Am Donnerstag, dem 30. April, wird in Freistadt ein ganz besonderer Aktionstag begangen: Der Tag der Arbeitslosen. An diesem Tag bietet der Volkshilfeshop Freistadt sein gesamtes Sortiment, mit Ausnahme von Elektrogroßgeräten und Fahrrädern, zum halben Preis an. Um von diesem Angebot Gebrauch machen zu können, müssen die Kunden an der Kasse den Losungssatz „Arbeit ist ein Menschenrecht“ nennen. Mit dieser Aktion soll auf die wichtige Thematik der Arbeitslosigkeit aufmerksam gemacht werden.
Ulrike Steininger, Vorsitzende der Volkshilfe Freistadt, betont die Rolle der Volkshilfeshops in Österreich, die nicht nur Waren anbieten, sondern auch Perspektiven für Menschen schaffen, die auf dem Weg zurück in den Arbeitsmarkt sind. An ausgewählten Standorten werden Langzeitarbeitslose gezielt auf den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet. Die Aktion soll ein klares Zeichen setzen und konkret helfen, indem sie die Bedeutung von Arbeit als Quelle von Einkommen, Würde, Teilhabe und Zukunftsperspektive hervorhebt. Weitere Informationen zu dieser Initiative finden Sie in dem Artikel auf meinbezirk.at.
Die Herausforderungen der Arbeitslosigkeit
Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist ein komplexes Thema, das zahlreiche Facetten aufweist. Ein zentraler Aspekt ist das degressive Modell der Arbeitslosenversicherung, das darauf abzielt, lang andauernde Erwerbslosigkeit zu bekämpfen. Dabei verringert sich die Nettoersatzrate mit der Dauer der Erwerbslosigkeit, was von Expert*innen kritisch betrachtet wird. Sie argumentieren, dass die Auszahlung von Arbeitslosengeld keinen negativen Einfluss auf die Jobsuche hat, während niedrigere Zahlungen dazu führen können, dass Betroffene in andere soziale Sicherungsnetze zurückweichen, wie zum Beispiel die Mindestsicherung.
Das Armutsrisiko steigt besonders für langzeitbeschäftigungslos Personen, und weniger Haushaltseinkommen bedeutet weniger Konsum, was sich negativ auf die gesamte Wirtschaft auswirkt. Die Volkshilfe lehnt das degressive Modell ab, da es dem Prinzip der Gleichheit widerspricht und fordert eine Erhöhung der Nettoersatzrate auf mindestens 70%. Zudem wird der Ausbau von Jobgarantien und Beschäftigungsprojekten gefordert, um die aktive Arbeitsmarktpolitik zu stärken.
Der Wert von Zuverdienstmöglichkeiten
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Möglichkeit des Zuverdienstes während der Arbeitslosigkeit. Aktuell sind 11% der Arbeitssuchenden in geringfügiger Beschäftigung tätig, doch die Armutsgefährdung ist hoch, insbesondere bei Erwerbslosen mit Zuverdienst, von denen über 80% ein Einkommen von unter 1.000 Euro haben. Diese finanziellen Engpässe betreffen vor allem Familien mit Kindern, von denen 40% auf Zuverdienst angewiesen sind. Die Volkshilfe spricht sich klar gegen die Einschränkung oder Abschaffung von Zuverdienstmöglichkeiten aus, da diese für viele Erwerbslose existenziell sind.
Die bestehenden Zumutbarkeitsbestimmungen sind bereits belastend für Arbeitslose. Verschärfungen würden nicht nur die Situation der Betroffenen verschlechtern, sondern auch die Arbeitsbedingungen allgemein verschärfen. Die Volkshilfe fordert daher nicht nur eine Beibehaltung, sondern auch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Arbeitgeber und eine Unterstützung der Betroffenen. Mehr Informationen zu den Positionierungen der Volkshilfe und den Anforderungen an die aktive Arbeitsmarktpolitik finden Sie auf der Webseite der Volkshilfe Oberösterreich.