Innovative Ansätze in der Milchviehhaltung: Der Betrieb Bauer z’Gschwendt als Vorbild
In den letzten Jahren kämpfen viele Milchviehbetriebe mit steigenden Kosten und schwankenden Milchpreisen. Doch es gibt auch Lichtblicke! Ein beeindruckendes Beispiel stellt der Betrieb „Bauer z’Gschwendt“ in Peuerbach dar. Hier haben Christina und Josef Arminger erfolgreich die Herausforderung angenommen und zeigen, dass Wirtschaftlichkeit auch in schwierigen Zeiten möglich ist. Sie übernahmen den Hof 2024 von Anita und Josef Schatzl und bringen frischen Wind in die Landwirtschaft.
Christina, die eine Ausbildung an der HBLA Elmberg genossen hat, bringt wertvolle Erfahrungen im Qualitätsmanagement mit. Und ihr Partner Josef, ein gelernter Elektriker, hat die „Lehre mit Matura“ abgeschlossen und ist seit 2020 als landwirtschaftlicher Facharbeiter aktiv. Gemeinsam führen sie den Mehrgenerationenbetrieb, in dem die Elterngeneration weiterhin tatkräftig mitarbeitet. Das Herzstück des Betriebs bildet die Holsteinherde, die in einem modernisierten Offenfrontstall untergebracht ist. Hier wurde der Fokus auf Tierwohl und Nachhaltigkeit gelegt, was sich unter anderem in der Installation von Rillenböden zur Emissionsreduktion widerspiegelt.
Technik und Nachhaltigkeit im Einklang
Die Arbeit auf dem Hof wird durch automatisierte Technik wie Melkroboter und Futtermischer erheblich erleichtert. Auch bei der Milchkühlung setzt der Betrieb auf Energieeffizienz, indem Vorkühlung mit Tränkewasser und eine Photovoltaikanlage zum Einsatz kommen. Ein weiterer Pluspunkt: Die eigene Nachzucht und kurze Transportwege für die Kälber betonen die nachhaltige Ausrichtung des Betriebs. Und damit nicht genug, plant das Betriebsleiterpaar bereits den Umbau des Kälberstalles.
Ein Motto, das die Philosophie des Hofes perfekt zusammenfasst, lautet: „Wertschöpfung und Wertschätzung wieder auf den Hof holen“. Im Jahr 2020 wagten sie den Einstieg in die Direktvermarktung, unterstützt durch die Beratung der BBK Eferding Grieskirchen Wels. Unter der Marke „DER BAUERHOF in Gschwendt“ stellen sie hochwertige Frischmilchprodukte her. Zehn Prozent der gemolkenen Milch werden in einem Verarbeitungscontainer zu Joghurt, Topfen, Schlagobers, Sauerrahm und Grillkäse verarbeitet. Seit 2022 gibt es sogar pasteurisierte Milch im Sortiment!
Direkter Kontakt zu den Konsumenten
Ein Selbstbedienungsbereich für Produkte ist rund um die Uhr verfügbar, und der Milchautomat „Lois“ für Rohmilch erfreut sich großer Beliebtheit bei den Kunden. Produkte der Marke „Der Bauerhof“ sind nicht nur auf dem Hof selbst, sondern auch in regionalen Verkaufsstellen erhältlich. Der direkte Kontakt zu den Konsumenten stärkt das Vertrauen und sorgt für stabile Erlöse, was in der heutigen Zeit nicht zu unterschätzen ist. Und das Betriebsleiterpaar hat noch mehr Pläne: Eine eigene Käseproduktion steht auf der Wunschliste.
In der Gesamtbetrachtung zeigt sich, dass die Herausforderungen der Milchviehhaltung nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland bestehen. Laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Konsummilch in Deutschland 2025 auf etwa 45 Kilogramm gesunken, während der Verbrauch von Käse und Butter ansteigt. Trotz eines Rückgangs von rund 1.500 Milchviehbetrieben in Deutschland blieb der Milchviehbestand stabil. Die Statistiken zeigen, dass im Jahr 2025 die Herstellungsmenge von Konsummilch um 2,6 Prozent fiel – der fünfte Rückgang in Folge.
Die Entwicklungen auf dem Milchmarkt sind vielschichtig. Während in Deutschland die Zahl der Milchverarbeitungsbetriebe nach dem Quotenende gewachsen ist, sinkt sie in Österreich und Frankreich. In diesen Ländern bleibt die Genossenschaftsstruktur dominant, während sich Erzeugerorganisationen in Deutschland und Frankreich stärker etabliert haben. All diese Faktoren beeinflussen die wirtschaftliche Lage der Milchviehhaltung und die Entscheidungen der einzelnen Betriebe. Die veröffentlichten Daten, die auf gesetzlichen Vorgaben zur Marktbeobachtung basieren, sind für die Europäische Kommission und das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat von Bedeutung.
In einer Zeit, in der die Milchwirtschaft vor großen Herausforderungen steht, zeigt der Betrieb „Bauer z’Gschwendt“ mit seinem innovativen Ansatz, wie es auch anders gehen kann. Ein Beispiel, das Mut macht und zeigt, dass auch in schwierigen Zeiten Wertschöpfung und Wertschätzung auf den Hof zurückgeholt werden können. Wer weiß, vielleicht wird der Weg, den Christina und Josef eingeschlagen haben, bald von vielen anderen Betrieben nachgeahmt.
Für weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen in der Milchwirtschaft lohnt sich ein Blick auf die Statistiken des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, die unter www.bmel-statistik.de zugänglich sind.
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