In Linz gibt es einen beeindruckenden Menschen, dessen Geschichte von gelungener Integration zeugt. Ammar, 35 Jahre alt und ursprünglich aus Syrien, kam im Jahr 2015 aus dem Kriegsgebiet nach Österreich. Was für viele ein langwieriger Prozess der Anpassung ist, meisterte er in Rekordzeit. Perfektes Deutsch? Kein Problem! Ammar lernte die Sprache so schnell, dass er schon bald nach Erhalt seines Asylbescheids im Restaurant JOSEF seine Karriere startete. Dort begann er als Speisenträger und arbeitete sich bis zum Restaurantleiter hoch. Ein echtes Vorbild, oder?

2024 war ein besonderes Jahr für Ammar. An seinem Geburtstag, kaum zu fassen, erhielt er die österreichische Staatsbürgerschaft – ein Zeichen dafür, dass er sich in der Gesellschaft voll und ganz integriert hat. Die Feierlichkeiten zur Staatsbürgerschaftsverleihung waren auch ein bisschen festlich: Ammar erschien in traditioneller Tracht und Lederhose. Sein Chef, Günther Hager, lobte ihn als einen der besten und verlässlichsten Mitarbeiter – und das, ohne einen einzigen Tag Sozialhilfe oder staatliche Unterstützung in Anspruch genommen zu haben. Man stelle sich das vor! Ammar war bereits in seiner Heimat als selbstständiger Gastronom tätig und bringt damit nicht nur seine Erfahrung, sondern auch eine bunte Vielfalt an Kulturen in das Restaurant JOSEF, das Mitarbeiter aus sieben Religionen und 16 Nationen beschäftigt.

Staatsbürgerschaft in Österreich: Ein schwieriger Weg

Die Erfolgsgeschichte von Ammar steht in starkem Kontrast zu den Herausforderungen, die viele Menschen in Österreich beim Zugang zur Staatsbürgerschaft erleben. Österreich hat eines der restriktivsten Staatsbürgerschaftsrechte in Europa – nur Saudi-Arabien und die VAE sind strenger. Im MIPEX-Ranking erhält Österreich zusammen mit Bulgarien nur 13 von 100 Punkten. Die Diskussionen über die Einbürgerung sind vielfältig: Die SPÖ fordert die Senkung der Einkommensgrenzen und die Abschaffung hoher Gebühren. Auch die NEOS setzen sich für eine allgemeine Doppelstaatsbürgerschaft ein.

Im Jahr 2024 haben bis September 15.824 Personen die Staatsbürgerschaft erhalten, was einem Anstieg von 43,4 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dies ist vor allem auf Gesetzesänderungen für NS-Opfer und deren Nachkommen zurückzuführen. Doch in Wien gab es einen Rückgang der Einbürgerungen um 2,9 % auf 2.777 Personen. Viele AntragstellerInnen scheitern an den bürokratischen Hürden – vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen, Frauen und Alleinerziehende sind betroffen. Komplexe Einkommensnachweise stellen für viele eine große Herausforderung dar.

Ein Blick auf die Vielfalt in Österreich

Die Geschichte der Migration in Österreich ist lang und vielschichtig. Schon Stefan Zweig beschrieb in „Die Welt von gestern“ den multikulturellen Charakter Wiens. Heute leben in der Stadt rund 180 Nationalitäten, und etwa 44,4 % der Bevölkerung haben ausländische Wurzeln. In einigen Wiener Gemeindebezirken haben mehr als die Hälfte der EinwohnerInnen eine Migrationsgeschichte. Es ist faszinierend, wie Österreich oft mit Sachertorte, Mozart und den Alpen assoziiert wird, während die Realität von einer hohen Migrationsbevölkerung geprägt ist – 13,2 % der Wohnbevölkerung sind MigrantInnen.

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Die Prognosen zeigen, dass die Bevölkerung ohne Migration schrumpfen würde. Bis zur Mitte der 2050er Jahre wird ein Bevölkerungswachstum von bis zu 10 Millionen erwartet, das nahezu ausschließlich auf Zuwanderung beruht. Ein trauriges, aber auch lehrreiches Bild ergibt sich, wenn wir bedenken, dass über 260.000 in Österreich geborene Menschen keine Staatsbürgerschaft besitzen. Das sorgt für Ungleichbehandlung und schränkt die gesellschaftliche Teilhabe ein – besonders Kinder und Jugendliche, die oft als „Fremde“ betrachtet werden.

Die Herausforderungen sind groß, doch die Geschichten wie die von Ammar geben Hoffnung und zeigen, dass es auch anders gehen kann. Der Weg zur Staatsbürgerschaft ist steinig, aber nicht unmöglich. Und das ist vielleicht das Wichtigste – es gibt immer einen Weg, die Hürden zu überwinden, um Teil dieser bunten, vielfältigen Gesellschaft zu werden.