der Personen mit unzureichendem Einkommen sind unzufrieden – das ist ein signifikant hoher Anstieg um 13 Prozentpunkte innerhalb eines Jahres. Im Gegensatz dazu sind nur 18 Prozent der Befragten, die gut von ihrem Einkommen leben können, unzufrieden. Auch das Bildungsniveau hat Einfluss: Bei Arbeitnehmer:innen ohne Matura liegt die Unzufriedenheit bei 30 Prozent, während es bei Maturanten und Hochschulabsolventen nur 20 Prozent sind. Die Sorgen um lange Wartezeiten sind weit verbreitet: 57 Prozent der Befragten fühlen sich stark belastet, vor allem Personen mit unzureichendem Einkommen, von denen sich 70 Prozent betroffen fühlen.

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Die Fakten sind eindeutig: Lange Wartezeiten führen dazu, dass immer mehr Versicherte auf Wahl- und Privatärzte ausweichen. 56 Prozent der Befragten haben diesen Schritt bereits unternommen, um schneller einen Termin zu bekommen. Das ist alles andere als ideal – die hohen privaten Gesundheitsausgaben machen fast ein Viertel der gesamten Gesundheitsausgaben aus. Der Zugang zu medizinischer Versorgung wird zunehmend zur Frage des Geldes, was die Ungleichheiten im Gesundheitssystem nur verstärkt. Die Forderungen nach einer raschen Nachbesetzung offener Kassenstellen und einem Ausbau der kassenärztlichen Versorgung werden immer lauter.